Fabrik an Probsteistraße ohne genehmigte Nutzungen

Eigentümer sieht Komplott : Müll-Gelände „Feuerfeste Peters“ ohne gesicherte Erschließung

Obwohl vor über einer Woche die Umweltbehörden der Städteregion mehrere Ordnungsverfügungen erlassen haben, präsentiert sich das Gelände der „Feuerfeste Peters“ an der Atscher Probsteistraße unverändert als Anhäufung illegaler Abfallbeseitigungen.

Gegenüber unserer Zeitung signalisierte der Eigentümer der Immobilie, nicht handeln zu wollen. Stattdessen attackiert er die Stadtverwaltung.

Deutlich auf Distanz geht derweil die „L. & F. Peters GmbH Feuerfeste Erzeugnisse“ mit Sitz an der Eschweiler Karlstraße: „Wir haben schon lange nichts mehr mit der Immobilie am Stolberger Hauptbahnhof zu schaffen“, betont Geschäftsführer Fritz Peters. Mit der Insolvenz des Vorgängerunternehmens „P. Peters Fabrik Feuerfester Produkte GmbH“ im Jahr 1997 wurde die Produktion eingestellt.

Ein Jahr später übernahm die „K. Peters KG“ zwar das Knowhow und den Kundenstamm, konzentrierte sich seitdem ausschließlich auf den Handel mit Feuerfesten Produkten. Von dieser KG wiederum übernimmt 2007 die „L. & F. Peters GmbH Feuerfeste Erzeugnisse“ alle Rechte aus dem Kundenhandel, während sich die Kurt Peters KG auf Vermietung und Verpachtung der Stolberger Immobilie an der Probsteistraße beschränke, so Fritz Peters weiter. Heute sei er in dieser KG „nur Kommanditist mit kleiner Einlage“.

Im Jahr 2007 betreibt die Sparkasse die Zwangsversteigerung des historische Firmenensembles, verzichtet angesichts des begutachteten Wertes von 51.000 Euro letztlich darauf. Stattdessen steigt der KG-Komplementär Hubert Müller ein und ist seit 2014 alleiniger Eigentümer der rund 23 Hektar mit 19 Gebäudeteilen an der Probsteistraße. Über einen Breiniger Immobilienmakler lässt Müller das Gelände für 2,6 Millionen Euro ganz oder in Teilen zum Kauf anbieten.

„Ich wollte einen blühenden Gewerbepark aus der Fabrik machen“; sagt er zu unserer Zeitung. „Aber seitdem ich Eigentümer bin, bekomme ich nur Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das ist ein Komplott.“ Die Stadt Stolberg und ein Nachbar an der Probsteistraße würden unter einer Decke stecken. „Als die Sparkasse die Fabrik besaß, durfte die alles machen. Ich darf gar nichts“, so Müller weiter. Nun wolle man ihn dazu zwingen, sein Gelände unter Wert zu verkaufen.

Die weiße Ware und andere Abfälle seien bereits vor dem Eigentumsübergang auf dem Gelände gewesen. Nachdem der Geschäftsführer der aufgelösten Polarbär GmbH, die bereits 2003 wegen des Abfalls von Stadt und Städteregion belangt worden war, gestorben sei, hätten andere das Geschäft einfach weiter geführt, so Müller weiter. Er werde den Abfall nicht beseitigen. Im Gegenzug habe die Stadt immer wieder Bauanträge abgelehnt und ihn bei einer Nutzbarmachung des Areals behindert.

Bahn zwischen Fabrik und Straße

So erleben täglich Bahnreisende den Blick auf das Gelände der alten Fabrik. Foto: Jürgen Lange

Diesen Darstellungen widersprechen der Technische Beigeordnete Tobias Röhm und Bauordnungsamtsleiter Gerd Schön vehement. Das Problem habe mehrere Ursachen. Früher gehörte das gesamte Gelände entlang der heutigen Probsteistraße einmal der Deutschen Bahn. Vor vielen Jahren wurde die Straßenparzelle von der Stadt übernommen. Aber zwischen der Fahrbahn und der zerfallenden Produktionsstätte blieb ein Streifen im Eigentum der DB, der zur Jahrtausendwende mit den gesamten Nebenstrecken ins Eigentum der Stolberger EVS gewechselt ist.

Spätestens mit Inkrafttreten der  novellierten Bauordnung 1984 verlange diese eine gesicherte Erschließung von Anliegern – spätestens bei Vorhaben. Mit anderen Worten: Will Müller etwas auf dem Gelände der Feuerfesten Peters unternehmen, müsse er eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung nachweisen, dass er über das Bahngelände sein Grundstück erreichen darf.

„Das können wir als Stadt nicht erzwingen“, sagte Schön. Die Kurt Peters KG müsste sich darüber mit der EVS GmbH einigen. Die hat aber aus Sicht von Müller ein Auge auf sein Gelände geworfen und wolle sich nicht einigen.

Die Stadt Stolberg sieht sich aber ohne gesicherte Zuwegung zur Fabrik gesetzlich nicht in der Lage, einen Bauantrag positiv zu bescheiden. Einige Fälle beschäftigen bereits das Verwaltungsgericht.

Aber es kommt noch deutlicher: „Es gibt gar keine genehmigten Nutzungen auf dem Gelände“, betont der Leiter des Bauordnungsamtes. Mit einem zeitlichen Verzug ist nach der Insolvenz der „P. Peters Fabrik Feuerfester Produkte GmbH“ 1997 der Bestandsschutz ausgelaufen. Neue Nutzungen wurden nicht beantragt bzw. wären mangels gesicherter Erschließung  nicht genehmigungsfähig gewesen.

Dies gelte auch für das frühere „Zwischenlager“ der Polarbär GmbH und die heutigen Nutzungen. „Darüber hinaus gibt es „bestandskräftige Nutzungsuntersagungen“, betont Schön. Das Problem in diesem Falle sei es, ladungsfähige Anschriften der Betreiber zu erhalten, um verhängte Zwangsgelder durchsetzen zu können.

Gleichzeitig „sind wir als Stadt im Schulterschluss mit der Städteregion bemüht, die ordnungsgemäße Entsorgung der Abfälle zu erreichen“; unterstreicht Tobias Röhm. Die Städteregion hatte jüngst mehrere Ordnungsverfügungen mit unterschiedlichen Fristen, gegen die Rechtsmittel eingelegt werden können, gegen den Eigentümer der Immobilie verhängt.

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