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Stolberg: Fingerhut kann Herzensangelegenheit sein

Stolberg : Fingerhut kann Herzensangelegenheit sein

Wer mit offenen Augen in diesen Tagen durch die Landschaft wandert, findet in Böschungen, Waldlichtungen und an Wegesrändern häufig den blühenden Roten Fingerhut, der zu der Pflanzenfamilie der Rachenblütler gehört.

Er ist eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr eine große Blattrosette am Boden bildet und im zweiten Jahr einen oft mehr als meterhohen Blütenspross austreibt.

Die großen, purpurroten Blüten sehen wie hängende Glocken oder wie Fingerhüte aus, die für die deutsche Namensgebung hergehalten haben. Der wissenschaftliche Name lautet Digitalis und stammt vom Latein aus dem Mittelalter und bedeutet nichts anderes als Fingerhut.

Die unzähligen sandkorngroßen Samen werden nach der Reife leicht über einen weiten Umkreis verstreut, sodass der Fingerhut häufig in großen Beständen anzutreffen ist. Die glockenförmigen Blüten werden vor allem von Hummeln bei Regen als Unterschlupf genutzt und dienen ihnen aber auch als Platz zum Übernachten. In ganz seltenen Fällen findet man statt der purpurroten Blüten auch weiße Blüten am Fingerhut.

Die Blätter des Fingerhutes enthalten mehrere Stoffe, die auf das Herz und die Blutgefäße wirken. Bereits im 18. Jahrhundert wurde die harntreibende Wirkung beschrieben, ohne dass man damals den Zusammenhang zwischen „Wassersucht”, eine Krankheit, die durch Schwellungen von Gliedmaßen und Rumpf gekennzeichnet ist, und unzureichender Pumpleistung des Herzens erkannte. Auch heute noch wird Digitalis häufig bei Herzkrankheiten verschrieben, besonders beim Vorhofflimmern, bei dem die Pumpleistung des Herzens durch ungleichmäßige Kontraktion stark vermindert ist.

Es sollte jedoch niemand auf die Idee kommen, sich selbst mit Blättern des Fingerhutes einen Tee zu brauen, wenn er Herzprobleme hat. Das könnte sehr schnell zu einer Überdosis dieses Heilstoffes führen, was fatale Folgen für den Betroffenen haben könnte.