Gunther Antensteiner spielt Neujahrskonzert auf der Orgel in Stolberg

Musik in der Finkenbergkirche : Gunther Antensteiner spielt Neujahrskonzert auf der Orgel

Mit einem festlichen Orgelkonzert von Gunther Antensteiner wurde das neue Jahr in der Finkenbergkirche begrüßt. Viele Werke bekannter Meister begeisterten das Publikum.

Es ist auf dem Finkenberg schon Tradition geworden, das neue Jahr mit einem festlichen Konzert, das mit mit einer Andacht verknüpft ist, einzuläuten. Während Gunther Antensteiner die musikalische Gestaltung zufiel, sorgte Pfarrer Jens Wegmann mit Fürbitten und Gebeten für besinnliche Momente.

Der stimmungsvolle Nachmittag wurde mit dem „Präludium in C“ von Dietrich Buxtehude feierlich begonnen. Buxtehudes schöpferische Qualitäten wurden lange Zeit unterschätzt, obwohl er als Orgel- und Klavierspieler in hohem Ansehen in Lübeck stand. Er gehöre zu den gläubigsten Komponisten, so Antensteiner, und ist dem norddeutschen Barock zuzuordnen.

Das späte 18. und frühe 19. Jahrhundert war auch die Blütezeit der sogenannten „Flötenuhren“. Diese mechanischen Instrumente funktionieren wie eine Orgel und waren meist mit einem Uhrwerk gekoppelt. So erklangen zu bestimmten Uhrzeiten oder zur vollen Stunde kleine Stücke von großen Meistern. In der Finkenbergkirche waren es acht kurze Stücke von Joseph Haydn, die der Stolberger Kantor eindrucksvoll zum Klingen brachte.

Wenn sich César Franck, der aus Lüttich stammende Komponist und Organist, an die Orgel seiner Kirche Sainte-Clotilde in Paris begab, lauschte das Publikum der Spätromantik andächtig seinen quasi-sinfonischen Offenbarungen. In Stolberg bot Gunther Antensteiner mit dem „Prélude, Fugue et Variation, op. 18“ ein Frühwerk des genialen Erneuerers der französischen Orgelmusik. Die zauberhafte Interpretation ließ aufhorchen und zeigte immer wieder neue Klangfacetten.

Den Blick nach vorne richtete Pfarrer Jens Wegmann und machte angesichts des fehlenden Friedens Mut, das Neue Jahr mit den Augen Gottes zu beginnen, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen, wie es das Losungswort 2019 von der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen vorgibt. Jeder Kirchenbesucher hatte an diesem Nachmittag einen Spielkartenkalender mit dem Losungswort erhalten, um es als Lesezeichen oder Minikalender fürs Portemonnaie zu gebrauchen. Pfarrer Wegmann beleuchtete das Blatt mit dem Aquarell-Jahreslosungsmotiv des schweizerischen Künstlers Daniel Schelling von verschiedenen Seiten.

Die abstrakte Darstellung sei auf ein Zentrum hin angelegt und zeige das Tor zum Himmel über einem Kreuz. Wenn auch das Verb „jagen“ negativ besetzt sei, so sei es bei Jesus doch ohne Gewalt und eher als Schatzsuchen zu verstehen. In seiner Friedensethik habe Jesus Christus auf die komplette Gewalt verzichtet und zu mehr Versöhnung und Verzeihung aufgerufen. Bis ans Kreuz sei er gegangen, um aufzuzeigen, wie weit seine Liebe und Milde ging. Die Jahreslosung weise eine klare Richtung und verheiße Heil, sodass die Wölfe bei den Schafen weilen und das Kind mit der Schlange spielt.

Konkret bedeute dies für jeden, aktiv zu werden und Lösungen zu zeigen, Hände zu reichen, Entschuldigung zu sagen, sich in die Bedürfnisse des anderen hinein zu versetzen und den Mitmenschen zum Beispiel ausreden zu lassen, damit Kommunikation gelinge. Mit der virtuosen und prächtigen „Toccata et Fuga in d-moll“ von Johann Sebastian Bach am Schluss zog Gunther Antensteiner noch einmal alle Register und meisterte das bekannte Orgelwerk europäischer Kunstmusik mit Elan und Schwung. Der Wunsch nach Frieden, froher Botschaft und Eintracht der Menschen untereinander hatte sich an diesem ersten Nachmittag im neuen Jahr erfüllt.

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