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Corona-Beschlüsse zu den Schulen: Gut vorbereitet für die nächsten Wochen

Corona-Beschlüsse zu den Schulen : Gut vorbereitet für die nächsten Wochen

Die Schulen in NRW gehen ab Montag, 11. Januar, erneut in den Distanzunterricht. In Eschweiler und Stolberg sehen sich die Schulleitungsteams gut vorbereitet, kritisieren aber auch das Fehlen von angekündigten Tablets und Laptops.

Diese Entscheidung war zu erwarten: Nachdem bereits die Bundesregierung am Dienstag, 5. Januar, beschlossen hatte, dass die Schulen bis Ende Januar geschlossen bleiben, zog das Landeskabinett am Mittwoch nach. Die Schulleitungsteams in Eschweiler und Stolberg bewerten diese Entwicklung unterschiedlich.

Uwe Bettscheider sieht jeder Entscheidung positiv entgegen, egal wie sie nun ausgefallen ist: „Wir sind auf alles vorbereitet, ob zur Hälfte Präsenzunterricht und zur Hälfte Digitalunterricht stattfindet oder komplett online unterrichtet werden muss“, berichtet der Schulleiter des Ritzefeld-Gymnasiums Stolberg. Das Schulleitungsteam könne sich stets schnell zusammenfinden und auf jeden Beschluss reagieren. Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown würden dem Schulleitungsteam am Ritzefeld-Gymnasium nun helfen, die Entscheidungen zügig durchzusetzen.

Den Grundsatzbeschluss der Bundesregierung, dass die Schul- und Kitaschließungen verlängert werden, könne er nachvollziehen. Uwe Bettscheider betont aber auch: „Bis zur letzten Woche vor den Weihnachtsferien hat unser Konzept wunderbar funktioniert. Wir hatten maximal einen bis zwei mit dem Coronavirus infizierte Fälle an der Schule und es war nicht so, dass wir als Infektionsherd gewirkt hätten.“ Deswegen hätte es von seiner Seite aus mit dem Präsenzunterricht bis zu den Weihnachtsferien weitergehen können. „Aber ich kann die einheitliche Entscheidung verstehen, wenn die Fälle bundesweit hochgehen.“

Das Konzept vor den Weihnachtsferien lautete folgendermaßen: Die Klassen fünf bis sieben wurden auf freiwilliger Basis im Präsenzunterricht betreut. „Es waren sehr viele Schüler anwesend, und die, die nicht da waren, haben online die Aufgaben und eine Rückmeldung der Lehrer dazu erhalten“, erläutert Uwe Bettscheider. Für alle anderen galt: morgens ab 8 Uhr Online-Unterricht vor dem Rechner. „Nach der ersten Welle haben wir erhoben, ob alle Schüler die Möglichkeit haben, online mitzuarbeiten“, sagt der Schulleiter. Bis auf wenige Ausnahmen sei das der Fall gewesen. Diejenigen, die nicht am Video-Unterricht teilnehmen konnten, haben die Aufgaben und das Unterrichtsmaterial per Post bekommen.

Egal wie gut der Digitalunterricht am Ritzefeld-Gymnasium gelaufen sei, Schulleiter Bettscheider betont: „Natürlich sehnen wir uns alle danach, wieder normalen Unterricht zu machen. Aber es herrscht auch keine Jammerstimmung; ich erfahre eher, dass alle konstruktiv damit umgehen.“

Mit den hilfreichen Rückmeldungen der Eltern und Schüler – Bettscheider hat eigenen Angaben zufolge wöchentlich eine Sitzung mit dem Elternvorstand – sei es möglich gewesen, ein funktionierendes Konzept zu entwickeln. „Zu Beginn wurde den Schülern beispielsweise nicht einheitlich mitgeteilt, wann sie die Aufgaben online erhalten. Das wurde dann verbessert. Dazu arbeiten wir mit dem Kursnotizbuch von Microsoft OneNote.“ Etwas Gutes habe die aktuelle Lage aber laut Bettscheider doch: „Die Schulgemeinschaft ist zusammengewachsen und wir alle arbeiten am selben Ziel: Wir versuchen gemeinsam, so gut es geht mit der Situation fertig zu werden.“

Stundenplan fast gleich

Am Städtischen Gymnasium in Eschweiler sieht man sich ebenfalls gut vorbereitet für die kommenden Wochen. „Es wird so weiterlaufen wie vor Weihnachten, dafür sind wir gerüstet“, sagt der stellvertretende Schulleiter René Hahn. „Wir haben die Zeit sehr ausgiebig genutzt, um Schüler und Lehrer zu schulen und auszustatten.“

Neu im Gegensatz zum Dezember ist, dass die Klassen 5, 6 und 7 nicht mehr die Möglichkeit haben, in den Präsenzunterricht zu kommen. „Es ist schon eine Herausforderung, die jüngeren Schüler aus der Distanz zu unterrichten“, berichtet Hahn von den Erfahrungen aus dem ersten Lockdown.

Seine Schüler haben laut Hahn alle Zugang zu den nötigen technischen Geräten und zu Microsoft Teams, um am Unterricht teilzunehmen. Das habe man abgefragt und sichergestellt. „Auf die versprochenen Schüler- und Lehrer-Laptops warten wir aber immer noch, alle vorhandenen Geräte sind von den Privatpersonen oder zum Beispiel vom Förderverein gesponsert“, kritisiert er.

