Feuchtwiese "Auf der Rüst" in Stolberg: Naturschützer räumen auf

Mähen, sägen und rechen : Naturschützer räumen Gebiet um die Feuchtwiese „Auf der Rüst“ auf

Bis 1975 Abbaugebiet für Kalkstein, seit 1980 unter Schutz gestellt – das Naturschutzgebiet „Auf der Rüst“ zwischen Breinigerberg und Büsbach. Das Steinbruchareal, das gemeinsam mit den benachbarten Naturschutzgebieten Bärenstein und Brockenberg eine ökologische Einheit bildet, beherbergt neben zwei Kalkschlammteichen, deren Anlage bis in das Jahr 1950 zurückreicht, eine Feuchtwiese, die am Samstag bereits zum mehr als zehnten Mal im Fokus des aktiven Naturschutzes stand.

Unter der Schirmherrschaft der Städteregion Aachen fanden dort Mitglieder des „Arbeitskreis Naturschutz Stolberg/Eschweiler e.V.“, der „Biologischen Station der Städteregion Aachen e.V.“, des „BUND e.V. (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) sowie weiterer Umweltschutzorganisationen und Naturschutzverbänden zusammen, um das Gelände, dessen Erhaltung für Flora und Fauna von großer Bedeutung ist, zu räumen.

Neben illegalen Anglern, die immer wieder an den Klärteichen aufgegriffen werden, oder Hundebesitzern, die, die Vorschriften in Naturschutzgebiete missachtend die Feuchtwiese zur Hundespielwiese umfunktionieren, bedroht auch die fortschreitende Verlandung das biologisch so wertvolle Gebiet.

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, nahmen die etwa fünfundzwanzig Freiwilligen mit Unterstützung einiger fest engagierter Mitglieder der Lebenshilfe e.V. Mäher, Sägen und Rechen in die Hand, um, so fasste es Udo Thorwesten vom Umweltamt der Städteregion Aachen in kurzen Worten zusammen, „zu rechen, zu packen und wegzubringen“.

In Langform bedeutete das, dass am Ende des vormittäglichen Einsatzes die Wiese gemäht und der Rasenschnitt abgetragen sein sollte. Dieser würde, wenn er liegen bliebe, eine erhöhte Nährstoffanreicherung und in Verbindung damit das ausgeprägte Wachstum unerwünschter Pflanzen wie Brennnesseln und Disteln zur Folge haben.

Auch der Rückschnitt beziehungsweise die Fällung der am Wiesenrand stehenden Birken stand auf dem Plan. Diese entziehen in ihrer Eigenschaft als Auengehölze mit flachen, breit gefächerten Wurzeln dem Boden der Feuchtwiese unnötig Wasser. Zuletzt musste der anfallende Grünabfall in Big Packs gewuchtet werden, um damit Gräben und Senken in der Umgebung zu verfüllen.

Ein „zweibeiniges Rückpferd“

Den Schnitt einfach am Wiesenrand auszubringen hätte keinerlei Sinn gemacht, denn der Effekt der Förderung unerwünschter Pflanzen wäre damit nur kurzfristig verlagert worden. So mutierte an diesem Morgen der eine oder andere vorübergehend zu einem „zweibeinigen Rückpferd“, so Thorwesten augenzwinkernd, wobei er Wert darauf legte, dass jeder bei der Erledigung der Arbeiten die eigenen körperlichen Möglichkeiten im Auge behielt.

Am Ende eines schweißtreibenden Vormittags konnte man äußerst zufrieden sein, denn man hatte einiges für den Lebensraum von Insekten, Amphibien, wie der streng geschützten Geburtshelferkröte, und Pflanzen, wie die auf dieser Feuchtwiese wachsenden Orchideen, von denen, wie einer der Helfer zu berichten wusste, in diesem Jahr ungefähr 250 Stück gezählt wurden, getan.

„Jede Organisation hat in der Regel ihre eigenen Projekte und daher hat die Aktion hier am Breinigerberg, die man gemeinsam unternimmt, einen einzigartigen Status. Man hat die seltene Möglichkeit sich intensiv auszutauschen“, sagte Bettina Krebs, Mitarbeiterin der Biologischen Station. Diesen Austausch konnte man während des gemeinsamen Mittagessens auf jeden Fall noch vertiefen.

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