Stolberg: Fotowettbewerb: Die kupferne Lebensader in allen Facetten

Stolberg: Fotowettbewerb: Die kupferne Lebensader in allen Facetten

Dass ihr Geschenk so positiv ankommen würde, hätten die Kinder von Monika Hendricks sicherlich nicht gedacht. Vor vier Jahren schenkten sie der heute 72-Jährigen eine Digitalkamera — und schon jetzt gewann die fünffache Großmutter ihren ersten Fotowettbewerb. Die gebürtige Bayerin gehört zu den drei Gewinnern des Bürgerwettbewerbs „Kupfer in den Adern“.

Zusammen mit Enrico Flechtner und Nicole Brodehl kann sie sich nicht nur über ein Preisgeld von 250 Euro freuen, sie wird ihr Motiv zudem in der ganzen Stadt verteilt auf Großleinwänden sehen können. „Ich bin immer noch total überwältigt“, sagte Hendricks bei der offiziellen Auszeichnung durch die Stadt. Vom Hobbyknipser innerhalb weniger Jahre zur prämierten Fotografin — das muss der rüstigen Seniorin erstmal jemand nachmachen.

Kupfer in den Adern vielfältig interpretiert: Die Gewinnermotive zeigen Stolberg als Industriestandort (Bild links), von der sportlichen Seite (Bild oben rechts) sowie die urige Altstadt mit dem Vichtbach (Bild rechts unten). Foto: Stadt Stolberg

Imagekampagne

xx Foto: Stadt Stolberg

Mit ihrem Fotowettbewerb im Rahmen der Imagekampagne zur Außendarstellung Stolbergs richtete sich die Stadt bewusst nicht an professionelle Werbeschaffende. Stattdessen sollten die Bürger zeigen, was für sie persönlich der Leitspruch „Kupfer in den Adern — Stolberger aus einem Guss“ bedeutet. Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt.

Die stolzen Gewinner des Stolberger Wettbewerbs: Enrico Flechtner, Nicole Brodehl und Monika Hendricks (v. l.). Foto: A. Kasties

Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU) verbucht den Wettbewerb als vollen Erfolg. Und das nicht trotz, sondern gerade weil das Motto durchaus kritisch hinterfragt und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurde, auch in unserer Zeitung. „Die Imagekampagne sollte aufrütteln und provozieren. Die Diskussion darüber, ob man Stolberg als Kupferstadt bezeichnen darf, war gewollt“, sagte Jochen Emonds (CDU) als Vorsitzender des Kulturausschusses.

Mehr als 100 Fotos wurden bis zum Einsendeschluss Anfang Februar eingereicht. Die Werbeagentur „Oecher Design“ — von der Stadt für die Konzeption und Durchführung der Imagekampagne beauftragt — traf eine Vorauswahl von 35 Bildern, aus denen die Jury die drei Gewinnermotive wählte. Und dabei haben es sich die Preisrichter durchaus nicht leicht gemacht, versicherte Emonds.

Fast eine Stunde lang hätten die 13 Jurymitglieder Bilder auf dem Tisch des Besprechungsraums im Rathaus hin und her geschoben, über die Motivwahl diskutiert und überlegt, welche am besten miteinander harmonieren, erklärte der Vorsitzende des Kulturausschusses. „Uns war wichtig, dass die Gewinnermotive nicht nur die Aspekte Stolbergs zeigen, die man immer sieht. Die Menschen sollen schließlich ins Grübeln kommen“, betonte Emonds.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Hendricks’ Bild vom Vichtbach, der sich durch die Stolberger Innenstadt schlängelt, überzeugte die Jury als klassisches Altstadtbild. „Das Foto zeigt den Vichtbach als Lebensader der Stadt. Zudem hat der Vichtbach mit seiner Wasserkraft Energie für die Kupferhöfe geliefert“, erklärte Grüttemeier die Wahl des Motivs.

Die Bedeutung Stolbergs als Industriestandort verdeutlicht hingegen das Bild von Enrico Flechtner. Der Mitarbeiter des Kupferproduzenten Aurubis verewigt in seinem Foto den Herstellungsprozess des Elements, das die Stadt Stolberg seit 2012 im Namen trägt.

Etwas aus der Reihe fällt das Motiv von Nicole Brodehl. Sie lichtete ihre Tochter auf einem Kunstfahrrad in einer Turnhalle in Münsterbusch ab. „Das Bild ist ein klassischer Schnappschuss“, berichtete die Stolbergerin. „Für mich bedeutet ‚Kupfer in den Adern‘ auch die Leichtigkeit des Seins, das Spielerische.“ Und beeindruckte mit diesem Ansatz die Jurymitglieder. „Der Bezug zum Kupfer entsteht durch den Lichteinfall“, sagte Grüttemeier. „Außerdem zeigt das Bild, dass es in Stolberg auch jede Menge Sportangebote gibt, die sich nicht nur auf Fußball beschränken.“

Ab Ostern auf Großleinwänden

Ab Ostern können dann auch die Kupferstädter die Motive als Collage zusammengestellt auf Großleinwänden in der Stadt betrachten. Am 25. April werden sie dann mit Ende der Frühjahrskehrwoche wieder anderen Werbefotos Platz schaffen müssen.

Mehr von Aachener Zeitung