Gewerkschaft diskutiert über Hambacher Forst

Treffen der IGBCE: Ein sehr politischer Abend

Beim gemütlichen Teil blieb es nicht. Die Jubilarehrung der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IGBCE) in Stolberg war zugleich ein sehr, sehr politisches Ereignis – und das nicht zu knapp.

Peter Alt, Vorsitzender der Stolberger Ortsgruppe, setzte angesichts der Städteregionswahlen am 4. November das erste Signal: „Leute, bitte geht zur Wahl! Macht Euer Kreuz, aber nicht da, wo es uns 80 Jahre zurück bringt.“ Ernst Ungermann, Sekretär des IG-BCE-Bezirks mit Dienstsitz in Alsdorf, wurde da noch viel deutlicher und nahm die rechte „Alternative für Deutschland“ (AfD) ins Visier – zuerst einmal ganz grundsätzlich. Es gelte: „Position beziehen, sagen: ,Nein, ich denke anders’.“

Ungermann, eigenem Bekunden nach überzeugter Sozialdemokrat, erteilte einem zentralen Argument der AfD-Politiker eine deutliche Absage: „Die Probleme, die wir haben, haben nichts damit zu tun, dass wir Flüchtlingen helfen.“ Schlussappell des Gewerkschaftssekretärs: „Fallt bitte nicht auf diese Rattenfänger herein.“

Darüber hinaus gab es in der Ansprache des Festredners einen weiteren zentralen Punkt: „Das Problem Hambi“, will sagen: die Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst. Ungermanns Argument für die Rodung zu Gunsten einer Erweiterung des Braunkohle-Tagebaus dort: „Fabriken brauchen richtig viel Strom.“ Hinter den Beschluss zur Rodung gebe es darum kein Zurück, denn: „Verzicht auf die Braunkohle – so weit sind wir noch lange nicht.“ Darum nahm der Gewerkschafter seine eigene Parrtei, die SPD, ausdrücklich in die Pflicht: „Wir brauchen eine Politik, die vernünftig und verlässlich ist.“

Eine Standortbestimmung, eine, die etwas darüber aussagte, was eigentlich deren Mitglieder an eine Gewerkschaft wie die IGBCE eigentlich bindet, nahm der Gast angesichts der rund ein Dutzend zu ehrender Jubilare außerdem vor. Notwendig sei vor allem ein „Selbstbewusstsein, für die eigenen Interessen zu streiten“. Wer sich dem anschließe, werde dadurch zum Maßstab für das gewerkschaftliche Tun, denn: „Wir sind kein Wohlfahrtsverband, sondern eine Mitgliederorganisation.“ Mit der Industriegewerkschaft müsse im Übrigen in der Kupferstadt weiterhin gerechnet werden: „Wir sind wer in Stolberg.“

Weitere Grußworte richteten die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen (CDU) und der SPD-Europaabgeordnete Arndt Kohn aus Vicht an die Versammelten. Den Jubilaren und anderen Aktiven bescheinigte die Christdemokratin: „Sie haben alle in und mit Ihrer Gewerkschaft viel gestaltet.“ Kohn wiederum lag politisch vor allem der energiepolitische Strukturwandel mit seinen Konsequenzen am Herzen. Er formulierte einen dringenden Aufruf: „Wir müssen zusammen mit der IGBCE Lösungen für die Kollegen in der Braunkohle finden.“

Neben allen politischen Akzenten kam jedoch im Saal die Pflege der Gemeinschaft nicht zu kurz. Dazu gehört ein vom Team des Bistros einladend hergerichtetes Büffet und ein Unterhaltungsprogramm, das von den Showtänzerinnen der Donnerberger Karnevalsgesellschaft „Wenkbülle“ und dem Eschweiler Büttenredner René Külzer alias „Et Scharwach-Müsje“ gestaltet wurde.

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