Der digitale Unterricht finde am „Städti“ im Grunde wie normaler Unterricht statt. Die Lehrer starten zu den normalen Unterrichtszeiten die Stunde, der Stundenplan ist fast komplett gleich geblieben. Die Schüler sind dann dazugeschaltet, mal mit Kamera, aber immer mit Ton. „So können sie sich auch melden und an Diskussionen beteiligen“, sagt Hahn.

Bei der reinen Stoffvermittlung sieht der stellvertretende Schulleiter so auch keine wirklichen Probleme, alle hätten sich mittlerweile sehr gut auf die neue Lernsituation eingestellt. Was ihm hingegen viel mehr Sorgen bereitet, ist das Fehlen der Klassengemeinschaft und des Zugehörigkeitsgefühls: „Die sozialen Kontakte, die nicht stattfinden, sind pädagogisch äußert kritisch zu bewerten.“

Erfahrungen von vor Weihnachten

An der Realschule Patternhof bereiten sich Schulleiterin Michaela Silbernagel und ihr Kollegium auf weitere Wochen Distanzunterricht vor. „Ab Donnerstag setzen wir uns mit den konkreten Vorgaben im Team zusammen und besprechen die genauen Ausrichtungen.“ Dabei kann sie auf die Erfahrungen von vor Weihnachten zurückgreifen. In dieser Zeit gab es einen konkreten Stundenplan, welcher Lehrer wann im Distanz- beziehungsweise Präsenzunterricht eingesetzt ist.

Präsenzunterricht wird es jetzt nicht mehr geben, die präzise Planung wird hingegen bleiben. „Das ist schon ein großer organisatorischer Aufwand, wir müssen flexibel bleiben“, berichtet Silbernagel. In den Jahrgangsstufen arbeiten alle Parallelklassen nach den gleichen Wochenplänen, das macht es den Lehrkräften leichter, sich gegenseitig zu helfen. „Wir schauen immer, wie man für alle Entlastungen schaffen kann und wo jemand Unterstützung braucht.“

Helge Pipoh ist der Meinung, dass es eine wichtige Maßnahme sei, den Präsenzunterricht weiterhin auszusetzen: „Ich glaube, selbst bei Einhaltung aller Hygienemaßnahmen in der Schule entsteht doch eine Gefährdung, wenn die Schüler vor und nach dem Unterricht ohne Einhaltung der Abstands- und Maskenregeln Zeit verbringen, wie beispielsweise auf dem Hin- und Rückweg zur Schule sowie in den Bussen“, sagt der Schulleiter der Städtischen Gesamtschule Stolberg.

Gewisse Schwierigkeiten

Natürlich sehe er auch, dass es gewisse Schwierigkeiten beim Digitalunterricht geben kann: „Die angekündigten digitalen Endgeräte für Lehrer und Schüler sind noch nicht bei uns angetroffen.“ Pipoh wisse auch nicht, wann das der Fall sein werde. Den Bedarf habe die Städtische Gesamtschule Stolberg zuvor bei der Stadt angemeldet. Ende Oktober vergangenen Jahres hatte der Bau- und Vergabeausschuss die Anschaffung von Tablets und Laptops für Schüler sowie Lehrer beschlossen. Wegen der Corona-Pandemie gab es für diese digitale Sofortausstattung Zuschüsse vom Land. Die Förderung musste bis zum Ende des vergangenen Jahres beantragt sein.

Schulleiter Pipoh geht aber davon aus, dass jeder Schüler die Möglichkeit hat, am Digitalunterricht teilzunehmen – wenn auch nicht mit einem eigenen Laptop, so dann zumindest mit dem Handy oder einem digitalen Endgerät der Eltern. Die Rückmeldungen der Eltern, mit denen die Schule stets Rücksprache halte, würden das bestätigen.

Letztlich müsse das oberste Ziel sein, die Infektionszahlen zu senken und den Gesundheitsschutz in den Vordergrund zu stellen: „Und das lässt sich nur mit einer Kontaktvermeidung umsetzen“, betont der Schulleiter der Städtischen Gesamtschule Stolberg. Die Lösung eine Woche vor den Weihnachtsferien, in der der Unterricht bis zur siebten Klasse freiwillig in Präsenz stattfand, hat sich Pipohs Meinung nach nicht bewährt: „Ich fand diese Mischform schwierig, da die Lehrkräfte parallel den Distanzunterricht für die älteren Schüler gewährleisten mussten und somit einer Doppelbelastung ausgesetzt waren. Die Regelung jetzt ist sinnvoller, da sie sich zu 100 Prozent auf den Distanzunterricht konzentrieren können.“

In der Städtischen Gesamtschule Stolberg gab es Pipohs Angaben nach einige mit dem Coronavirus infizierte Fälle in verschiedenen Jahrgängen: „Wir hatten häufig das Glück, dass diejenigen Schüler bereits einige Tage gefehlt hatten, als der positive Bescheid kam, sodass wir selten eine ganze Klasse oder einen Jahrgang in Quarantäne schicken mussten.“