Stolberg: Förderschule Stolberg: Ende der Eigenständigkeit naht

Stolberg: Förderschule Stolberg: Ende der Eigenständigkeit naht

Die Entwicklung hatte sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet, doch jetzt wird die Sache ganz konkret: Die Förderschule Stolberg soll im Sommer 2015 aufgelöst werden. Unterricht wird es aber an der Talstraße weiterhin geben.

Ab dem kommenden Schuljahr soll der Zusammenschluss mit der Willi-Fährmann-Schule vollzogen und die Stolberger Förderschule als Teilstandort der Eschweiler Einrichtung weitergeführt werden. Nachdem sich zunächst der Stolberger Schulausschuss in einer Sondersitzung sowie anschließend Hauptausschuss und Rat für diesen Schritt ausgesprochen haben, fällt die endgültige Entscheidung nun in gut zwei Wochen. Sollte der Eschweiler Stadtrat am 16. Dezember ebenfalls dem zwischen den beiden Verwaltungen ausgehandelten Modell zustimmen, steht der Umsetzung praktisch nichts mehr im Wege. Denn das Okay der Bezirksregierung, die an den Gesprächen beteiligt war, gilt als Formsache.

„Ein Erhalt der wohnortnahen Versorgung ist nur durch eine Umstrukturierung der Förderlandschaft im städteregionalen Konsens durch Zusammenschlüsse mehrerer Förderschulen möglich“, sah und sieht Robert Voigtsberger keine Alternative. „Aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen hätte unsere Förderschule ansonsten mit dem nächsten Schuljahr auslaufen und letztlich geschlossen werden müssen“, betont der Stolberger Schuldezernent.

Für Förderschulen im Verbund, also mit mehreren Schwerpunkten, hat das Land NRW mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz ab dem Schuljahr 2015/16 eine Mindestschülerzahl von 144 festgelegt. Mit 119 Kindern liegt die Förderschule schon jetzt weit darunter. „Und bald wird auch noch ein starker zehnter Jahrgang die Schule verlassen“, blickt Voigtsberger auf den Sommer.

Weil die Willi-Fährmann-Schule kaum besser dasteht, zwei der drei Stolberger Schwerpunkte („Emotionale und soziale Entwicklung“ und „Lernen“) anbietet und zudem auch geografisch nicht allzu weit entfernt liegt, hatten die Verwaltungen beider Städte bereits seit dem Frühjahr über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen und im Herbst grundsätzliche Einigkeit erzielt. Das gilt mittlerweile auch für die Frage nach dem Haupt- und Teilstandort.

Im direkten Vergleich hatte am Ende die Willi-Fährmann-Schule die Nase vorn — weil ein Argument besonders überzeugte: Das Gebäude ist erst vor vier Jahren für rund 4,6 Millionen Euro saniert und erweitert worden und damit weitaus moderner ausgestattet als die Förderschule Stolberg. Die leicht höhere Schülerzahl von 121 hätte alleine wohl eher nicht den Ausschlag gegeben.

Träger der dann gemeinsamen Förderschule wird die Stadt Eschweiler sein. Alle damit verbundenen rechtlichen und finanziellen Aufgaben sollen in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag geregelt werden. Zudem müssen die beiden Einrichtungen konzeptionell vereinheitlicht werden. Das hat zur Folge, dass die Willi-Fährmann-Schule „Sprache“ als dritten Förderschwerpunkt in ihr Programm aufnehmen muss.

Außerdem wird es die in Stolberg schon länger angebotene außerschulische Betreuung der Primarstufen-Schüler in der offenen Ganztagsschule zukünftig an beiden Standorten geben. Ebenso wie den gebundenen Ganztag in der Sekundarstufe 1, mit dessen Einführung die Willi-FährmannSchule im vergangenen Sommer zunächst in den jahrgangsübergreifenden Klassen 5 und 6 begonnen hat.

„Mit dieser Lösung wird das Ziel erfüllt, dass möglichst alle Schüler aus Stolberg und Eschweiler mit sonderpädagogischem Förderbedarf weiterhin wohnortnah beschult werden können“, zeigt sich Robert Voigtsberger zufrieden. Ob dies „eine Lösung auf Dauer“ sein wird, müsse sich allerdings noch zeigen.

Karlmartin Eßer, Leiter der Willi-Fährmann-Schule, hat seine Einschätzung dazu bereits im September gegenüber unserer Zeitung geäußert: Er geht davon aus, dass auch im Falle eines Zusammenschlusses das Minimum von 144 Schülern nur bis zum Ende des Schuljahres 2017/18 erreicht werden kann.

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