Flüstersitzung in Breinig

Besondere Sitzungsform : Flüstersitzung in Breinig

Bereits zum neunten Mal fand die Flüstersitzung nun schon in Breinig statt, und Pfarrer Ulrich Lühring versichert, „dass sie wirklich gut ankommt." Die Sitzung geht auf eine Kölsche Tradition zurück.

Bereits mehr als eine Stunde vor Sitzungsbeginn strömten am Sonntag Scheichs und Sträflinge, Bienen und Krümelmonster sowie alles was die Kostümkiste sonst noch so hergab, gut gelaunt und mit viel Vorfreude auf die diesjährige Flüstersitzung der Pfarre St. Barbara und der KG Sündenböcke ins Pfarrheim "Goldener Stern". Bereits zum neunten Mal fand diese nun in Breinig statt und Pfarrer Ulrich Lühring versicherte, "dass sie wirklich gut ankommt."

Das ist nicht schwer zu glauben, denn nicht umsonst ist der Begriff "Vorverkauf" für diese Veranstaltung wohl eher eine Illusion. Zwar startet dieser offiziell am 11. November, aber da Interessierte im Vorfeld ihre Kartenwünsche notieren lassen können, geht es ab diesem Tag tatsächlich nur noch um eine Sichtung und Verteilung der vorhandenen Karten, deren Anzahl aufgrund der Platzverhältnisse begrenzt ist. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass die Veranstalter sogar selektiv eingreifen müssen: "Ich mussmanchmal Leuten mit der Begründung absagen, dass sie bereits mehrfach teilgenommen haben und anderen jetzt auch einmal eine Chance eingeräumt werden müsse", bedauert der Pfarrer. "

So viele Karnevalisten wie möglich unterzubringen, stellt schon große logistische Anforderungen an uns, da ja auch jedem ein fester Platz zugewiesen wird", fügt er noch hinzu. Nicht nur den Besuchern, auch den Künstlern - vielen Büttenrednern, aber auch Musik- und Tanzgruppen - gefallen die Sitzungen der leisen und nostalgischen Töne. "Die Künstler freuen sich darüber, dass ihnen hier noch zugehört wird", berichtet Lühring.

Aber wie schafft man es, die Leute immer wieder zur Ruhe anzuhalten? Nichts einfacher als das, erklärten die Veranstalter all denjenigen, die am Sonntag erstmals dabei waren. Sobald es zu laut wurde, mahnten die Köbese, die durch die Sitzungen führten, mit einem deutlichen "Pst..." mehr Ruhe an.

So kommt die Flüstersitzung nach Breinig

Die Idee diese Art der nostalgischen Sitzungen nach Breinig zu bringen, stammt von zwei der Organisatoren. "Wir, also André Hennecken und ich", so erzählt Josef Oebel, der Mann, der bei der Veranstaltung im Hintergrund agiert, "waren vor neun Jahren auf eben so einer Flüstersitzung in Köln und so begeistert, dass wir uns so etwas auch für Breinig vorstellen konnten. Die Ursprünge dieser Sitzungen", so erzählt er weiter, "stammen aus dem besetzten Nachkriegsköln.

Die Kölner wollten sich das Feiern des Karnevals von den Besatzern nicht verbieten lassen und erfanden deshalb die Flüstersitzungen als Ausweg aus ihrer Misere." Um eine solche Sitzung auf die Beine zu stellen, bedarf es natürlich nicht nur einer Idee sondern auch helfender Hände - und zwar zahlreicher. Daher waren am Sonntag mindestens zwanzig Leute, sowohl von der KG Sündenböcke als auch aus der Pfarre, ehrenamtlich im Einsatz, um die Feiernden mit Speisen und Getränken zu bewirten, im Hintergrund das Programm zu koordinieren und die angebotenen rheinischen Speisen - "halve Hahn, Grünkohl, Bratwurst und Frikadellen - zuzubereiten. "

Die Frikadellen wiegen alle 175 Gramm, mit maximal zwei Gramm Abweichung," berichtet Ulrich Lühring schmunzelnd. Die Besucher dankten den Organisatoren auf die schönste Weise, indem sie fröhlich feierten. Sie erfreuten sich an den Auftritten der Köbese, die ihre Vorträge mit viel Lokalkolorit spickten, genauso wie am Mariechentanz, an Parodien oder dem Auftritt der kölschen Mundartband "Silberschuss". Die Sitzungen bieten jedoch nicht nur Spaß, sondern liefern noch einen weiteren positiven Aspekt. Die erwirtschafteten Überschüsse fließen in die Gemeinde zurück. So konnte Lühring die Anwesenden bitten: "Schaut euch mal die Fenster in der Ecke an. Die verdanken wir dem Erlös der Sitzung aus dem letzten Jahr."

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