Stolberg: Gibt es keine Angehörigen, zahlt die Stadt

Stolberg: Gibt es keine Angehörigen, zahlt die Stadt

Wenn jemand stirbt und es keine Angehörigen mehr gibt, muss die Stadt einspringen und sich um das Begräbnis des Gestorbenen kümmern. Das gilt auch dann, wenn die Angehörigen weggezogen sind oder keinen Kontakt mehr zu dem Angehörigen hatten. Solche Armenbegräbnisse — wie sie im Volksmund heißen — sind in Stolberg gar nicht so selten.

Pro Jahr gibt es mehrere solcher Fälle. In den Jahren 2013 und 2014 waren es 26. Im Jahr 2014 stieg die Zahl auf 28 Fälle an.

Die Stadt Stolberg lässt den Leichnam zunächst abholen und anschließend einäschern. Bis die Urne anonym beigesetzt wird, recherchieren die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nach möglichen Angehörigen. Dafür haben sie nach gesetzlichen Vorgaben zehn Tage Zeit. Meist bleiben ihnen jedoch nur sieben oder acht Tage für die Recherche, weil es mehrere Tage dauert, bis sie selbst von den Sterbefällen erfahren.

„Das ist echte Detektivarbeit“, sagt Sven Poschen vom Ordnungsamt. Dafür greifen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zunächst auf Standesamtsregister zurück, das Aufschluss über potenzielle Kinder oder Ehepartner geben kann. Die Reihenfolge ist streng vorgegeben: Zunächst wird nach dem Ehepartner, dann nach Kindern und nach Geschwistern gesucht. Sobald sie einen Angehörigen gefunden haben, muss dieser sich um den Sterbefall kümmern.

Macht er das nicht, leitet die Stadt das Begräbnis in die Wege und schickt dem ermittelten Angehörigen im Anschluss die Rechnung zu. Auch die weit verbreitete Meinung, dass man nicht zahlen müsse, wenn man das Erbe ausschlage, sei falsch, sagt Poschen, weil es sich um eine öffentlich-rechtliche Forderung handele, die weiterhin bestehen bleibe.

Ausnahmen dieser Regelung gibt es nur, wenn eine aktenkundige Straftat vorliegt. Wenn Beispielsweise ein Missbrauchsfall nachweisbar sei, sehe die Stadt davon ab. „Das ist schon passiert“, erinnert sich der Stolberger Ordnungsamtsmitarbeiter. Eine Streitigkeit, die Jahre zurückliegt, reiche hingegen nicht aus.

Eine solche Beerdigung, die von der Stadt finanziert werden muss, kostet etwa 3000 Euro. Darin sind 1750 Euro Friedhofsgebühren, die Kosten für den Bestatter, die Einäscherung, die Urne und den Amtsarzt enthalten. Die Beisetzung findet — sofern der Gestorbene keine anderen Wünsche im Testament vermerkt hat — auf einem Grabfeld für anonyme Bestattungen auf dem Friedhof an der Bergstraße statt. Sollte jemand vorher den Wunsch geäußert haben, nicht verbrannt zu werden oder auf einem bestimmten Friedhof beigesetzt zu werden, versucht die Stadt diese zu erfüllen.

Während der Beisetzung sind nur ein Friedhofsmitarbeiter und ein Bestatter anwesend, um die Urne in die Erde zu lassen. Ein Geistlicher ist nicht anwesend, weil „es ja auch die Frage ist, ob derjenige das gewollt hätte“, sagt Poschen. Auch Nachbarn und Freunde des Gestorbenen seien nicht dabei. Weil die Bestattung anonym ist, werden auch keine Grabsteine oder Kreuze angebracht. Wer sich dennoch nach einiger Zeit für die Grabstätte interessiert, kann sich an das Ordnungsamt wenden, weil die Flurnummer in den Akten vermerkt wird.

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