„Frankreich“ Unterkunft für Kaufleute?

Damals und heute : „Frankreich“ Unterkunft für Kaufleute?

In der Serie „Gleich und doch anders - Stolberger Ansichten über Jahrzehnte werden Plätze im Laufe der Zeit Verglichen. Dieses Mal geht es um den Umbau des Terrains in der Nähe des Alten Marktes.

Der Abbruch von sechs Altbauten an der Ecke Luciaweg/Burgstraße veränderte 1965/66 das Bild in der Nähe des Alten Marktes. Zu dieser Maßnahme gehörte auch der Abriss eines keilförmigen Fachwerkhauses, das wahrscheinlich noch aus den Anfängen des Burgdorfes Stolberg stammte. Unmittelbar danach wurde an dieser Stelle eine Parkfläche angelegt. Dieses Terrain und die auf dem 1972 entstandenen historischen Vergleichsfoto oben liegende Bebauung sind Thema des 148. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte".

Nach dem Entfernen der Altbauten musste der Hang des Luciaweges neu befestigt werden. Es entstand eine Stützmauer, die eine Verblendung aus Bruchsteinen erhielt. Vermutlich war in diese Baumaßnahme auch die Anlegung der Treppe inbegriffen, die auf unserem historischen Vergleichsfoto in der Mitte zu sehen ist.

Ausgestattet wurde die Treppe mit einem Geländer aus Baustahl, das die damals an der Aachener Straße liegende Metallwarenfirma Wilhelm Haas hergestellt hatte. Dieses Geländer erhielt Mitte der 1980er Jahre im Rahmen der Altstadtsanierung eine neue Gestalt.

Für die Neuanfertigung hatte der Kunstschmied Matthias Peters (1947 - 2007) gesorgt. Inbegriffen in dieses, um 1985 erfolgte Projekt, war auch die Anlegung eines Brunnens und die Errichtung einer gerundeten Eckmauer im vorderen Bereich der Treppe.

„Gleich und doch anders“. So sieht es nach dem Umbau des Terrains in der Nähe des Alten Marktes aus. Foto: Toni Dörflinger

Als „Frankreich" wird das Gebäude bezeichnet, das auf dem Vergleichsfoto oben am Alten Markt abgelichtet ist. Warum der große Bruchsteinbau 1765 auf der „Special Charte" der Herrschaft Stolberg als Frankreich bezeichnet wurde ist nicht bekannt.

Absteigequartier

Vermutlich war das Anwesen ein beliebtes Absteigequartier für französische Kauf- und Fuhrleute. Schließlich unterhielten die Kupfermeister, die auch in der Burg- und Vogelsangstraße Messingmanufakturen besaßen, vor allem mit Frankreich rege Geschäftsbeziehungen.

Ursprung des langgestreckten Gebäudes ist der fünfachsige, in Richtung Burgstraße liegende Bau. Er wurde 1826 umgebaut. Hinweise auf die damaligen Bauherrn geben die auf der Frontseite angebrachten Initialen aus Eisen: Dort sind die Anfangsbuchstaben „CO" (Christian Ostlender), „AO" (Albert Ostlender) und „CB" Catharina Bein" zu sehen, die als Auftraggeber der Umbaumaßnahme in Frage kommen.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert beherbergt der Traditionsbau eine Gaststätte, die folglich viele Jahrzehnte den Namen „Alt Frankreich" trug: Inzwischen wird das Haus allerdings als „The Savoy" bezeichnet. Vor dem Gaststättenbau ist auf dem 1972er Foto eine Litfaßsäule zu sehen.

Beklebt ist die Säule mit der Zigarettenwerbung einer Hamburger Tabakfirma. Litfaßsäulen waren damals im öffentlichen Raum häufig zu finden. Heute gibt es davon nur noch wenige Exemplare im Stolberger Stadtraum. Somit ist die Litfaßsäule an der Mittelstraße im Bereich Velau ein ganz seltenes Exemplar.