Stolberg: Fastenzeit ist keine Zeit der Trauer

Stolberg : Fastenzeit ist keine Zeit der Trauer

Menschen, die ein Kreuz aus Asche auf der Stirn tragen — sie setzen ein sichtbares Zeichen dafür, dass nach dem Verklingen des Karnevals etwas anders geworden ist. Veränderung wird, in Stolberg wie anderswo, nicht nur im kirchlichen Bereich spürbar: Vereine, Verbände und gesellschaftliche Gruppen laden zum Fischessen ein.

Doch nicht nur Seelsorger und Spezialisten für Getier aus dem Wasser sind in diesen Tagen gefragt — die Fastenzeit zwischen dem heutigen Aschermittwoch und dem Ostersonntag am 20. April beschäftigt auch die Diätspezialisten und Ärzte im Bethlehem-Gesundheitszentrum.

Legt Gläubigen am heutigen Mittwoch gleich zwei Mal das Aschenkreuz auf: Jürgen Urth, Pfarrer von Büsbach. Foto: Christoph Hahn

Doppelt gefragt ist heute beispielsweise Pfarrer Jürgen Urth von St. Hubertus in Büsbach: Das Aschenkreuz teilt er zwei Mal in seiner Kirche aus: beim Wortgottesdienst für die Schulen um 8.15 Uhr und bei der Abendmesse um 19 Uhr. Für den katholischen Priester ist der Symbolgehalt klar: „Das Aschenkreuz will den Christen an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens erinnern.“

Das Problem sei aber, dass die Feste der Kirche und die mit ihnen zusammenhängenden Zeichen weithin nicht mehr erkannt und zugeordnet würden: „Die Leute wissen nicht mehr, was Ostern ist.“ Mit dem alten Lied „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ kann der Büsbacher Seelsorger jedenfalls nicht so sehr viel anfangen: „Die Fastenzeit will keine Zeit der Trauer sein, sondern eine Zeit der neu entdeckten Freude über die Geborgenheit eines Lebens in Gott.“

Einen verstärkten Gottesdienst-Besuch hat Urth in den 30 Jahren seines Wirkens an St. Hubertus noch nicht festgestellt: „Das ist gleich.“ Wohl aber verstärkt die Pfarre in der Fastenzeit ihre Angebote — vor allem mit der „Nacht des Wachens und Betens“ für junge Leute vom Abend des Gründonnerstags bis in den Karfreitag hinein.

Eine Veranstaltung etwas anderer Art offerieren derweil die Frauengemeinschaft und der Gemeinderat von St. Sebastianus in Atsch. Unter dem Motto „Suppe essen — Schnitzel zahlen“ laden die Aktiven am Sonntag, 23. März, zwischen 12 und 14 Uhr zum Benefizessen mit Eintöpfen, Reis- und Nudelgerichten sowie eben Suppen ein. Sabrina Wirtz und Cornelia Schüller erleben den Aschermittwoch aus ganz anderer Warte: Sie arbeiten im großen E-Center an der Mauerstraße in Münsterbusch, zu dem auch eine Fischtheke gehört.

Für die ersten Tage der Fastenzeit haben sie verstärkt so genannte Sauermarinaden wie zum Beispiel Rollmops bestellt, zudem Skrei (Winter-Kabeljau) und Lachs als hochwertige Speisefische. „Das wird gezielt beworben“, weiß Sabrina Wirtz. Wolfsbarsch, Rotbarben und andere Luxusprodukte, wie sie teilweise in Kochshows vor einem nach Millionen zählenden Fernsehpublikum propagiert werden, „laufen hier nicht“. In und um Münsterbusch lieben es die Verbraucher halt bodenständig — nicht nur, aber auch zur Fastenzeit.

Mehr von Aachener Zeitung