Stolberg: Fährt die Euregiobahn bald regelmäßig bis nach Breinig?

Stolberg: Fährt die Euregiobahn bald regelmäßig bis nach Breinig?

Von der Stolberger Altstadt nach Breinig in zwölf Minuten, und das ohne die Straße zu nutzen? Das geht — zumindest an wenigen Tagen im Jahr. Denn dann verkehrt zwischen dem letzten regulären Haltepunkt der Euregiobahn, „Stolberg Altstadt“ und dem Stolberger Teilort ein Sonderverkehr. Doch aus Sicht der Schienennetz-Gesellschaft EVS und für Vertreter der Politik reicht der Sonderzug nach Breinig nicht: Sie wollen, dass die Züge regelmäßig verkehren.

Zu „Stolberg goes...“ und zur Stadtparty fahren die Bahnen beispielweise im Sonderverkehr. Auch im Advent zum Weihnachtsmarkt, in diesem Jahr sogar erstmals an allen vier Adventswochenenden.

Müsste im Falle einer stärkeren Frequentierung auf jeden Fall erneuert werden: Der Rüstbach-Viadukt, der zwischen den beiden Haltepunkten „Stolberg Altstadt“ und „Breinig“ liegt. Foto: S.-L. Gombert

„Unsere Sonderfahrten im Advent haben schon einen enormen Zuspruch erfahren“, erklärt Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der EVS, am Rande einer gemeinsamen Fahrt mit dem „Weihnachtsexpress“ mit Vertretern der Stadt Stolberg und des EVS-Beirats. Zwar habe man die Besucher nicht wirklich gezählt, weil es sich um Werbefahrten gehandelt habe. „Doch die Züge werden eigentlich immer gut genutzt.“ Auch am vierten Adventssonntag ist das der Fall. Viele Sitzplätze sind belegt. Und von dem Glühwein, den die Weihnachtselfen des Stolberger Vereins City Starlights im Zug ausschenken, ist schon am frühen Nachmittag nichts mehr da. „Viele sprechen uns an, warum wir nicht regelmäßig bis nach Breinig fahren“, sagt Fürpeil.

Regionale Unterstützung ist da

Daran könnte sich bald etwas ändern: „Der Nahverkehr Rheinland hat die Reaktivierung der Strecke in Richtung Eupen in seine Prioritätenliste aufgenommen“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Wirtz, der auch im Beirat der EVS sitzt. Für ihn heißt das: Die regionale Unterstützung für das Projekt ist da. „Und wir brauchen diese Strecke auch weiterhin, um den Lastverkehr beispielsweise zur Firma Schwermetall nicht über die Straße zu schicken“, erklärt Wirtz.

Der Christdemokrat ist nicht der einzige, der sich für den Ausbau der Strecke ausspricht: „In meinen Augen gewinnt das Schienennetz durch jeden weiteren Haltepunkt, den wir anfahren“, sagt Stefan Kämmerling, SPD-Landtagsabgeordneter und ebenfalls Mitglied im EVS-Beirat. Er sagt, dass eine Erweiterung der Strecke nach Breinig und darüber hinaus nicht nur lokale Vorteile bringe. „Es geht um Berufspendler, um Schüler und um Touristen. Je mehr Orte angefahren werden, desto größer ist die Summe der Leute, die wir mit unserem Angebot ansprechen“, lautet sein Credo.

Auf der Bahnstrecke von Stolberg nach Walheim gibt es aber — auch abgesehen von der Anpassung des Fahrplans der Euregiobahn — noch einiges zu tun. Ein wichtiger Knackpunkt ist dabei wohl der Rüstbach-Viadukt zwischen Stolberg-Altstadt und Breinig. Eine größer angelegte Sanierung des Mittelpfeilers nahm die EVS 2010 vor, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

Nur in Schrittgeschwindigkeit

Doch Züge, die derzeit hier entlangfahren, sind nicht besonders schnell: „Wir fahren hier maximal 10 Stundenkilometer“, sagt Thomas Fürpeil. Neben den Sonderzügen nach Breinig trifft das auch Güterzüge, die regelmäßig die Firma Schwermetall am Breiniger Berg anfahren.

Ein weiteres Zahnrad, dass in die Reaktivierung der Strecke greifen könnte, ist die geplante komplette Elektrifizierung der Strecke. „Die E-Loks sind natürlich den Dieselfahrzeugen gegenüber im Vorteil“, sagt Stefan Kämmerling. Sie seien sauberer — gerade in mittelgroßen Städten gebe es mittlerweile ernsthafte Schwierigkeiten durch Feinstaub.

Langfristiges Ziel, so erklärt Thomas Fürpeil, ist die Verbindung der beiden Bahnhöfe Stolberg und Eupen über Breinig, Walheim und Raeren. Doch das sei momentan noch Zukunftsmusik. „Da müsste vom NVR zunächst einmal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden“, sagt er. Wie teuer die Reaktivierung der alten Strecke dann insgesamt wäre, könne man nicht sagen. Vor zwei Jahren war jedoch aus Bahnkreisen zu hören, dass man mit mindestens 45 Millionen Euro rechnen müsse.

Auch aus Sicht der Stadt Stolberg wäre eine Reaktivierung ein echter Gewinn: „Wir sehen ja zu unseren großen Festen, dass die Leute die Bahn gerne nutzen“, sagt Stolbergs Bürgermeister Tim Grüttemeier. Auch er ist davon überzeugt, dass die Anzahl der Fahrgäste bei regelmäßigen Fahrten steigen würde. Wie regelmäßig, steht noch nicht fest: „Ob die Bahn aber im Halbstunden- oder im Stundentakt nach Breinig fahren wird, darüber müssen wir noch sprechen“, sagt Thomas Fürpeil.