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Zehn Jahre Gesamtschule Stolberg: Freude übers Jubiläum, Ärger wegen der fehlenden Mensa

Zehn Jahre Gesamtschule Stolberg : Freude übers Jubiläum, Ärger wegen der fehlenden Mensa

Die Bilanz nach zehn Jahren fällt positiv aus. Helge Pipoh, Leiter der Gesamtschule Stolberg, und sein Stellvertreter Markus Emundts, sind stolz auf das Erreichte. Aber sie üben auch deutliche Kritik an der Stadt Stolberg.

„Seit diesem Schuljahr sind wir vollständig ausgebaut“, stellt Helge Pipoh mit Blick auf die nun komplette Fünfzügigkeit in der Sekundarstufe I zufrieden fest. Zehn Jahren nach der Gründung der von ihm geleiteten städtischen Gesamtschule auf der Liester in Stolberg läuft vieles gut. Im Gespräch mit unserer Zeitung machen Pipoh und sein Stellvertreter Markus Emundts allerdings auch klar, dass aus ihrer Sicht noch einiges zu tun ist und die Stadt weiter in die Ausstattung investieren muss.

An diesem Freitag feiern Sie das Zehnjährige von Stolbergs erster Gesamtschule. Was fällt Ihnen zu diesem Anlass als Erstes ein?

Helge Pipoh: Vieles ist so gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben. Das gilt vor allem für die pädagogische Arbeit. Wir haben am Ende der Klasse 10 und auch in den bisherigen beiden Abitur-Jahrgängen viele sehr gute Abschlüsse gehabt. Wir sind seit diesem Schuljahr in der Sekundarstufe I komplett fünfzügig. Wir haben mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen, die sich weit über den Unterricht hinaus engagieren. Das trägt uns, ebenso wie die große Unterstützung der Elternschaft. Und wir sind inzwischen Stolbergs größte Schule mit aktuell 1050 Schülerinnen und Schülern. Tendenz weiter leicht steigend.

Sind Sie nicht längst restlos ausgebucht?

Pipoh: Wir sind eigentlich am Limit, was die Sekundarstufe I angeht. Aber wenn Schüler nach Stolberg ziehen, haben sie eine Schulpflicht, aber auch das Recht auf einen Platz. Es gibt vier weiterführende Schulen in der Stadt. Und im Zweifelsfall entscheidet die Bezirksregierung.

Markus Emundts: Den ein oder anderen Platz können wir noch bieten. Aber wie eng es mittlerweile ist, zeigt sich daran, dass wir jetzt Mobiliar nachbestellen mussten, weil wir nicht mehr genügend Stühle für unsere Schüler haben.

Hatten Sie das so erwartet?

Pipoh: Die Gesamtschule hat sich in Stolberg so rasant entwickelt, weil der Elternwille entsprechend groß war. Das hat dazu geführt, dass es mittlerweile zwei Gesamtschulen gibt, die fünfzügig sind. Dass das so kommen würde, war mir am Anfang nicht so klar.

Die städtische Gesamtschule ist auf zwei Standorte verteilt: am Sperberweg (unser Bild) und an der Walther-Dobbelmann-Straße. An diesem Samstag feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen.
Die städtische Gesamtschule ist auf zwei Standorte verteilt: am Sperberweg (unser Bild) und an der Walther-Dobbelmann-Straße. An diesem Samstag feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen. Foto: MHA/Michael Grobusch

Die von Ihnen erwähnten vier weiterführenden Schulen bieten bald auch alle eine Oberstufe an. Gibt es dafür überhaupt das Potenzial in Stolberg?

Pipoh: Es wird sicherlich eine große Herausforderung werden, in allen vier Schulen die erforderliche Mindestschülerzahl zu erreichen, wenn im nächsten Jahr auch die Kupferstädter Gesamtschule ihre Oberstufe eröffnet. Inhaltlich haben wir jetzt schon eine Kooperation mit der Waldschule in Eschweiler, die sehr gut läuft. Das erklärte Ziel ist, diese Kooperation auf die Kupferstädter Gesamtschule auszuweiten. Im Dreierverbund können wir das Wahlangebot in der Oberstufe noch mehr erweitern, insbesondere bei den Leistungskursen. Das ist natürlich auch mit einem größeren logistischen Aufwand verbunden, zum Beispiel bei der Stundenplan-Organisation und beim Schülerverkehr.

In Eschweiler gibt es im Gegensatz zu Stolberg noch eine Real- und eine Hauptschule. Können die beiden Gymnasien und die beiden Gesamtschulen diese fehlende Vielfalt kompensieren?

