Gasleck und Feuer in Kortumstraße: Evakuierung in Stolbergs Innenstadt

Nach Explosion und Gasleck : Feuerwehr bleibt über Nacht im Einsatz

Gegen 17 Uhr ist endlich das Gas abgedreht in der Kortumstraße und die Gefahr einer Explosion gebannt. Zuvor ist das Feuer in dem Haus wieder ausgebrochen. Drei Verpuffungen zählt die Feuerwehr, nachdem ihre Trupps nach dem Löschen des ersten Brandes das Gebäude verlassen hatten.

Es herrscht akute Explosionsgefahr in der Innenstadt, nachdem gegen 13 Uhr das Feuer in dem Haus aus der Gründerzeit ausgebrochen ist. Im Umkreis von 150 Metern werden alle Gebäude evakuiert.

Nach ersten Erkenntnissen erfolgen Sanierungsarbeiten in dem Altbau. Es entsteht im Keller eine Undichtigkeit in der Gasleitung. Vermutlich Funkenflug verursacht einen Brand. Mit zwei Löschzügen rückt die Feuerwehr an, um den Brand zu bekämpfen, den sie schnell unter Kontrolle bringen und erst einmal löschen kann. Aber dabei nehmen die Einsatzkräfte die schleichende Gefahr wahr: Das Gas strömt weiter aus. Die Helfer müssen sich erst einmal selbst in Sicherheit bringen. Kaum haben sie das Gebäude verlassen, ereignet sich eine erste Verpuffung, bestätigt Feuerwehrsprecher Michael Konrads. Verletzt wurde dabei nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Wie sich später herausstellen soll, hat die kleine Explosion Keller und Erdgeschoss verwüstet.

Das Umfeld wird evakuiert

Zurück am Einsatzort bleibt die Drehleiter, die erst einmal wegen der akuten Explosionsgefahr unerreichbar bleibt –  ob sie etwas abbekommen hat? Jedenfalls hilft die Aachener Berufsfeuerwehr mit einer Drehleiter aus, die an der auf dem Kaiserplatz eingerichteten Leitstelle stationiert wird.

Auf der Kortumstraße kann lediglich noch ein kleiner Wasserwerfer installiert werden, der den wieder vor sich hin qualmenden Brand berieselt. Die Feuerwehrleute sind zum Zuschauen verurteilt. Einsatzleiter Andreas Dovern will es nicht riskieren, seine Mitarbeiter der bestehenden Gefahr einer weiteren Explosion auszusetzen. Zwei weitere Verpuffungen in dem Haus werden am Nachmittag registriert.

Die Einsatzkräfte mussten das Straßenpflaster aufstemmen, um an die defekte Gasleitung zu gelangen. Foto: Regionetz/Yvonne Rollesbroich

„Man kann das Gas noch in 100 Metern Entfernung deutlich riechen“, sagt ein Augenzeuge. Es herrscht akute Explosionsgefahr. Feuerwehr und Polizei entscheiden sich zur Evakuierung. Im Umkreis von 150 Metern werden Bewohner, Besucher und Passanten aufgefordert, den gefährlichen Bereich zu verlassen.

Kräfte der Einsatzhundertschaft der Polizei unterstützen die Feuerwehr und Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Großräumig wird die Einsatzstelle für Passanten abgeschottet. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Robert Voigtsberger, macht sich persönlich ein Bild von der Lage. Die Euregiobahn stellt auf dem Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Altstadt den Betrieb ein. Linienbusse der Aseag müssen eine Umleitung fahren.

Die Aktion zog sich über Stunden hin. Foto: Feuerwehr Stolberg

Gasleitung muss gekappt werden

An der Rathaus-Passage wird ein Bus bereitgestellt, das Rathaus selbst öffnet seine Pforten, um die Menschen vorübergehend beherbergen zu können. Die wenigsten Betroffenen machen von den Angeboten Gebrauch. „Die Menschen haben sich in alle Winde zerstreut“, heißt es an der Einsatzstelle. Gleichwohl wird in umliegenden Gastronomiebetrieben und Geschäften eine verstärkte Frequenz registriert. Später am Nachmittag kümmert sich der Bereitschaftsdienst des DRK um Betroffene.

Auf das höchste konzentriert sind derweil die Mitarbeiter der Regionetz und des Tiefbauunternehmens Gebrüder Kutsch. Sie müssen sich in den Gefahrenbereich begeben. Die einzige realistische Chance, den Gasaustritt relativ rasch zu unterbinden, besteht im Kappen der Erdleitung, erklärt Regionetz-Sprecherin Yvonne Rollesbroich. „Das ist auch kein Alltag für uns.“ Das  Abschalten der Stromversorgung – aus Sicherheitsgründen – für den Straßenzug ist dagegen einfach.

Das Problem: Die Häuser an der Kortumstraße sind mit einem alten Abzweig direkt an das Niedrigdrucknetz im Steinweg angebunden. Die Gebäude aus der Gründerzeit verfügen noch nicht über separat abriegelbare Anschlüsse, wie sie heute bei Neubauten längst Standard sind.

Ein Abschalten des Niedrigdrucknetzes hätte wohl ganz Stolberg betroffen, sagt Rollesbroich. Zudem würde die Abschaltung nicht sofort, sondern nur mit der Zeit greifen. „Das dauert mindestens so lange wie die Straße aufzureißen“, so Rollesbroich weiter. Mit jeweils 90 Minuten Aufgraben und 90 Minuten Arbeiten an der Leitung wird kalkuliert, aber es soll doch etwas schneller gehen. Gegen 15.50 Uhr liegt die Leitung frei, eine Stunde später ist die Verbindung zur Kortumstraße gekappt. Das Gas kann sich verflüchtigen; zum Abend hin legt sich die Explosionsgefahr.

Als nächsten Schritt kappt die Regionetz den Gasanschluss des betroffenen Hauses. Ist dieser abgeriegelt, kann die übrige Kortumstraße wieder an die Niedrigdruckleitung angeschlossen und die Versorgung der Häuser hergestellt werden. Dazu muss jeder einzelne Anschluss entlüftet werden.

Gegen 18.30 Uhr dürfen die ersten Bewohner der umliegenden Gebäude wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Es soll noch bis zu zwei Stunden dauern, bis sie alle wieder über Strom und Gas verfügen können. Ausnahmen bilden das Unglückshaus und seine beiden Nachbarhäuser. Sie gelten weiterhin als gefährdet.

Denn das Problem der Feuerwehr bleibt bestehen: Der Brand schwelt weiter vor sich hin. Längst hat Dovern Vollalarm ausgelöst. Alle verfügbaren Stolberger Kräfte sind im Einsatz: vier Löschzüge vor Ort und einer auf der Wache, um die Grundsicherung des Stadtgebietes zu gewährleisten. Zudem sind aus Würselen der Gerätewagen mit weiterem Atemschutz und aus Eschweiler die Verpflegungseinheit angerückt.

Explosion verwüstet Keller

Aber an den Brandherd im Keller Haus kommen die Einsatzkräfte nicht heran. Die Verpuffungen haben nach vorsichtigen Sondierungen Erdgeschoss und Keller verwüstet, das Treppenhaus ist so in Mitleidenschaft gezogen, dass man es kaum benutzen kann. Es stellt sich die Frage nach der statischen Sicherheit.

Die Wehr versucht von außen, den Brand unter Kontrolle zu halten. Sollte das nicht gelingen, besteht noch die Möglichkeit, das Kellergeschoss mit Schaum zu fluten. Ob diese Karte gezogen werden muss, wird die Nacht zeigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Stolberger Innenstadt teilweise gesperrt