Stolberg: Ferienspiele: Koch- und Nähtalente schon früh entdecken

Stolberg: Ferienspiele: Koch- und Nähtalente schon früh entdecken

Die Schulferien im gesamten Bundesland sind nun im Endspurt angelangt, und bei manchen Schülern macht sich schon so langsam die Langeweile breit. Nicht so aber bei den Kindern im Helene-Weber-Haus. Denn dort gibt es auch in der letzten Ferienwoche wieder zwei tolle Angebote.

„Europa kulinarisch entdecken“ heißt es im ersten Stock des Hauses. In einem Raum geht es ordentlich zur Sache. Denn dort in der Küche sind gerade elf Kinder damit beschäftigt, ein schmackhaftes Menü zuzubereiten. Fünf Tage lang dauert der Kochkurs, der unter dem Motto „Kulinarische Europareise“ steht. Dabei unternehmen die acht bis zwölf Jahre alten Kinder eine kulinarische Reise durch verschiedene europäische Länder.

Die Zitrone muss geschält werden, bevor sie dem Gericht beigefügt werden kann. Foto: T. Waltl

Nachdem die Mädchen und Jungen in den vergangenen Tagen schon die tschechische und italienische Küche durchgemacht haben, steht an diesem Tag die französische auf dem Speiseplan. In Kleingruppen werden die Gerichte natürlich mit frischen Zutaten zubereitet.

Kartoffeln schälen

Drei Mädchen schälen zuerst Kartoffeln, um sie anschließend in feine Scheiben für das Kartoffelgratin zu schneiden. Zwei weitere bereiten eine Thymian-Zitronen-Butter zu, während sich die Jungs um die Hauptspeise und das Brot kümmern. Angeleitet und betreut werden die Kinder von Paulina Reinhardt. Sie ist ausgebildete Ernährungsberaterin und hat den beliebten Kinderkochkurs schon öfters durchgeführt. Genauer gesagt seit 2010 sowohl in den Sommer-, als auch in den Oster- und Herbstferien.

Spaß im Vordergrund

In den meisten Fällen ist der Kurs immer schnell ausgebucht. „Während der fünf Tage sollen die Kinder lernen, dass man ganz einfach gesunde Gerichte selber zubereiten kann. Natürlich steht aber der Spaß im Vordergrund.

Am fünften und zugleich letzten Tag zeigen die Kinder, was sie in der vergangen Zeit so alles gelernt haben. Dann kochen sie für ihre Eltern und Großeltern, insgesamt 25 Personen, ein Menü aus den besten Rezepten der ganzen Woche. Mit dem teilweise auch stressigen Ablauf am Abschlusstag ist Raul schon vertraut. Er hat schon einmal beim Kochkurs im Helene-Weber-Haus mitgemacht und ist schon fast ein Meisterkoch. „Eigentlich koche ich alles sehr gerne, aber am liebsten mache ich das Brot. Da kann ich beim Kneten meine ganze Kraft rauslassen“, erzählt der Achtjährige.

„Taschen selbst gemacht“ heißt es eine Etage höher. Während in der Küche also gemixt, geschnitten und geraspelt wird, rattern hier die Nähmaschinen. Beim „Nähworkshop für Teens“ bekommen die Kinder Einblick in ein Handwerk, das mehr und mehr wieder in Mode kommt.

Dass aus einer alten und abgetragenen Jeans einmal eine schicke Handtasche werden soll, kann man sich als Laie nur schwer vorstellen. Die zehn bis elf Jahre alten Kinder haben aber durchaus Talent, was das Nähen betrifft. Am ersten der fünf Kurs-Tage haben die Teilnehmer einen sogenannten Nähführerschein gemacht. Dabei haben sich die Kinder unter anderem mit der Maschine vertraut und erste Nähübungen gemacht.

Das Ziel ist es in der Woche, aus alten Jeans eine modisch Handtasche zu machen. An diesem Tag steht der Tragegurt der Tasche auf dem Programm. Zuerst wird der Stoff mit dem Lineal ausgemessen, dann mit der Schere passend abgeschnitten und anschließend für die Weiterverarbeitung glatt gebügelt.

Hahn im Korb

Unter die sechs Mädchen mischt sich auch ein Junge. Daniel nimmt zum ersten Mal an einem Nähworkshop teil, und es mache ihm auch nichts aus, der Hahn im Korb zu sein: „Die Hauptsache ist, dass mir die Arbeit sehr gut gefällt und ich es auch gut kann.“ Die Handtasche gefalle ihm als Jungen dann zwar doch nicht, aber irgendjemand aus der Familie werde sich sicher darüber freuen.

Zufrieden mit der Arbeit der Kinder zeigt sich auch Marie-Christine Wouters-Minderjahn, die den Näh-Workshop leitet: „Obwohl viele erst das erste Mal eine Nähmaschine betätigt haben, schlagen sich die Kinder wirklich gut.“ Und auch, wenn sie sich manchmal verschneiden, mit Hilfe der Fachreferentin haben sie alle Fehler immer wieder repariert bekommen, so dass es im Endeffekt gar keinem auffällt.

Dadurch, dass die Kinder schon so gut mit der Nähmaschine umgehen können und mit der Tasche schneller als erwartet fertig sind, werden kurzerhand auch Kissenüberzüge, Mäppchen und Leggins für die Mädchen genäht.

Tolle Produkte

Man sieht also, dass es auch in Zeiten von Handy & Co. Kinder gibt, die sich an handwerklichen und kreativen Aktivitäten beteiligen und erfreuen. Und dass man auch aus einfachen und wenigen Materialien tolle Produkte kreieren kann.

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