Stolberg: Familie gefunden: „Es ist toll, ein Pate zu sein”

Stolberg: Familie gefunden: „Es ist toll, ein Pate zu sein”

Jeder, der Kinder hat, hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man als Familie gelegentlich Hilfe braucht. Wenn die Anforderungen des Alltags über den Kopf wachsen, ist es hilfreich, auf Freunde, Verwandte oder Nachbarn zurückgreifen zu können. Aber was tun, wenn keiner da ist, den man fragen kann?

Seit November 2009 stehen der SKM (Sozialdienst katholischer Männer, Verein für soziale Dienste) und das Bethlehelm Gesundheitszentrum mit dem Angebot der Patenschaften Familien in solchen Situationen zur Seite. Familienpatenschaften bieten eine konkrete Unterstützung im Alltag.

Die ehrenamtlichen Paten entlasten die Eltern etwa durch Kinderbetreuung oder begleiten bei Behördengängen und Arztbesuchen. 20 Familien werden zurzeit betreut, weitere Paten werden dringend gesucht. Vier Ehrenamtler erzählen im Folgenden von ihren Erfahrungen, und warum sie froh sind, eine Patenschaft übernommen zu haben.

Ilse Zörklerist eine Patin der ersten Stunde. Seit vier Jahren betreut die 70-Jährige eine kongolesische Familie mit inzwischen drei Kindern. „Da ich ja eine der ersten Patinnen war, wusste ich gar nicht, was da auf mich zukommt”, sagt Zörkler. Und so stand sie vor der Herausforderung, beim ersten Besuch herauszufinden, was die Familie eigentlich braucht.

Ausflüge und Freizeitgestaltung

Das war gar nicht so einfach, erzählt die 70-Jährige. Der Vater war tagsüber arbeiten und die Mutter sprach nicht ein Wort Deutsch. Die Verständigung lief zu Beginn auf Französisch. Ilse Zörkler setzte sich dafür ein, dass die Mutter einen Integrationskurs besuchen konnte, Behördengänge eingeschlossen.

Mittlerweile, erzählt Zörkler, macht sie eigentlich alles das, was eine Oma auch macht. Auch wenn die Kinder nicht Oma, sondern „Elsa” zu ihr sagen. Feste Zeiten gibt es nicht, flexibel kümmert sich Ilse Zörkler einmal in der Woche um die Kinder. „Man bekommt so viel zurück. Das will ich nie wieder missen”, sagt sie.

Brigitte Bohlenstieß 2010 zum Team der Familienpaten. Aufmerksam auf dieses Projekt machte die 56-Jährige ein Plakat in der Apotheke. Seitdem unterstützt sie eine Familie mit zwei Kindern. „Wir unternehmen sehr viel. Bei schönem Wetter machen wir Ausflüge in die Natur, etwa zum Tagebau nach Inden. Ist das Wetter schlecht, stehen Basteln oder Gesellschaftsspiele auf dem Programm”, sagt Brigitte Bohlen.

Obwohl die Chemie zwischen ihr und der Mutter von Anfang an gut war, brauchte es dennoch eine gewisse Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Das sei aber auch dem Umstand zu schulden gewesen, dass sich die Frau gerade von ihrem Mann getrennt hatte, als Brigitte Bohlen in die Familie kam. „Meine Entscheidung, Familienpatin zu werden, habe ich aber nie bereut”, sagt Brigitte Bohlen.

Umgang mit Kindern hatte Annerose Illing bereits während ihrer beruflichen Laufbahn als Kinderkrankenschwester. So war der Weg, Familienpatin zu werden, nicht allzu weit. Nach fast drei Jahren ist Annerose Illing schon ein wenig zur Ersatzoma geworden für die beiden fünfeinhalbjährigen Zwillinge, um die sie sich stundenweise kümmert. „Du, Frau Illing”, sagen die Kinder zu ihr. „Und das ist gut so, ich bin ja nicht die richtige Oma”, sagt die 61-Jährige.

Sie ist überzeugt, dass es den Kindern gut tut, auch einmal andere Einflüsse zu bekommen und neue Sachen zu sehen. „Dass es mal mit einer Familie nicht passt, sollte niemanden davon abhalten, sich als Pate zu engagieren”, appelliert Annerose Illing, dass sich noch viele Freiwillige melden.

Die Geschichte von Heinz-Gerd Spriewald ist eine andere. Als der 58-Jährige in Altersteilzeit ging, stand er vor der Aufgabe, die neu gewonnene Zeit, die er nun hatte, gut und sinnvoll zu nutzen. „Da dachte ich mir, warum nicht etwas Gutes tun?”, sagt Spriewald. So wendete er sich an dem SKM. Klar war für ihn allerdings, dass er nicht als Pate nur eine Familie im klassischen Sinne betreuen wollte.

Doch schnell fand sich für ihn eine andere Aufgabe: Einige der Familien, die die Projektkoordinatorinen Martina Küpper und Sabine Beckers betreuen, haben mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Hier kommt Heinz-Gerd Spriewald ins Spiel. Er leistet wichtige Vorarbeit vor dem Gang zur Schuldnerberatung, unterstützt die Familien beim Sortieren der Unterlagen, bringt Struktur hinein.

„Diese Projektaufgaben finde ich für mich persönlich interessanter”, sagt Spriewald. Und so kann sich wirklich jeder auf seine eigene Weise engagieren - zu tun gibt es genug.