Förderung von Geschichtsvereinen soll geändert werden

Kritik an Förderpraxis für Geschichtsvereine : Linke prangern ungleiche Behandlung an

Die Ursprünge der Geschichte liegen in den frühen 1970er Jahren. Am 30. Mai 1971, um ganz genau zu sein, schlossen der damalige Kreis Monschau und der Geschichtsverein für das Monschauer Land einen Kooperationsvertrag ab.

Für die Dauer von 25 Jahren wurde dem Verein ein jährlicher Zuschuss in Höhe von 10.000 Mark zugesagt, wenn dieser im Gegenzug ein Jahrbuch herausgeben würde. Das Jahrbuch erscheint bis heute und hat einen hohen Bekanntheitsgrad. Was aus der finanziellen Vereinbarung wurde, weiß hingegen kaum jemand.

Ein Antrag der städteregionalen Linken dürfte das jetzt ändern. In ihrem Schreiben an die Verwaltung kritisieren die Linken-Politiker Marika Jungblut und Harald Siepmann eine „unhaltbare Ungleichbehandlung“ von Geschichts- und Heimatvereinen. Diesen gewährt die Städteregion in der Regel entsprechend der von der Politik beschlossenen Kulturrichtlinien einen jährlichen Zuschuss von maximal 500 Euro für Publikationen – auf Antrag und zweckgebunden. Beim Geschichtsverein für das Monschauer Land wird allerdings eine Ausnahme gemacht: Er bekommt 3700 Euro pro Jahr als „Festbetrag“.

Zurückzuführen ist diese Regelung auf den besagten Kontrakt aus dem Jahre 1971. Er wurde mit Auflösung des Kreises Monschau zum 1. Januar 1972 vom Kreis Aachen übernommen und im Mai 1995 in einer neuen Fassung um zunächst zehn Jahre verlängert – nunmehr mit einem Zuschuss von 7500 Euro, der seit 2006 in Euro (3700) ausgezahlt wird. Bis heute gilt: Wird der Vertrag nicht fristgerecht gekündigt, verlängert er sich jeweils um fünf Jahre.

„Wir wissen, dass wir mehr Unterstützung erhalten als andere Vereine“, räumt Gabriele Harzheim auf Anfrage unserer Zeitung ein. Allerdings sei dies historisch bedingt, betont die Vorsitzende des Geschichtsvereins Monschauer Land. „Damals sind die Publikationen des Kreises und unseres Vereins zusammengeführt worden. Und Bestandteil der Vereinbarung war, dass wir die Jahrbuch-Tradition langfristig fortsetzen und dafür ebenso langfristig einen Zuschuss erhalten.“

2015 wurde diese Regelung erstmals ernsthaft infrage gestellt: Im von der städteregionalen Verwaltung vorgelegten „Strukturkonzept 2015 bis 2025“ findet sich der Vorschlag, den Zuschuss für das Jahrbuch ersatzlos zu streichen. Im Dezember 2017 sollte der städteregionale Ausschuss für Tourismus und Kultur hierzu eine Entscheidung treffen. „Doch auf Antrag der CDU, die nach eigenen Angaben noch Beratungsbedarf hatte, wurde der Punkt abgesetzt“, erinnert sich Marika Jungblut. „Seitdem ist er auf keiner Tagesordnung mehr aufgetaucht“, stellt die Fraktionsvorsitzende der Linken fest.

Jetzt aber musste sich der Fachausschuss wegen des Antrags wieder mit dem Thema beschäftigen – und er hat zumindest in einem Punkt eine Entscheidung getroffen: Der Vertrag mit dem Geschichtsverein Monschauer Land soll gekündigt werden und somit zum 1. September 2020 auslaufen. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass der Verein kein Geld mehr erhalten wird. Denn verbunden mit dem Beschluss zur Kündigung hat der Ausschuss der Verwaltung den Auftrag erteilt, ein Konzept zu einer einheitlichen und angemessenen Förderung von Geschichts- und Heimatvereinen zu erarbeiten.

„Ich möchte nicht überheblich wirken. Aber unser Jahrbuch kann nicht verglichen werden mit den meisten Publikationen anderer Heimat- und Geschichtsvereine“, hofft Gabriele Harzheim darauf, dass die Qualität und das große Verbreitungsgebiet des Werkes, auf die die Vorsitzende verweist, bei der Festlegung zukünftiger Zuschüsse berücksichtigt werden.

Andernfalls sieht sie kaum Chancen für eine Fortführung der Jahrbuch-Tradition im Monschauer Land: „Wenn der Zuschuss zu stark oder gar komplett gestrichen wird, können wir dieses Projekt nicht mehr stemmen.“

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