Halloween-Abend zieht in Stolberg die Massen an

Auch Kritik am Gruselparcours : Altstadt wird zu großer Geisterbahn

Erschrockene Schreie zeugen von Angst und Schrecken, werden aber sogleich von erleichtertem Lachen abgelöst. Es ist Halloween, und die Stolberger Altstadt ist in eine große Geisterbahn verwandelt. Aber auch in Büsbach darf gruselig gefeiert werden.

Dort hat das Jugendamt erstmals das Bürgerhaus an der Konrad-Adenauer-Straße zum „Town Hall of Horror“ gemacht. Sozialarbeiterin Anne Barry und Honorarkraft Sabrina Neumann bieten mit ihrem Team aus rund 15 Ehrenamtlern alkoholfreie Getränke, schaurige Snacks, Tanz und Spiele für Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren an.

Und auch in der Innenstadt gibt es einige Neuerungen bei dem großen Halloween-Spektakel, das von der Altstadt-Gastronomie flankiert wird. Am Fuße des Burghauses erwartet der Fantasy-Verein Rheinlarp Jung und Alt in atmosphärischem Ambiente. Rollenspiele und Fantasy-Literatur kommen in der „Taverne des Schreckens“ bestens an. Als neuer Schauplatz sollte eigentlich der Biergarten des Burgkellers dem schottischen Clan McKinnon für einen „Highland Horror“ dienen, doch der Clan hatte kurzfristig abgesagt.

Zahlreich und einfallsreich waren die Besucher und die City Starlights kostümiert. Foto: Dirk Müller

Der Außenbereich des Burgkellers ist dennoch ein attraktiver Anziehungspunkt, denn „kopflose Frauen“ rund um Hanka von Trosky treiben dort ihr unterhaltsames Unwesen, ein DJ liefert furchteinflößende Soundeffekte dazu und schafft mit Nebel und Lichteffekten großartige Atmosphäre.

Der Kupferstädter Kulturverein City Starlights ist diesmal am unteren Luciaweg in Action. Die Gruselrevue der City Starlights punktet bei Klein und Groß mit einer ansprechenden Kombination aus Kostümen, Schauspiel, Musik und Tanz.

Großer Andrang herrschte beim Gruselparcours. Foto: Dirk Müller

Das schaurig-schöne Programm ist zudem interaktiv – immer wieder binden die City Starlights Teile des Publikums ein – und weist Lokalkolorit auf. So hat der Verein zum Beispiel herausgefunden, dass die Fabelwesen Mogwais für die in jüngster Zeit sprudelnden Wasserrohrbrüche im Steinweg verantwortlich sind.

Zur späteren Stunde lockt Livemusik von „Six, Four and more“ ins „Piano“ und von „Tito Tequila“ ins „Beer o'Clock“. Herzstück und Publikumsmagnet der Halloween-Sause in der Altstadt ist wieder der Gruselparcours der Veytaler Ritterschaft: Vom Vogelsang zur Burg hinauf haben die Ritter den Burggarten in eine große open-Air-Geisterbahn verwandelt und mit schauderhaften Requisiten und Effekten gespickt. Als Clou sind erneut zahlreiche Darsteller im Einsatz, die in diversen Rollen die Besucher gehörig erschrecken.

Die City Starlights hatten herausgefunden, dass die Fabelwesen Mogwais für die in jüngster Zeit sprudelnden Wasserrohrbrüche im Steinweg verantwortlich sind. Davon konnten sich dann auch hübsch kostümierte Gäste überzeugen. Foto: Dirk Müller

Für Aufregung hat der Gruselparcours allerdings bereits im Vorfeld gesorgt: Am Nachmittag war ein Teil des Parcours Grund eines Sturms der Entrüstung in einem sogenannten sozialen Netzwerk. Die Ritter hatten auf dem „Burgparkplatz“ – gemeint war der Faches-Thumesnil-Platz – eine Horror-Installation aus Puppen drapiert, die für viele Stolberger die Grenzen des guten Geschmacks und des Erträglichen sprengte und als menschenverachtend, frauenfeindlich, sexistisch und gewaltverherrlichend empfunden wurde.

Burggastronom Serkan Sistermanns und Bürgermeister Patrick Haas waren alarmiert und kontaktierten Robert Walz, den Initiator und Organisator des Halloween-Abends in der Altstadt. „Die Kritik online war berechtigt, wobei sie durchaus etwas weniger hysterisch hätte sein können“, sagt Robert Walz.

Herzlich willkommen zum Gruseln in Stolberg. Foto: Dirk Müller

„Die Veytaler Ritter sind mit dieser Installation übers Ziel hinausgeschossen. Aber ganz sicher ohne jede böse Absicht. Die Ehrenamtler des Vereins engagieren sich seit Langem bei mehreren Events in Stolberg und richten seit fünf Jahren mit viel Hingabe den Gruselparcours aus, der Halloween in der Kupferstadt überregional bekannt gemacht hat“, nimmt Walz die Ehrenamtler in Schutz.

Tatsächlich wurde die zumindest fragwürdige Installation spontan vom Faches-Thumesnil-Platz entfernt. Ein bitterer Beigeschmack jedoch bleibt, denn am Abend ist das mit Puppen nachgestellte Massaker dennoch zu sehen – ohne Warnung oder Altersfreigabe zugänglich, auch für Familien mit Kindern.

Die Veytaler Ritterschaft engagiert sich seit langem bei Halloween in Stolberg, erntete aber auch Kritik für zumindest fragwürdige Installationen. Foto: Dirk Müller

Die blutige Szenerie wurde schlichtweg an einem anderen Platz installiert: auf dem alten Friedhof an der Burg. Und kopfüber aufgehängte Babypuppen – eine davon mit aufgeschlitztem Bauch – und eine Frauenpuppe mit einem Fleischerbeil zwischen den Beinen sind dort ausgerechnet am Denkmal drapiert.