Stolberg: Freie Theatergruppe „Kult” vermittelt brisantes Thema glaubwürdig

Stolberg : Freie Theatergruppe „Kult” vermittelt brisantes Thema glaubwürdig

Drei Klassenkameraden - Boris Lindström (Florian Wahl), Henrik Persson (David Rombach) und Anne Nilson (Carina Gröbner) - haben dem 17-jährigen Schüler Erik Berg (Arne Schön) schwere innere und äußere Verletzungen zugefügt. Grund für die schwerwiegende Attacke ist Eriks Eintreten für Benachteiligte, Schwache und Ausländer.

Als die Kommissare Franziska Nordström (Eva Eischet) und Nils Holland (Kai Stegmann) die Ermittlungen aufnehmen, begegnen ihnen Fremdenfeindlichkeit, familiäre Probleme und Gleichgültigkeit: Dieser von dem schwedischen Schriftsteller Mats Wahl unter dem Titel „Der Unsichtbare” im Jahre 2000 verfasste Jugendroman wurde jetzt von der Theatergruppe „Kult” im Kulturzentrum Fran­kental, überzeugend in Szene gesetzt.

Eingeladen hatten die freie Schauspieltruppe, die sich überwiegend aus aktiven und ehemaligen Schülern und Lehrern einer Alsdorfer Realschule zusammensetzt, und das Integrationsbüro der Städteregion Aachen.

Die 22-köpfige Truppe beherrschte das brisante Thema brillant. Engagement, großes schauspielerisches Talent und persönliche Empathie, die authentisch und glaubwürdig vermittelt wurde, zeichneten die Vorführung aus.

Im Mittelpunkt stand dabei Arne Schön, der die Rolle des im Hintergrund agierenden schwer verletzten Opfers übernommen hatte. Der 18-jährige Gymnasiast wuchs förmlich über sich selbst hinaus, indem er die Rolle so glaubwürdig spielte, dass die Grenzen zwischen der imaginären und der handelnden Person verwischt wurden. Dabei nutzte Schön Mimik und Gestik sowie eine wohl akzentuierte Sprache, deren Grundlage poetische Texte waren.

Im Hintergrund muss Erik (Arne Schön) agieren, weil er schwer traumatisiert ist, unter Gedächtnisstörungen leidet und stundenlang unter einem Laubhaufen verborgen liegt, bis die Polizei ihn entdeckt und in ein Krankenhaus einliefert. Dort kann man aber sein Leben nicht mehr retten. Erik erliegt seinen schweren Verletzungen. Sein Tod führt dazu, dass die gewalttätig und rassistisch veranlagten Täter ein umfassendes Geständnis ablegen.

Während der Aufführung, die von rund 80 Gästen besucht wurde, war es im Saal geradezu mucksmäuschenstill. Persönliche Betroffenheit ließ die Gäste erst nach Spielende applaudieren. Und dieser Applaus fiel heftig aus. Das gesamte Publikum erhob sich von den Sitzen und spendete der jugendlichen Schauspieltruppe minutenlang Beifall.

Das Theaterstück hatte auch bereits in Alsdorf für Furore gesorgt, wie Silke Peters, die das bei der Städteregion angesiedelte Programm „Miteinander in der Städteregion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit” betreut, verriet. Dort sei es im Rahmen einer Veranstaltungsreihe aufgeführt worden, die die Pogromnacht vom 9. November 1938 zum Thema hatte.

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