Pipoh: Ich halte das System alleine mit Gymnasien und Gesamtschulen für ein gutes. Ich glaube, damit können wir die Schülerschaft in dieser Stadt gut abbilden. Wichtige Voraussetzung war und ist allerdings, dass es eben keine Real- und Hauptschule mehr gibt, damit die Ausgewogenheit der Schülerschaft an den Gesamtschulen sichergestellt werden kann.

Mit dem Wegfall von G8, also dem Abitur in acht Jahren, könnte sich das ändern.

Pipoh: Mit G9 werden wieder mehr Schüler ans Gymnasium gehen. Die Ausgewogenheit an den Gesamtschulen sehe ich dadurch aber nicht gefährdet.

Die Abschaffung von G8 können Sie als Leiter einer Gesamtschule, an der neun Jahre bis zum Abitur immer Standard waren, eigentlich nur begrüßen.

Pipoh: Auf jeden Fall. Ich habe den Übergang zu G8 immer für eine nicht erforderliche Entscheidung gehalten, die viel Unruhe in die Schulen und in die Schullandschaften gebracht und sich auf die Gymnasiasten negativ ausgewirkt hat.

Haben Sie zum zehnjährigen Bestehen Ihrer Schule Wünsche, oder würden Sie sagen, dass alles bestens ist?

Pipoh: Es ist vieles gut, aber längst nicht alles bestens. Denn es gibt noch einige Baustellen, die zum Teil schon seit Jahren bestehen. Damit sind wir nicht zufrieden und nicht einverstanden.

Baustellen im wörtlichen oder im übertragenen Sinn?

Emundts: Durchaus auch im Wortsinn. Wobei es die größte Baustelle noch gar nicht gibt: Wir warten seit zehn Jahren auf den Bau einer Mensa. Wir können zwar in Teilen die Mensa des Goethe-Gymnasiums nutzen. Aber das ist bei weitem nicht ausreichend. Dort finden nur unsere Jahrgangsstufen 5 bis 7 Platz. Für alle anderen haben wir kein Angebot.

Pipoh: Wir sind diesbezüglich schon ein Stück weit enttäuscht. Es gab die Zusage, dass einige Dinge mittlerweile längst umgesetzt sein sollten. Vor allem was die Möglichkeit angeht, zumindest Snacks zu verkaufen und dafür die Einrichtung und auch das nötige Personal zu bekommen. Unsere Gesamtschule ist eine Schule im gebundenen Ganztagsbetrieb. Und dennoch müssen wir einen Großteil unserer Schüler ohne das Angebot einer Verpflegung in die Mittagspause entlassen. Sie müssen sich selbst versorgen und gehen dann in den nächsten Supermarkt oder in die Pommesbude. Das halten wir mit Blick auf die Gesundheit und die langen Tage der Schüler nicht für gut. Außerdem entfällt auch eine mögliche Betreuung während der Pause. Das widerstrebt uns aus pädagogischer Sicht sehr.

Die Kritik geht an die Adresse der Stadt Stolberg?

Emundts: In erster Linie ja. Ich habe den Eindruck, dass nach einem sehr dynamischen Start vor und nach der Gründung unserer Schule mittlerweile der Elan etwas verloren gegangen ist. Ja, wir haben an beiden Standorten unserer Schule, also am Sperberweg und an der Walther-Dobbelmann-Schule, einen Anbau bekommen. Aber es sind darüber hinaus noch Absprachen erfolgt, es fehlt jedoch die Umsetzung.

Pipoh: Unser Chemieraum ist dafür auch ein gutes Beispiel. Sein Umbau sollte bereits vor vier Jahren abgeschlossen sein. Aber da ist bis heute noch gar nichts passiert.

Bietet die geplante Sanierung und Erweiterung des benachbarten Goethe-Gymnasiums vielleicht die Möglichkeit, ihr Mensa-Problem zu lösen?

Emundts: Eine Mensa für beide Einrichtungen müsste 1700 Schüler versorgen. Das ist schon eine enorme Zahl.

Pipoh: Wir haben diesbezüglich eigene Ideen entwickelt und sehen zum Beispiel Potenzial auf dem Sportplatzgelände am Sperberweg. Dort könnte eine multifunktionale Mensa gebaut werden, die auch für eine Stadtteilküche genutzt wird. Wir sind da völlig offen. Aber wir brauchen definitiv eine Mensa, in der wir unsere Schüler versorgen können. Und wir benötigen auch Räume für die Mittagsbetreuung.

Emundts: An unserer Schule sind weitere erhebliche Investitionen nötig. Es geht nicht um Kleinigkeiten, sondern um eine große Lösung. Die fordern wir nicht, weil wir einen Sonderpreis gewinnen möchten. Sondern einzig und allein, damit wir unseren alltäglichen Auftrag als Ganztagsgesamtschule erfüllen können.