Aachen/Stolberg: Familienvater wird wegen Zuhälterei ins Gefängnis geschickt

Aachen/Stolberg: Familienvater wird wegen Zuhälterei ins Gefängnis geschickt

Ein langes, schwieriges Verfahren um das Schicksal einer erst 18-jährigen Prostituierten ist am Donnerstag vor der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht mit vier Verurteilungen und einem Freispruch nach mehr als 14 Verhandlungstagen zu Ende gegangen.

Im Oktober noch hatte der bis dahin schweigende Hauptangeklagte Valentin P. (37) in einer beschönigenden Einlassung behauptet, zwei seiner Mitangeklagten hätten ihn mit vorgehaltenem Messer dazu gezwungen, eine erst 18-jährige, aus Rumänien stammende Prostituierte zu schlagen, vorher sei sie von denen vergewaltigt worden. Das alles geschah in einem Haus in Stolberg, in dem alle Angeklagten lebten.

Die Tat sah das Gericht unter Vorsitz von Richter Matthias Quarch allerdings grundlegend anders und verurteilte den Familienvater wegen Menschenhandels „zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung“ und wegen Körperverletzung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft.

Die anderen Angeklagten im Alter zwischen 24 und 37 Jahren, darunter zwei Frauen, kamen nochmal mit geringeren Strafen davon, sie wurden zur Bewährung ausgesetzt, eine jüngere Frau wurde gänzlich freigesprochen.

Doch in Valentin P., einem eher schmächtigen und äußerlich völlig unauffälligen Mann, sah das Gericht den Haupttäter, der die 18-jährige zur Prostitution zwang und sie ihrer Freiheit beraubte. „Er war der Peiniger“, stellte Quarch unumwunden fest.

Das aus Rumänien stammende Mädchen hatte seit 2014 in einem Stolberger Club und in der Aachener Antoniusstraße anschaffen müssen und wollte dann im Januar nach Prügeln und Schlägen nicht mehr: Sie floh unter Drohungen und der Verfolgung des Hauptangeklagten Ende Januar von Stolberg nach Rumänien - und kam auch als Zeugin nicht mehr zurück.

„Das Verfahren“, so Richter Quarch, „war dadurch sehr schwierig. Wir konnten die Einlassungen des Opfers nicht direkt aus ihrem Mund hören“. Vor allem sei auch das Sprachproblem immer da gewesen, sein Dank gelte den vier Dolmetschern, di die Übersetzungen bewerkstelligten. Doch es habe zweifelsfrei Übereinstimmungen der Aussagen der Geschädigten mit anderen Aussagen gegeben, so dass am Ende ein deutliches Bild der Tat herausgekommen sei.

Danach habe P. die 18-Jährige mit Gewalt daran hindern wollen, von ihrem Gefängnis in der Stolberger Wohnung nach Rumänien fliehen zu wollen. Das gelang ihr mithilfe eines Freundes, der ihr in seinem Auto die Flucht ermöglichte.

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