Stolberg: Fettberg/Schellerweg: Statt der Häuser gibt es nur noch Mauerreste

Stolberg : Fettberg/Schellerweg: Statt der Häuser gibt es nur noch Mauerreste

Im Rahmen unserer Serie „Gleich und doch anders“ geht es in der 98. Folge um den Bereich Fettberg/Schellerweg.

Betrachtet man ein 1972 entstandenes Foto von diesem Areal, so sind darauf drei Bauten abgebildet, die einst an der Ecke Fettberg/Schellerweg lagen. Zum Abbildungszeitpunkt wurden die Gebäude von Mitarbeitern der Stolberger Zinkhütte bewohnt.

Über die frühe Nutzung und Entstehung der Häuser ist nur wenig bekannt. Vermutlich waren sie Zweckbauten der James-Grube und wurden für die Verwaltung und Unterhaltung des Münsterbuscher Steinkohlenbergwerkes genutzt. Benannt war die Grube nach dem englischen Industriellen James Cockerill, der 1830 gemeinsam mit seinem Bruder John die Bergbaurechte auf dem „Münsterkohlberg“ übernahm und somit den industriellen Abbau des „Schwarzen Goldes“ in großen Tiefen ermöglichte.

Im Tagebauverfahren hatte man dort Kohle bereits schon im 14. Jahrhundert abgebaut. In der örtlichen, historischen Literatur wird das rechts liegende Backsteingebäude, abgelichtet ist nur ein Teil des langgesteckten Baues, als Bethaus der Jamesgrube bezeichnet. Ein Bethaus der Bergleute erfüllte meist mehrere Funktionen. Neben der Nutzung als Gebetsort, gebetet wurde für eine unfallfreie und sichere Schicht, wurde das Gebäude auch als Versammlungsstätte genutzt. Denn eine Versammlung der Bergleute war erforderlich, um gemeinsam mit dem Schichtmeister vor und nach der Einfahrt in die Grube anstehende Probleme und Fragen zu besprechen. Sogar eine Nutzung als Büro der Grube könnte für das Gebäude in Frage kommen.

Vater war Kutscher

Denn in einem Plan von 1856 wird der Bau als „Comptoir“ bezeichnet. 1891 wurde die Steinkohlengrube geschlossen, und die Gebäude gingen in den Besitz der Münsterbuscher Zinkhütte über. In dem mittleren Gebäude, zu erkennen an dem Walmdach, hat Bernhard Kuckelkorn, Bürgermeister der Stadt Stolberg von 1952 bis 1979 seine Kindheit- und Jugend verbracht. Sein Vater Wilhelm Kuckelkorn war nämlich als Kutscher bei der benachbarten Zinkhütte angestellt.

Heute ist von den Bauten nichts mehr zu sehen. Vermutlich wurden sie kurz nach der Erstellung des historische Fotos abgerissen und machten einer mit Gebüschen und Bäumen bestanden Freifläche Platz. Wenn man heute den einstigen Gebäudestandort sucht, muss man sich an die Einmündung des Haldenweges an der Straße Fettberg begeben. Dort haben die Gebäude einst beidseitig des Weges gelegen.

Und beim genauen Hinsehen findet man im Gelände noch Fundamentreste des mittleren Gebäudes.