Stolberg-Mausbach: Frische Kunst wird jung vermittelt

Stolberg-Mausbach: Frische Kunst wird jung vermittelt

In der Nähe einer großflächigen Mauer schüttelt David Schneider eine Sprühdose und beginnt konzentriert Farbe aufzutragen. Allerdings nicht auf die Mauer der Mausbacher Realschule, sondern auf eine alte Holzplatte, die auf einem Tapeziertisch liegt.

Der 13-Jährige ist einer der Teilnehmer an dem zweitägigen „Street Art-Graffiti-Workshop”, der in der Schule angeboten wird. Initiiert hat ihn Kunstlehrerin Petra Orten nach der Kupferstädter Aktion „Kunst auf dem Weg”, die immer am letzten Augustsonntag stattfindet. „Vor zwei Jahren habe ich dort Paul Sous und Felix Backes kennengelernt und ihre Street Art. Letzten Sommer traf ich Paul Sous dann im Skulpturengarten am Hammerberg wieder, und die Idee für den Workshop wurde geboren”, erläutert Orten.

Sie räumt ein, dass Graffiti meist nicht zum Repertoire von Kunstlehrern gehöre, was sich auch in der Realschule Mausbach zeigt: Vier Kunstlehrerinnen nehmen an dem Workshop teil und nutzen die Gelegenheit, sich fortzubilden.

In erster Linie sei es aber ein Angebot für die Schüler, und zwar ein attraktives, meint Orten: „Graffiti und Street Art sind frische Kunststile, und die Schüler werden einmal nicht von Pädagogen angeleitet, sondern von jungen Menschen, die vom Alter her noch nicht weit entfernt sind.” Graffiti als Kunstform und nicht als illegales Sprühen kennenzulernen , sei ein weiterer Effekt, denn bearbeitet werden unter anderem alte Schallplatten, Leinwände und Bretter.

„Wir hauchen ausgedienten Alltagsgegenständen mittels Kunst neues Leben ein. Das ist völlig legal und hat den Vorteil, dass die Workshop-Teilnehmer ihre Werke auch mit nach Hause nehmen können”, sagt Sous. Die Objekte werden zunächst farblich grundiert, wobei etwa Lochbleche oder auch Omas alte Spitzendecke als Schablonen Verwendung finden.

Am zweiten Tag erfolgt das Sprühen von Motiven. Als Dozenten würden die beiden 22-Jährigen sich nicht verstehen, sagt Sous: „Wir sind hier einfach gemeinsam kreativ, und Felix und ich vermitteln quasi nebenbei Graffiti-Techniken.” Und dass es noch viel mehr gebe als Fernsehen, Spielkonsolen und Computer, ergänzt Backes.

Graffiti auf Langspielplatte

Das haben die Schüler der Realschule Mausbach erlebt und verstanden, wie das Beispiel David Schneider zeigt. Am ersten Tag brachte er ein Graffiti-Werk mit nach Hause, das er auf eine alte Langspielplatte gesprüht hat. Eine Bekannte sah es und war begeistert, sie will nun auch „so etwas” haben.

„Ihr Wohnzimmer ist in Schwarz, Weiß und Grau gehalten, deshalb grundiere ich eine Holzplatte in diesen Farben und später kommt noch ein Motiv dazu”, beschreibt David, wie er seine erste künstlerische „Auftragsarbeit” mit den Sprühdosen angeht.

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