1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberg-Vicht: Exponate voller Kraft und Ruhe

Stolberg-Vicht : Exponate voller Kraft und Ruhe

Die größtenteils jüngsten Aquarellbilder von Daniela Flörsheim und die neuesten Kupferskulpturen von Lothar Scheffler in einer gemeinsamen Ausstellung im Europäischen Kunsthof Vicht kennen zu lernen, ist nicht allein einem glücklichen und eher zufälligen Umstand zu verdanken.

Vielmehr passen die doch sehr unterschiedlich anmutenden Exponate gut zusammen, ja sie korrespondieren harmonisch miteinander, weisen Gemeinsamkeiten auf, insbesondere in der Intensität ihrer Aussage. Sie strahlen Kraft und Ruhe aus.

Fließende Wasserfarben

Bei ihrem Gestalten geht es der Malerin Daniela Flörsheim um die Mitte, aus der heraus sich das Bild entwickelt. Sie lässt dabei die Wasserfarben fließen und verbreiten, die sie aus einem Impuls heraus auf die Leinwand geschüttet hat. „Ich erlebe das Bild und beobachte die Farben, wie sie fließen und verschmelzen oder sich verdrängen”, schildert die Künstlerin ihren Malprozess, um damit „einen gewollten Zufall zuzulassen”.

So ergeben sich daraus zum Teil übergroße Blumenblüten in Rot, Pink und Gelb, blaue „Entfaltungen in der Tiefsee” oder im All, die dem Betrachter Ruhe und Kraft geben sollen. Ihre Bildthemen entstammen der unmittelbaren Begegnung mit intakter und auch zerstörter Natur, die sie auf ihren Reisen etwa nach Brasilien und Madagaskar erfahren hat. Und Daniela Flörsheim wäre keine Beuys-Meisterschülerin, würde sie ihre Kreativität, ihr künstlerisches Schaffen nicht gesellschafts- und umweltpolitisch einsetzen. Aber eben nicht schockierend, sondern einfühlsam und harmonisch, wie dies die weichen Formen in allen 24 Exponaten ausdrücken.

Kritische Botschaft

Auch Lothar Scheffler verkündet auf seine Weise mit seinen 17 Arbeiten eine gesellschaftspolitische Botschaft. Fordert er doch damit zur Besinnung auf die einfachen Dinge auf. Seine Figuren sind „biblisch”, aus der Tradition alter Darstellungen entnommen. Ob nun „Wanderer” oder „Philosoph”, „Bauer” oder „Koch”, ob „Jungfrau” oder „Betschwester”, „Pharao” oder „Indira”, jede ist nach dem gleichen Prinzip gestaltet: auf feingliedrigen bloßen Füßen stehend, in lang gestrecktem Gewand und gerader Haltung, mit ausdrucksstarken Gesichtern und symbolhafter Kopfbedeckung als Attribut. Alle sind aus Kupfer getrieben, zum einen sehr glatt, rund und detailliert ausgeformt, zum anderen schroffkantig und mit rauer Oberfläche.

Blattgold für den Pharao

Bei einigen Skulpturen hat der Künstler zur Betonung des Kopfschmuckes Massivsilber verarbeitet, beim Pharao sogar Blattgold. „Jede Figur ist in sich stimmig”, betont Lothar Scheffler, der in dem Muster eines immer wiederkehrenden Aufbaus seinen Stil gefunden hat: eine Rückführung und Besinnung auf einfache Gestaltungs- und Lebensformen in Skulpturen, die in einer von hektischer Betriebsamkeit geprägten Zeit Ruhe ausstrahlen sollen.