Geplanter Gewerbepark in Münsterbusch sorgt in Nachbarschaft für Unmut

Unterschriftensammlung für Bedenken : Geplanter Gewerbepark sorgt in der Nachbarschaft für Unmut

An der Cockerillstraße bildet sich zurzeit immer mehr Unmut der Stadt gegenüber. Der Grund: Die Überarbeitung der Bauleitplanung für den Gewerbepark Münsterbusch, die der Rat im vergangenen Dezember beschlossen hat.

Mit ihr soll der seit 1995 rechtskräftig bestehende Bebauungsplan für einen Gewerbe- und Industriepark für heutige Nutzungspotenziale geändert werden. Die Anwohner sind alles andere als zufrieden. Sie werfen der Stadt vor, ihre Anliegen dabei nicht ausreichend zu berücksichtigen. Bei einem Termin vor Ort bringen knapp 30 Bürger ihre Sorgen zum Ausdruck.

„Das Vorgehen ist mehr als unverschämt“, findet Manuela Vendel. Sie ist Hauseigentümerin an der Cockerillstraße und fühlt sich von der Stadt ungerecht behandelt. Dass der Gewerbepark nun in die Tat umgesetzt wird, hat sie durch eine Nachbarin erfahren. Gewünscht hätte sie sich eine persönliche Information der Stadt, zum Beispiel in Form eines Briefes. Da das nicht erfolgt ist, hat sie die Bürgerinformationsveranstaltung am 15. Januar verpasst. Damit ist sie nicht alleine.

Bei der Infoveranstaltung der Stadt waren laut einer Teilnehmerin neun Menschen anwesend, beim Ortstermin sind es 27. Das zeigt bereits, dass nicht jeder etwas von dem geplanten Vorhaben wusste. Manuela Vendel hat sich aus diesem Grund im Nachhinein an Nicole Dürler gewandt, die die Abteilung für Stadtentwicklung und Umwelt leitet. Gemeinsam mit weiteren Anwohnern hatte Vendel die Möglichkeit, ihre Bedenken zu äußern. „Frau Dürler war freundlich und hat auch Verständnis für unsere Sorgen gezeigt“, bilanziert Vendel. Allerdings habe Dürler ihr auch erklärt, dass sie nicht die Aussicht gekauft hätte, sondern das Haus. Man habe ihnen dennoch die Chance gegeben, noch ein Dokument mit der Zusammenfassung der Bedenken einzureichen.

In diesem ist unter anderem von einer „konkreten Gefahr für unsere Gesundheit und unser Eigentum“ die Rede. Außerdem erwarten die Anwohner monatelange Belastungen durch Lärm, Verkehrsaufkommen und Geruch. Auch könnten „gravierende Auswirkungen an den bestehenden Wohnhäusern“ nicht ausgeschlossen werden. Vendel und ihre Nachbarn stellen sich vor allem die Frage, wer die Schäden bezahlt, sollte es zu solchen kommen. „Das alles geht auf Kosten der langjährigen Anwohner“, findet Vendel.

Angst vor noch mehr Verkehr

Ein großer Punkt, der den Anwohnern Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist der Verkehr. „Wir sind durch die Cockerillstraße schon genug belastet vom Lärm her, hier kann man keine fünf Minuten das Fenster öffnen“, klagt Margit Geis. Der Garten nach hinten sei der einzige Ruhepunkt. Abgesehen vom Lärm stört auch das erhöhte Verkehrsaufkommen. Besonders zu den Stoßzeiten sei es schon jetzt oftmals nicht möglich, auf die Stellplätze zu gelangen – egal, ob vor den Häusern oder zu den Garagen dahinter, die über eine kleine Einfahrt erreichbar sind. Besagte kleine Einfahrt ist ebenfalls Teil der Beschwerde: Die Anwohner befürchten nämlich, dass diese womöglich ganz dicht gemacht werden könnte.

Vor dem Gewerbepark soll außerdem eine Linksabbiegerspur entstehen, die eigentlich einen Rückstau auf der Cockerillstraße vermeiden soll. Allein die Einfahrt zum Gewerbepark halten die Bewohner aber für fragwürdig, da allgemein mehr Verkehr auf der Straße herrschen würde. Diese Bedenken hatte die Stadt bereits bei der Informationsveranstaltung aufgenommen und daraufhin ein Verkehrsgutachten beauftragt.

Die Anwohner der Cockerillstraße sind verärgert über die Pläne der Stadt. Manuela Vendel (vorne, 2.v.r.) hat die Bedenken der Bürger zusammengetragen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Ein weiterer Knackpunkt ist die Kommunikation, die den Anwohnern nach nicht ausreichend vorhanden ist. „Uns sagt keiner, was dort hingebaut werden soll“, beschwert sich Vendel. Das sei man den Anwohnern aber schuldig, „schließlich bezahlen wir genug Grundsteuer für die Häuser“. Störend finden sie auch die Nähe, in der die Gewerbegebäude entstehen sollen. Vorgeschrieben sei laut Vendel ein Mindestabstand von 100 Metern, „hier sind es vielleicht 20“. Auch die zulässigen Höhen überschreiten die der Wohnhäuser um bis zu sechs Meter – plus weiteren Spielraum für Aufzüge.

Wohin mit dem Wasser?

„Wir werden regelrecht zugemauert, auch gegenüber guckt man ja gegen Betonwände“, sagt sie im Hinblick auf das Zincoli-Gelände. Hinter den Häusern wurde bereits angefangen zu roden. Auf der Freifläche liegen fein säuberlich die abgeholzten Bäume nebeneinander. „Das ist eine Woche nach der Infoveranstaltung passiert, dann muss es ja schon beschlossene Sache gewesen sein“, betont Vendel.

Hier könnte bald deutlich mehr Verkehr herrschen: An der Stelle, an der der Lastwagen fährt, soll eine Linksabbiegerspur entstehen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Dann ist da noch das leidige Thema mit dem Kanal. Durch den Bau des Gewerbeparks werden 120.000 Quadratmeter versiegelt. Damit fallen sie als Versickerungsfläche bei Starkregen weg. Bereits jetzt gibt es bei starken Regenfällen aber immer wieder Probleme mit dem Kanal. „Wir sind schon dreimal abgesoffen“, sagt Herbert Mantler verärgert. Beim letzten Mal habe er einen Schaden von 40.000 Euro gehabt, woraufhin seine Versicherung gekündigt habe.

Im Mai soll das Thema nochmal im Rat auf den Tisch kommen. Dann wollen die Bewohner der Cockerillstraße die Einwohnerfragestunde im Vorfeld der Sitzung nutzen, aber auch an dieser teilnehmen. Bis dahin hoffen sie auf Beachtung ihrer Bedenken und Klärung der offenen Fragen.