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Schenkung: Flutobjekte aus Stolberg für das „Haus der Geschichte NRW“

Schenkung : Flutobjekte aus Stolberg für das „Haus der Geschichte NRW“

Das verheerende Hochwasser Mitte Juli 2021 hat Stolberg schwer getroffen. Nun überreichte die Verwaltung dem „Haus der Geschichte“ in Düsseldorf einige Flutobjekte.

Objekte, die die Flutkatastrophe vom Sommer 2021 und die darauf folgende Hilfeleistung dokumentieren, hat das Stolberger Stadtarchiv nun dem „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt. Schließlich ist das Haus der Geschichte, das demnächst den „Behrensbau“ in Düsseldorf als Ausstellungsort nutzen wird, ebenso wie das Stadtarchiv bemüht, die Flut als größte Katastrophe der Stolberger Stadtgeschichte museal darzustellen und die Erinnerung daran wachzuhalten.

Die Ausstellungsstücke zusammengestellt und ausgewählt hat Stadtarchivar Christian Altena. Er hatte schon unmittelbar nach der Katastrophe begonnen, repräsentative Objekte zu bergen und sicherzustellen. Unterstützt wurde er dabei von der Bevölkerung, die ihm weitere Gegenstände zur Verfügung stellte. Das in Düsseldorf geplante Haus der NRW-Geschichte hatte schon früh sein Interesse an den Flutobjekten aus Stolberg bekundet.

So war man bereits im Januar nach Stolberg gereist, um die von Altena gesammelten Sachen in Augenschein zu nehmen. „Peter Schmied war angesichts der Vielfalt und der Einmaligkeit der Flutobjekte überrascht. Er gab sich begeistert, als ich ihm die Sachen zeigte“, berichtet Christian Altena. Denn das Spektrum dessen, was nun dem Düsseldorfer Museum übergeben wurde, ist groß. So stammt das größte Stück, eine zerstörte Stahlblechwand, aus dem Magazin des Stadtarchivs. Das Hochwasser hatte den unter dem Alten Rathaus liegenden Magazinraum komplett überschwemmt und die dortigen Rollregale ruiniert. Dabei wurde auch die Stahlblechverkleidung beschädigt und so verformt, das sie unbrauchbar wurde.

Die Zerstörung des Brückengeländers der in der Altstadt gelegenen „Pont de Valognes“ dokumentiert ein Baluster-Trümmerstück aus Blaustein. Kurios ist der Artikel, den die Saint-Gobain-Glashütte an der Eisenbahnstraße – einst Vegla – dem Stadtarchivar für die Flutsammlung zur Verfügung stellte. Sie hatte nämlich auf ihrem Werksgelände ein durch die Vicht angeschwemmtes Ballkleid gefunden. Selbst der mit Schmutz überzogene Stiefel des Stadtarchivars, der bei der Bergung des Archivgutes als Fußbekleidung zum Einsatz kam, fand den Weg nach Düsseldorf.

Bizarr und von satirischem Inhalt geprägt, ist das Plakat, das ebenfalls zu den überreichten Stücken gehört. Denn es trägt die Aufschrift „Bernd, du Arschloch“: Gemeint ist damit das Tiefdruckgebiet Bernd, das der Stadt Stolberg im Juli vergangenen Jahres tagelangen Dauerregen bescherte und für enorme Überschwemmungen sorgte.

Aber auch provisorisch aus Kartoffelchips-Verpackungen hergestellte Sammelboxen des Benfizkonzertes „Stolberg goes Hochwasser“, die symbolisch die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung belegen, wurden Peter Schmied und Dr. Gabriele Uelsberg übergeben. Vervollständigt wurden die Ausstellungsstücke unter anderem durch eine zweckentfremdete Wahlurne und Bierflaschen, die mit der Aufschrift „St. Olberg“, von einem Dorffer Geschäft angeboten, jeweils einen Euro für die Hilfsmaßnahmen in die Kasse gespült hatten.

Die im Alten Rathaus deponierten Wahlurnen hatte die große Helferschar gebraucht, um darin das geborgene Archivgut aus dem Keller zu transportieren. Uelsberg, Präsidiumsmitglied der Stiftung Haus der NRW-Geschichte, bedankte sich mit den Worten: „Die Objekte der Flutkatastrophe, die uns die Stadt Stolberg überlässt, dokumentieren nicht nur die enorme Zerstörung in der Region und die Not der Menschen nach dieser furchtbaren Naturkatastrophe, sondern auch die Hilfsbereitschaft und den großen Zusammenhalt der Stolbergerinnen und Stolberger in dieser schwierigen Zeit.“

Bei der Übergabe und Unterzeichnung der Schenkungsurkunde war auch Michael Ramacher, der Beigeordnete für Jugend, Schule und Soziales, anwesend. Er sagte: „Es ist belegt, dass keine Katastrophe so schnell vergessen wird wie ein Hochwasser. Dem wollen und müssen wir entgegenwirken, damit das Ausmaß der Zerstörungen und die unglaubliche Hilfsbereitschaft auch auf Landesebene erhalten bleibt“.

Für Christian Altena stellt die Überreichung der Objekte einen wichtigen Beitrag für die Kultur und Geschichte der Stadt Stolberg dar: „Das Sammelgut präsentiert die große Solidarität, den Wiederaufbauwillen und die gute Kooperation, die im Moment der Katastrophe und danach zu spüren war“. Die Überführung der Sachen in die Landeshauptstadt, erledigte ein Kleintransporter, mit dem die Experten vom Haus der Geschichte nach Stolberg gereist waren.