Versteigerung im Rathaus: Fahrräder finden neues Zuhause

Versteigerung im Rathaus : Fahrräder finden neues Zuhause

Zwei mal im Jahr bietet die Stadt herrenlos aufgefundene Räder zum Verkauf an. Dabei zeigen die Stolberger stets großes Interesse. Dieses Mal bringt die Auktion bringt der Stadt einen Gewinn von 961 Euro ein.

Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung jauchzt. „Seit meinem Zwölften habe ich kein Rad mehr gehabt!“, ruft sie durch das Foyer des Rathauses. Die Sehnsucht, die sich dann auch unweit ihres Arbeitsplatzes erfüllt – bei der Auktion, die zwei Mal im Jahr herrenlos aufgefundene Drahtesel unters Volk bringt.

Das Spektrum der Räder deckt sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Es gibt Kinderräder, Sporträder, Elektroräder und noch viele andere mehr. Die Räder kommen so unter den Hammer, wie sie auf den Straßen und Plätzen aufgefunden worden sind. Da kann es sein, dass die Reifen noch mit Dreck verkrustet sind. Aber der ist dafür original.

Ebenso divers: der Kreis der potenziellen Käufer. Opa und Oma suchen Geschenke für die Enkel, und auch der aus Pakistan stammende Busfahrer möchte beim Kauf möglichst sein Portemonnaie schönen. Außerdem ist für ihn Eile geboten: Gleich ruft die Spätschicht auf der Linie 8. Das Publikum der öffentlichen Auktion ist höchst gemischt: Akademiker, Arbeiter, Arbeitssuchende – die Auktion am frühen Nachmittag kann vielen verschiedenen Menschen etwas bieten.

Dann gibt es noch einen Personenkreis, der sich für das Geschehen im Eingangsbereich brennend interessiert: die Frauen und Männer, die dort arbeiten. Eine ganze Reihe von ihnen hat sich entlang der Balustrade im ersten Stock einen Logenplatz besorgt, verfolgt das Geschehen ganz genau, während die Kollegen im Erdgeschoss um die rund 40 Zweiräder mit Kennerblick inspizieren.

Die Versteigerung an sich folgt festen Regeln. Auktionator Michael Erkens, Mitarbeiter des Vollstreckungsdienstes der Stadtverwaltung, verkündet die Höhe des Startgebots. Wenn dann ein Bieter den Zuschlag erhält, wird er an einem Stehtisch von Dieter Conrads, auch er ein „Vollstrecker“, erwartet. Der streicht den Kaufpreis ein und gibt seinem Kollegen Erkens dann ein Zeichen. Erst wenn das Geld im Stadtsäckel klingelt, geht es weiter. Da sind die Sitten streng bei der Auktion.

Insgesamt 35 Räder werden bei der Versteigerung aufgerufen, 25 davon finden auch tatsächlich einen neuen Besitzer. Relativ billig kommt ein Bürger für elf Euro an ein neues Gefährt. Mit135 Euro spült ein weiterer Stolberger das Spitzengebot der Auktion für einen neues Rad in die Kassen der Stadt. Und so wiegt deren Säckel nun um 961 Euro schwerer.