Stolberg: „Gleich und doch anders“: Wechselvolle Geschichte des Pavillons

Stolberg: „Gleich und doch anders“: Wechselvolle Geschichte des Pavillons

Unser historisches Vergleichsfoto im Rahmen unserer Serie „Gleich und doch anders“ stammt aus dem Bestand des Stadtarchivs und zeigt die Ecke Rathaus-/Jordanstraße im Jahr 1972.

Im Hintergrund liegt das Mitte der 1950er Jahre errichtete fünfgeschossige Wohngebäude, und im Vordergrund ist der ehemalige Pavillon des Aachener Nahverkehrsunternehmens Aseag zu sehen.

Bauherrin des 1956 entstandenen Wohnblocks war die Unterstützungskasse der Firma William Prym. Sie hatte die Erstellung des Baues mit 36 Wohnungen seinerzeit dem Stolberger Bauunternehmen Max Blees übertragen: Bestandteil des Bauprojektes war auch ein Ladenlokal im Erdgeschoss.

Was ist eine Unterstützungskasse? Eine Unterstützungskasse ist eine innerbetriebliche Einrichtung, die der Altersversorgung der Betriebsangehörigen dient: Eine Zusatzleistung kann auch die Bereitstellung und die Schaffung von preiswerten Wohnraum sein.

Stadt baut

Der eingeschossige Pavillon ist 1961/62 entstanden. Bauherr war in diesem Fall die Stadt Stolberg. Sie hatte in den frühen 1960er Jahren am Atscher Dreieck von der Aseag ein Grundstück erworben, das zuvor das Schweizer Haus genannte Stationsgebäude der Straßenbahn getragen hatte.

Als Gegenleistung und Ausgleichsmaßnahme stellte die Kupferstadt dem Aachener Nahverkehrsunternehmen den von ihr errichteten Flachbau an der Jordanstraße zur Verfügung.

Das Nahverkehrsunternehmen nutzte in der Folgezeit den Pavillon für den Verkauf von Fahrscheinen, Zeitungen und Leistungen ihres angeschlossenen Reiseunternehmens.

Errichtet hatte die Stadt den Pavillon oberhalb einer 1959 entstandenen unterirdischen Toilettenanlage. Die öffentliche Toilette war Bestandteil der am „Ellermühlenplatz“ in den 1950er Jahren entstandenen Neubebauung: Die Namensnennung geht zurück auf den ehemaligen Kupferhof Ellermühle, der bis Mitte der 1950er Jahre am gegenüber liegenden Bastinsweiher lag.

Als die Aseag 1993 auch an der Rathausstraße ihren Fahrscheinverkauf einstellte, kündigte sie den Mietvertrag mit der Stadt Stolberg und verließ daraufhin den kleinen Flachbau.

Neuer Nutzer wurde das in Mausbach ansässige Reisebusunternehmen Haas, das bis 2009 dort seine Busreisen anbot. Danach wurde der Pavillon vom Stolberger „Schiffs-Modell-Club“ genutzt, der dort sein Vereinsheim eingerichtet hatte: naheliegend, weil der Club den nahen Bastinsweiher für die Ausfahrten seiner Modellbauflotte nutzte.

Umgestaltet

Im vergangenen Jahr wurde der gesamte Bereich städtebaulich umgestaltet. Der Pavillon wurde abgerissen, und die dahinter liegende, innerstädtische Wiese erhielt ein völlig neues Aussehen: Angelegt wurden Pflasterbänder, die die Spinnfäden der ehemaligen Sayettspinnerei symbolisieren sollen. Denn einst lag auf dem Ellermühlenplatz eine Spinnerei, in der Strickgarn hergestellt wurde.

Eine neue Pflasterung erhielt auch die Jordanstraße. Sie ist jetzt Bestandteil eines breiten Fußgängerboulevards der die als „Sayettgarten“ bezeichnete frühere Wiese eingrenzt.