Stolberg: Gesamtschule hilft Stolberg beim Sparen

Stolberg: Gesamtschule hilft Stolberg beim Sparen

Dass die Kupferstadt eine Gesamtschule braucht, scheint durch die erfolgte Elternbefragung geklärt, doch manche Stolberger fragen sich, ob die Stadt sie sich angesichts der prekären Haushaltssituation überhaupt leisten kann.

Die Antwort lautet „ja, und sogar mehr als das”, zumindest geht dies aus der Arbeit der Projektgruppe der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) NRW in Köln hervor.

Das neunköpfige Team um den Projektleiter Regierungsdirektor Achim Graetz und der Stolberger Projektmanagerin Ilona Hamacher stellte jetzt die Ergebnisse seiner Arbeit im Museum Zinkhütter Hof vor, und viele der Interessierten wurden hellhörig, als es um die betriebswirtschaftlichen Betrachtungen ging.

„Die Auswirkung auf die Ergebnisrechnung stellt sich positiv dar”, heißt es in der Präsentation des Projekts „Schaffung von Rahmenbedingungen zur Einrichtung einer Gesamtschule in Stolberg”. Die Projektgruppe stellte den Mehrertrag und den Mehraufwand bei veränderter Schullandschaft in Stolberg gegenüber und errechnete, dass die Einrichtung einer Gesamtschule und Schließung einer Haupt- und einer Realschule der Stadt hilft, dauerhaft Geld zu sparen:

Echter Mehrertrag entsteht

Dank der gestiegenen Schülerzahlen und der hohen Gewichtung der Ganztagsschüler beim Schüleransatz für die Errechnung der Schlüsselzuweisung komme ein Plus von mehr als 900.000 Euro zu Stande, kalkuliert die Projektgruppe. Dem hielt sie die gestiegene Kreisumlage in Höhe von gut 380.000 Euro und einen Mehraufwand im Bereich „Schulträgeraufgaben” in Höhe von rund 235.000 Euro gegenüber.

„Somit würde der Stadt Stolberg durch die Einrichtung einer Gesamtschule ein echter Mehrertrag von circa 285.000 Euro entstehen. Aus finanzieller Sicht ist die Investition Gesamtschule ein Erfolg”, lautet das wirtschaftliche Fazit der Studenten Deutschlands größter Fachhochschule des öffentlichen Dienstes.

In der weiteren Präsentation ihrer Projektarbeit widmete sich die Gruppe unter anderem der Öffentlichkeitsarbeit, welche die Identifikation der Kupferstädter Bevölkerung mit „ihrer neuen Schule” fördern solle. Das Team verwies auf zwei bereits erstellte Flyer und einen geplanten dritten, der einen Förderverein für die Stolberger Gesamtschule thematisiert, sowie auf die Rubrik „Projekt Gesamtschule” innerhalb der Internetseite der Stadt „www.stolberg.de”.

Die Teilnehmer der Projektgruppe rissen die Geschichte der Gesamtschule an, erinnerten an Bischof Johann Amos Comenius, der in seinem Werk „Große Didaktik” bereits im 17. Jahrhundert ein einheitliches Schulsystem forderte, und an Wilhelm von Humboldt, der 1809 ein erstes vollständiges Gesamtschulkonzept erstellt hatte.

Das Team erläuterte aktuelle Entwicklungen und die Vorzüge sowie mögliche Nachteile der Schulform ausführlich. Das Prinzip „Fördern und Fordern”, die doppelte Differenzierung und das Ganztagskonzept der Gesamtschule machte die Projektgruppe ebenso transparent wie die Inklusion, nach der jeder Mensch das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe, individuelle Entwicklung, bestmögliche Ausbildung und somit auch auf Zugehörigkeit an allgemeinen Kindergärten und Schulen hat.

Für die Umsetzung des Inklusionskonzeptes an der Stolberger Gesamtschule seien allerdings Vorbereitungen notwendig, da sowohl das Gebäude am Sperberweg als auch die bisherige Realschule an der Walter-Dobbelmann-Straße noch nicht barrierefrei seien.

Mit dem Fazit, die neue Gesamtschule verändere die Stolberger Schullandschaft positiv, endete die umfangreiche Präsentation der Projektgruppe der FHöV NRW. Die Gesamtschule sei ein wichtiger Standortfaktor und trage zum Imagegewinn der Kupferstadt maßgeblich bei.

Unter den interessierten Eltern und vielen Zuhörern aus den Bereichen Schule, Verwaltung und Politik im Zinkhütter Hof zeigten sich besonders Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und Helge Pipoh, kommissarischer Leiter der Stolberger Gesamtschule, von der Qualität der Arbeit der Projektgruppe beeindruckt. Pipoh hob das Engagement der Studenten hervor und betonte: „Selten hat eine Gesamtschule eine so breite Vorbereitung erfahren wie unsere hier in Stolberg.”

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