Stolberg: Europäischer Kunsthof sagt „Goodbye“

Stolberg: Europäischer Kunsthof sagt „Goodbye“

Die Galeristin Angelika Kühnen schließt zum Jahresende den Europäischen Kunsthof in Büsbach und bricht ihre Zelte in der Kupferstadt ab. „Ich brauche eine schöpferische Pause und möchte mich intensiv meiner eigenen Malerei widmen“, erklärt Kühnen, warum sie künftig keine Galerie mehr betreiben möchte.

Nachdem sie als Galeristin mehr als zwei Jahrzehnte lang von der Kupferstadt aus die Kunstszene in Deutschland wie auch international geprägt hat. „Schon meine Großeltern haben Kunst gesammelt“, erklärt Kühnen, warum es sie zur Malerei zog. Doch ihre Eltern hätten ihr eine Ausbildung für einen „soliden Beruf“ ans Herz gelegt.

Der Europäische Kunsthof in Büsbach mit zeitgenössischen Werken in sieben Räumen schließt am 18. Dezember endgültig seine Pforten. Foto: D. Müller

So wurde sie Goldschmiedemeisterin, widmete sich aber vor 32 Jahren dann doch ihrer Passion, der Malerei. Kühnen studierte an der Neuen Kunstschule Zürich bei Professor Wolfgang Oppermann Malerei und Kunstgeschichte. Und sie war als Gasthörerin an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo es zu einer besonderen „Begegnung der künstlerischen Art“ kam: Angelika Kühnen lernte vor 29 Jahren Hartmut „Hacki“ Ritzerfeld kennen, der im Begriff war, Meisterschüler von Joseph Beuys zu werden. Es entwickelte sich zunächst eine Malerfreundschaft, und Ritzerfeld begann in Kühnens Atelier zu arbeiten.

Damals noch im Breiniger Ahornweg, wo Kühnen bald eine erste Hausausstellung präsentierte. „Durch meine Freundschaft mit Hacki habe ich die Malerei vertieft. Aber sein Schaffen hat mich auch so immens beeinflusst, dass ich mich bald wieder künstlerisch davon lösen musste“, erinnert sich Kühnen.

Von der Malerfreundschaft blieb die Freundschaft, und Kühnen wurde Ritzerfelds Galeristin. Den ersten Kunsthof eröffnete sie dann unter dem Namen „Kunsthaus“ in den 1990er Jahren in Alt Breinig mit Unterstützung ihres Ehemannes Bernd Groten. „Im Haus haben wir Werke von Hacki und mir gezeigt, im Garten waren unter einem Zeltdach Exponate von armenischen Künstlern zu sehen.“

Eine gelungene Investition

Ein großer Schritt folgte im Herbst 1998, als Kühnen den Europäischen Kunsthof in Vicht eröffnete. „Das war ein Quantensprung. Die Ausstellungsfläche im Innern stieg damit von 80 auf 500 Quadratmeter an, hinzu kam ein ebenso großer Innenhof, in dem wir Skulpturen zeigen konnten“, blickt Groten zurück. „Wir sind quasi vom Wohnzimmer in eine professionelle Galerie gewechselt, vergleicht Kühnen. Die erste Ausstellung in Vicht sei eher leise vonstattengegangen — allerdings mit Werken der bedeutenden Künstler Gerhard Richter und Jörg Immendorf. Die offizielle Eröffnung des Europäischen Kunsthofs in Vicht im Dezember 1998 hallte hingegen wie ein Paukenschlag in der Kunstszene nach.

Anlässlich seines 85. Geburtstags waren Exponate von Professor Karl Otto Götz — einer lebenden Legende der abstrakten Kunst und der informellen Malerei — im Europäischen Kunsthof zu sehen. „Wir waren sehr engagiert, weil wir immer viel Freude an unserer Arbeit hatten. Dabei haben wir uns durchaus auch auf manches finanzielle Wagnis eingelassen“, beschreibt Kühnen. Das beste Beispiel für Letzteres sei die Russland-Tournee mit „Hacki“ Ritzerfeld. „Das war sehr kostspielig, aber letzten Endes eine sehr gute Investition, weil die Reputation von Hacki und dem Europäischen Kunsthof dadurch enorm gestiegen ist“, meint Kühnen heute.

Die Namen der Künstler, deren Werke die Galeristin in Stolberg gezeigt hat, geben ihr Recht: Pablo Picasso, Salvador Dali, Joseph Beuys, Günther Uecker und Felix Droese zählen dazu. „Und wir haben uns immer bemüht, auch junge, aufstrebende Künstler der Düsseldorfer Akademie zu fördern“, sagt Kühnen und verweist auf Beispiele wie Ophelia Greub und Felix Wunderlich. Der Reputation des Europäischen Kunsthofes hat es auch keinen Abbruch getan, dass Kühnen vor viereinhalb Jahren Vicht den Rücken kehrte, an die Hostetstraße in Büsbach und damit quasi „zurück ins Wohnzimmer“ ging.

Wobei es sich tatsächlich um mehrere Zimmer handelt, denn nach dem eher musealen Charakter in Vicht weist der Kunsthof in Büsbach zwar mit privater Atmosphäre in einem historischen Bruchsteinhaus viel Charme auf, bietet aber in sieben Räumen und 230 der insgesamt 300 Quadratmeter Wohnfläche genügend Platz, um eine Fülle von Werken zeitgenössischer Kunst zu präsentieren, die noch bis Sonntag, 18. Dezember, erkundet werden kann.

Umzug nach Rott

Danach wird aus der Galeristin die Malerin Angelika Kühnen, die sich in Rott in der Gemeinde Roetgen niederlässt. In einem Haus mit zwei Maler-Ateliers — eins für sie selbst, eins für „Hacki“ Ritzerfeld, der bald öfter von Büsbach in die Eifel pendeln wird.

Ritzerfelds Bilder werden aber in der Region und darüber hinaus präsent bleiben, denn Bernd Groten plant bereits mehrere Ausstellungen mit Ritzerfeld-Bildern.

Auch in Stolberg: Für das kommende Jahr ist eine Schau als 2017er Auftakt der städtischen Kunstausstellungsreihe „Artibus“ avisiert, bei der unter dem Motto „Künstlerpaare“ auch Werke von „Hacki“ gezeigt werden sollen. Wer mit Ritzerfeld ein Künstlerpaar bilden wird, ist noch offen — vielleicht wird es „Hackis“ Studienfreundin Daniela Flörsheim sein, vielleicht aber auch die Malerin Angelika Kühnen.