Orgelmusik: Gunther Antensteiner spielt in der Finkenbergkirche französische Romantik

Orgelmusik : Gunther Antensteiner spielt in der Finkenbergkirche französische Romantik

Die Finkenbergkirche ist ein Kleinod im Altstadt-Panorama von Stolberg. Ein Kleinod ist auch die dort auf der Empore installierte Peter-Orgel. Sie eignet sich sowohl für barocke, klassische und romantische Orgelliteratur. Und dann gibt es mit Gunther Antensteiner an der Finkenbergkirche einen Organisten, den man zudem als Glücksfall für das Musikleben der Kupferstadt bezeichnen darf.

Nachdem er noch im Vormonat gemeinsam mit seiner Ehefrau Misun Kim-Antensteiner Orgelmusik zu vier Händen aus der Klassik zum Besten gegeben hatte, brillierte er nun solo mit französischer Orgelmusik.

Aber auch hier hatte er mit Misun Kim-Antensteiner eine unerlässliche Hilfe an seiner Seite. Um die romantischen Klangfarben wirkungsvoll zum Leuchten zu bringen, bedarf es zum Teil schnell wechselnder Registrierungen, welche der Organist nicht noch zusätzlich zu seinem virtuosen Spiel bewerkstelligen kann. Wie gut, wenn man hierfür eine weitere, schnell und exakt eingreifende Organistin, zur Verfügung hat.

Das französische Orgelkonzert war ganz dem Komponisten Louis Vierne (1870-1937) gewidmet. Er ist ein Beispiel dafür, dass auch ein in wichtigen Teilen widiriger Lebenslauf mit unerfreulichen Schicksalsschlägen glänzende künstlerische Leistungen hervorbringen kann. Loius Vierne war von Kindesbeinen an blind, eine Operation verschaffte ihm später immerhin eine Linderung dieses Leidens. Seine zunächst gut angehende Künstler-Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, wurde später wegen Untreue der Gattin geschieden. Dem vielfätigen Schaffen des Schülers von Charles Marie Widor tat dies jedoch keinen Abbruch.

Und wenn auch die Orgel der Finkenbergkirche nicht mit den Orgeln der Pariser Kathedralen vergleichbar ist, so war dem Spiel von Gunther Antensteiner doch ihr romantischer Zauber nachzuempfinden.

Zu Beginn des Konzertes interpretierte der Kantor der Finkenbergkirche „Carillon de Westminster“. Über dem Glockenspiel von Big Ben in London im Cantus Firmus entfaltete Gunther Antensteiner perlende Ton-Girlanden: eine wahre Freude. Dass dieses Stück über ein englisches Glockenspiel ausgerechnet in die Tage der britischen Brexit-Verhandlungen fiel, war jedoch reiner Zufall, wie Gunther Antensteiner bei seiner Anmoderation mit einem für ihn typischen schalkhaften Lächeln vermerkte.

Und schon ging es weiter mit „Clair de lune“, einer Fantasie für Große Orgel, von Loius Vierne. Eine luzide Helligkeit ging von diesem Stück aus, ehe es abschleßend mit der ersten Orgelsymphonie für Große Orgel in d-moll mitunter wieder sehr virtuos zuging. „Von der Dunkelheit ins Licht - und wieder zurück in die Dunkelheit“: So ließ sich das Maestoso-Prélude in seinen Klangfarben beschreiben. Einen Rückgriff auf barocke Kompositionstechniken lieferte dann die Fuge. Eine milde Tonfärbung erhielt dann die ruhige Pastorale, indem Gunther Antensteiner ihr das Register der „Voix humane“ (menschlichen Stimme) hinzufügte.

Nach dem Allegro vivace und dem Andante näherte sich das Werk dann seinem pompösen Höhepunkz: dem Finale Allegro. Es war ein wahres Feuerwerk musikalischer Einfälle und Steigerungen, welches Gunther Antensteiner auf seiner „Heimorgel“ abbrannte. Starker Beifall war der Lohn für eine schöne kirchenmuskalische Stunde.

(jope)
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