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Stolberg: Gute Ausstattung für Schulen

Stolberg : Gute Ausstattung für Schulen

Seit genau einem Jahr ist Ferdi Küpper-Jacobs Leiter der Realschule in der Walther-Dobbelmann-Straße. Er hat in Zeiten von großer Jugendarbeitslosigkeit und miserablen Pisa-Ergebnissen die Verantwortung für rund 650 Schülerinnen und Schüler übernommen.

Als Schulleiter muss er für die Jugendlichen optimale Ausbildungsmöglichkeiten schaffen, und das in Zeiten leerer öffentlicher Kassen.

Sie haben mehrere Schulen kennengelernt? Sind die Stolberger Realschüler problematischer als andere Realschüler?

Küpper-Jacobs: Absolut nicht. Ich habe mich gewundert. Die Probleme sind überall haargenau dieselben. Wie in Hückelhoven so gibt es auch in Stolberg Gruppen, die bestimmten Idealen nachlaufen, Kinder, die sich um einen Leader herum gruppieren. Manchmal trennt sich das nach Nationalitäten, aber nicht immer. An unserer Realschule gibt es allein 15 Nationalitäten. Und das bringt - hier wie überall - soziale Spannungen mit sich.

Jugendliche sind oft unmotiviert, weil sie annehmen, dass sie ohnehin nach der Schule keinen Arbeitsplatz bekommen. Wie gehen Sie damit um?

Küpper-Jacobs: Das Problem ist bei den Realschülern noch nicht besonders groß. Aber es gibt Einzelfälle, die uns auf ein Problem hinweisen. In den letzten beiden Jahren müssen wir den Kindern etwas mitgeben: Vertrauen in ihre eigene Stärke. Wir müssen auch verstärkt daran arbeiten, dass sie die ganze Bandbreite ihrer Möglichkeiten erkennen, dass sich ihr Blickwinkel weitet. Konkret werden wir die Berufswahlhilfe noch intensivieren.

Wie reagieren Sie, wenn ein Jugendlicher sagt „Was soll ich mich groß anstrengen, ich krieg doch sowieso keine Stelle”?

Küpper-Jacobs: Das kommt durchaus vor. Ich rede mit den Jugendlichen, frage sie nach ihren Interessen und Stärken. Wer zum Beispiel gern am Computer arbeitet, wird darin bestärkt. Man muss auch durchaus nicht immer in jedem Fach eine gute Note haben. Wenn es Stärken gibt, und die gibt es fast immer, dann reicht es oft zur Motivation, wenn auf einem bestimmten Feld gute Leistungen erbracht werden. Es genügt nicht mehr, einem Jugendlichen ein Zeugnis zu überreichen - und Schluss. Absolventen müssen auch in der Lage sein, ihre Besonderheiten und Stärken selbstbewusst darstellen zu können.

Sie haben im letzten Jahr einige Neuerungen an der Schule in Angriff genommen. Welche?

Küpper-Jacobs: Wir verschicken Elternbriefe und bauen gerade die Beratung für die Berufswahl-Vorbereitung aus. Zwei Lehrerinnen machen eine Fortbildung um demnächst Streitschlichtung anbieten zu können. Wir sind dabei, eine Drogen-und Suchtprävention aufzubauen. Und als Vision schwebt mir vor, dass wir ein Lernbüro einrichten. Das ist eine Beratung, wie man mit Lernproblemen kurzfristig umgeht. Da geht es um Lerntipps und die Möglichkeit, das Lernen zu lernen.

Zu einer guten Schule gehört auch eine gute Ausstattung. Wie steht es damit?

Küpper-Jacobs: Um die Jugendlichen fit für die Zukunft zu machen, muss es Informatikunterricht an Computern geben, die nicht veraltet sind. Ich habe den Eindruck, dass gerade in der hiesigen Region Kenntnisse in Informatik wichtig sind, es sind Bewerbervorteile. Derzeit ist unsere Ausrüstung in den beiden Medienräumen noch relativ neu. Und ich habe sehr die Hoffnung, dass man uns von seiten der Stadt bei der Anschaffung von jeweils zeitgemäßer Ausstattung unterstützt. Die ist im übrigen auch wichtig, um neue Lehrer für unsere Schule zu interessierten. Wir stehen in harter Konkurrenz zu den Aachener Schulen, die alle bestens ausgerüstet sind. Wenn ich einen neuen Physiklehrer für Stolberg gewinnen will, dann gibt er mir garantiert einen Korb, wenn hier veraltete Computer und Computerprogramme zum Einsatz kommen.

Mit Ihren schon fast 30 Jahre alten Pavillons, in denen die Kinder unterrichtet werden, können Sie da aber bestimmt nicht punkten.

Küpper-Jacobs: In der Tat. Gutes Lehrpersonal kann heutzutage zwischen mehreren Schulen auswählen. Zur Zeit suchen wir gerade einen Vertretungslehrer für Geschichte, Physik und katholische Religion. Erstklassige Leute haben sich beworben. Aber auf die machen die uralten Pavillons natürlich keinen guten Eindruck. Ich hoffe sehr, dass die Zusage, nach dem Ritzefeld-Gymnasium werde sofort in die Realschule I investiert, eingehalten werden kann. Besonders unter pädagogischen Gesichtspunkten ist ein Neubau dringend erforderlich. Wobei ich mir vorstellen kann, dass man schon mit geringen Mitteln viel erreicht.

Denken Sie an neue Container oder an einen Neubau?

Küpper-Jacobs: Neue Container oder ein Neubau... es sollte auf jeden Fall etwas geschehen. Die Realschulen liegen im Trend. Nach meiner Einschätzung werden wir demnächst nicht weniger Kinder unterrichten müssen, sondern eher mehr.