Stolberg: Fast wie im Wilden Westen: 46 Kinder campen

Stolberg : Fast wie im Wilden Westen: 46 Kinder campen

Zugegeben, echte Cowboys und Indianer, die sich wie in den alten Winnetou-Filmen vor den Toren einer klassischen Westernstadt gegenüber stehen, haben dann doch gefehlt. Das wäre des Guten wohl auch etwas zu viel gewesen. Was aber auch gar nicht weiter schlimm ist, denn für Zustände wie im Wilden Westen haben 46 Kinder aus Stolberg und Umgebung beim diesjährigen Ferienzeltlager „Natur pur” - organisiert von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) - schon selbst gesorgt.

Insgesamt sechs Tage lang campieren sie auf dem weitläufigen Gelände der „Copper Ranch” zwischen Zweifall und Mulartshütte, das eigentlich im Besitz des Country-Clubs der Copper City Pioneers ist. Doch momentan scheint die Ranch eher fest in den Händen der kleinen Nachwuchspioniere im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren zu sein.

Und der Spaß stand ihnen buchstäblich ins Gesicht geschrieben, mit selbstangefertigten T-Shirts und echter Kriegsbemalung ging es zur Goldsuche am angrenzenden Vichtbach (die gute alte Flaschenpost durfte natürlich nicht fehlen), wurden Schnitzeljagden veranstaltet, Floße gebaut und der nahegelegene Wald samt Tierwelt erkundet. Zwischen dem traditionellen Saloon und dem Vichtbach schlugen die Trapper unterdessen ihre Zelte auf.

„Die Kinder lernen hier, wie sich das Leben in der Natur anfühlt”, so Conny Ceyhan vom AWO-Kreisverband. Sie ist maßgeblich für die Organisation verantwortlich und zeigt sich erfreut über die Begeisterungsfähigkeit der Kinder: „Einfach mal eine Woche ohne Gameboy, Fernseher und Fast Food zu leben, ist heutzutage nicht gerade üblich. Aber die Kleinen ziehen super mit, sie vermissen das hier überhaupt nicht.”

Bereits im fünften Jahr veranstaltet die AWO in den Sommerferien mehrere Zeltlager im Raum Aachen, „nach den wachsenden Erfolgen in den Vorjahren sehen wir uns bestätigt, dieses Angebot immer weiter auszubauen”, verdeutlicht der Stolberger AWO-Ortsvorsitzende Hans-Josef Wellmann. Das Angebot soll vor allem den Kindern zugute kommen, deren Eltern aus beruflichen oder finanziellen Gründen nicht unbedingt jedes Jahr in den Urlaub fahren können. „Hier wollen wir einfach helfen und die Eltern ein wenig entlasten.”

Das populäre Modellprojekt wird zusätzlich vom Jugendamt Stolberg unterstützt, Ausrüstung wie Zelte oder Küchenutensilien ließen sich in der Natur schließlich nicht einfach so finden, gibt Ceyhan schmunzelnd zu. Und schließlich brauchen 46 Kinder eine Menge an Ausrüstung, wenn sie fast eine Woche lang in der Natur auf sich allein gestellt sind.

„Rund um die Uhr gefragt”

Damit sich die Kinder auch bloß genug austoben können und die Gruppe sprichwörtlich auf Trab gehalten wird, haben sich die sieben Betreuer um Patrick Rudolph denn auch einiges einfallen lassen. „Wir unternehmen mit den Kindern auch Nachtwanderungen und fahren mit ihnen zum Brückenkopfpark nach Jülich, um hier auch mal rauszukommen”, so der 21-Jährige, der als Leiter des Betreuerteams natürlich besonders gefordert wird. „Wir sind hier beinahe rund um die Uhr gefragt”, unterstreicht er mit Blick auf die langen Tage auf der Copper Ranch, die morgens auch schonmal gegen 6 Uhr beginnen können und erst sehr spät nach Sonnenuntergang beim traditionellen Lagerfeuer enden. „Aber so lebt es sich halt in der Natur.”