Fördermittel zur Integration

Mehrzweckhalle soll bis Ende August fertig sein : Endspurt an der Kogelshäuserstraße

Endspurt ist angesagt in der Turnhalle Kogelshäuserstraße. Bis Ende August soll die neue Mehrzweckhalle fertig werden, die als erste in Stolberg mit Fördermitteln zur Integration von Flüchtlingen umgebaut wird.

Als Veranstaltungsraum soll die Turnhalle ein weiterer Pfeiler der sozialen Arbeit in dem multinationalen Quartier werden und gleichzeitig der wachsenden Kupferstädter Gesamtschule mit der Adresse Breslauer Straße den Sportunterricht vor Ort ermöglichen. Das ist ein echter Mehrwert für die Schule, auch wenn die Halle nie auf die DIN-Maße des großen Sports ausgelegt war. Aber sie ermöglicht einen zeitgemäßen Unterricht für die gefragten Sportarten in einem tollen Ambiente. Ein neuer Bodenbelag sowie Schall- und Prallschutz aus Holz an den Wänden sind montiert. Vorgesehen sind mobile Basketballkörbe, die bei Bedarf einer mobilen Bühne und einer in die Decke eingelassenen Leinwand Platz machen können.

Einen kleinen ästhetischen Haken hat die Sanierung dann doch. Die Decke der Halle wird von einer filigranen Stahlkonstruktion getragen – fast zu schön, um versteckt zu werden. Doch die Funktionalität hat nun einmal ihren Preis. Die Decke ist mit Leichtmetallplatten abgehangen, um darüber die umfangreiche neue Klima- und Elektrotechnik nebst Deckenheizung verstecken zu können.

Die Stahlkonstruktion hatte aber auch Probleme im Zeitplan verursacht, wie Hochbauamtsleiter Ulrich Coopmann eingesteht. Sie musste mit einem Feuerschutzanstrich versehen werden. Der haftete allerdings nicht, musste wieder entfernt und erneut aufgetragen werden. das kostete einiges an Zeit. Hinzu kamen diverse Kleinigkeiten – wie immer bei einer Altbausanierung, aber auch Verbesserungen, um die Turnhalle effektiver als Veranstaltungsraum nutzen zu können.

Das Dach ist neu eingedeckt, und die Verblendung des Anbaus harmonisiert mit dem 50er-Jahre-Klinker und dem zierenden Kohlesandstein des Altbaus. Foto: Jürgen Lange

Ein Anbau schafft zusätzlichen Stauraum für Sportgeräte, zwei alte Lagerräume dienen zukünftig als Regie- und Bewirtschaftungsräume für zukünftige Events. Die werden barrierefrei besucht werden können. In einem Anbau des seitlichen Eingangsbereichs ist eine Aufzugsanlage entstanden, die von der Turnhallenebene ins Untergeschoss führt. Dort kommt die historische Eingangstüre zur Kogelshäuserstraße zu neuer Geltung als Haupteingang, dessen Stufen mit einer Rampe barrierefrei werden.

Optisch harmoniert Alt und Neu auch beim Blick von außen. Die Verblendung mit den dunkelrot-grauen Klinkerriemchen passt gut zu den helleren roten 50er-Jahre Klinker nebst den hellen Steinfassaden des Kellergeschosses und der Umfassung der Eingangstüre. Projektleiterin Jacqueline Oprée hat bei allen Blicken auf Budget und Funktionalität auf die Optik geachtet.

Nur eines von vielen Bündeln Kabel, die im Keller zusammentreffen. Foto: Jürgen Lange

Beachtlich sind auch die Umbauten im Kellergeschoss,wo ihr Kollege Michael Nebel viel Raum für neue Technik benötigt. Die Heizungsanlage nimmt mit ihrem Wärmetauscher reichlich Platz ein. Nicht minder beeindruckend ist der vermeintliche Gewirr elektrischer Kabel, das neu durch das komplette Gebäude gezogen wurde und im Untergeschoss zusammentrifft. Da kann wohl nur ein Fachmann den Durchblick bewahren.

Wo einst halb Stolberg in der Disco des Turnhallen-Kellers tanzte, entsteht nagelneu die komplette Toilettenanlage – wie gesagt, auch barrierefrei per Aufzug von der Turnhalle erreichbar. Nasse Wände und rostende Stahlträger sind passé, Asbest und künstliche Mineralfasern längst ordnungsgemäß entsorgt. Der Estrich ist aufgebracht, und hinter den Trockenbauplatten verbirgt sich eine moderne Dämmung, und von außen ist das Gebäude trockengelegt und mit einer Drainage versehen worden. Und an der Seite zum Hof vor den Werkräumen der Schule kann man bei Veranstaltungen die Mehrzweckhalle um ein Freiluftangebot erweitern.

Technikkeller: Lüftungsrohre vorne, Klimaanlage im Hintergrund. Foto: Jürgen Lange

Mit diesem Rundumpaket hat die Stadt an der Kogelshäuserstraße weitaus mehr bewegt, als es ursprünglich einmal geplant war, als zu Beginn des Jahrzehnts der marode Zustand der Halle nicht mehr zu leugnen war. Zwar hatte die Stadt 2015 die notwendige Erweiterung der damaligen Sekundarschule im Haushalt abgesichert, aber der vorgesehene Finanzrahmen reichte nicht aus für die mit 732.000 Euro kalkulierte Sanierung der Turnhalle.

Als das Land 2016 das Städtebau-Sonderprogramm zur Integration von Flüchtlingen auflegte, bewarb sich die Kupferstadt rasch und erhielt eine Zusage über 658.800 Euro – um das im Kultur- und Generationenhaus „Kugel“ an der Breslauer Straße geleistete Angebot an Integration und Inklusion intensivieren zu können. „Damit wuchs das Projekt“, sagt Tobias Röhm. Aus einer reinen Sanierung wurde der Umbau in eine Mehrzweckhalle, „die vielen Ansprüchen gerecht wird und sich sehen lassen kann“, so der Technische Beigeordnete. Rund 2,2 Millionen Euro hatte der Stadtrat als Budget dafür bereitgestellt.

In der Disco von einst werden die Sanitäranlagen von morgen eingebaut. Foto: Jürgen Lange