Projektwoche der Grundschule Gressenich: Europa verstehen mit Haut und Haar

Projektwoche der Grundschule Gressenich : Europa verstehen mit Haut und Haar

Zwar dürfen Paul, Fiete, Clara, Louisa, Timm und ihre Klassenkameraden noch nicht wählen, aber wenn es um Europa geht, sind die Viertklässler der Grundschule Gressenich fit. Andrey weiß sogar sofort, wie viele Abgeordnete im Europaparlament sitzen: „751“, verkündet er stolz.

In einer Projektwoche haben sich die 180 Schüler der Grundschule in intensiv mit Europa beschäftigt und viel gelernt.

„Zu Beginn war nur ein Europatag geplant“, berichtet Schulleiterin Petra Bleimann, „aber dann ist ein Zettel vom Ministerium für Bundes und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes NRW ins Haus geflattert.“ Einen Wettbewerb zur Europawoche 2019 hatte das Land ausgeschrieben. Bleimann und ihre Kollegen erarbeiteten daraufhin einen neuen Plan und aus dem Projekttag wurde eine Europawoche. Damit sicherte sich die Schule auch die Förderung durch das Land.

„Wir wollen den Kindern das Thema Europa spielerisch mit Haut und Haaren beibringen. Die Kinder sollen Europa begreifen. Wir wollen, dass sie verstehen, dass Europa Normalität ist“, erläutert Bleimann. Dazu gehören die offenen Grenzen, aber auch die Option, später einmal im Ausland leben und arbeiten zu können.

Für alle Klassen gab es altersgerechte Materialien: Die ersten und zweiten Klassen gingen mit dem Hasen Felix, der populären, Briefe schreibenden Kinderbuchfigur, auf eine Reise in verschiedene europäische Länder. Für die dritte und vierte Klassen gab es dann schon richtige Arbeitsmappen.

Neben Europa als vielseitigem Kontinent beschäftigten sich die Schüler der vierten Klasse auch schon mit der Europäischen Union und konnten bei einem Ausflug zum Dreiländer-Eck den SPD-Europaabgeordneten Arndt Kohn mit Fragen löchern.

Einfach über die Grenze

Der Ausflug dürfte den Kindern im Gedächtnis bleiben. „Es ist nur ein Katzensprung“, sagt Andrey auf die Frage, wie weit sie springen mussten, um am Dreiländerpunkt von Deutschland in die Niederlande zu kommen. Den Kindern ist auch durchaus schon bewusst, welchen großen Vorteil Europa im Grenzgebiet hat: „Es gibt keine Grenzkontrollen mehr“, erklärt Tom, „man kann einfach über die Grenze fahren.“ „Es interessiert keinen, was man dort möchte“, ergänzt Andrey.

Auch über den Brexit wissen die Schülerinnen und Schüler Bescheid: „In der Zeitung steht, dass die die EU verlassen wollen“, erklärt Nico. Und er erinnert sich auch daran, dass Arndt Kohn das nicht so gut gefällt. Elias hält eine der großen Errungenschaften fest: „Man möchte, dass es Frieden zwischen den Ländern gibt.“

Abgeschlossen wurde die Projektwoche am Freitag mit einem großen Schulfest. Es gab Leckereien aus verschiedenen europäischen Ländern, die die Kinder gekocht und gebacken hatten sowie allerlei Selbstgebasteltes. Auch der Europachor hatte einen Auftritt und gemeinsam sangen die Schüler die Europahymne.

Für Bleimann ist wichtig, dass die Kinder das Erlernte auch nach Hause bringen. „Wir sprechen mit den Kindern auch über die Europawahl“, erklärt Bleimann. Im Anschluss an den Schultag könnten Schüler könnten das Thema auch zu Hause ansprechen und vielleicht noch ein paar Eltern dazu bringen, zur Wahl zu gehen.

Europa spielt auch in den weiterführenden Schulen eine wichtige Rolle und ist essentieller Bestandteil des Politikunterrichts. Alexander Mischlewitz und Dennis Fischer, beide Politiklehrer am Ritzefeld-Gymnasium, sagen: „Es wird generell großen Wert auf die Vermittlung europäischer Politik bzw. auf die Kenntnisse über die EU gelegt.“

Dazu nutzt die Schule auch eine Vielzahl von außerschulischen Veranstaltungen: Dreitägige Fahrten nach Straßburg inklusive eines Besuchs der EU-Institutionen, Brüssel-Besuche mit Diskussionen mit Abgeordneten des Europaparlaments oder Diskussionen an der eigenen Schule, geben den Schülern die Möglichkeit, sich auch außerhalb des Unterrichts mit dem Thema Europa zu beschäftigen.

Anstieg des Interesses

Für die Schüler sind die Errungenschaften am prägnantesten, die sich direkt in ihrem Alltag auswirken, zum Beispiel das problemlose Einkaufen in den Niederlanden oder in Belgien. „Die meisten Schüler nehmen die EU und ihre Errungenschaften als selbstverständlich wahr“, berichten die Lehrer. Auch sei aus ihrer Sicht ein Anstieg des politischen Interesses zu bemerken. Besonders engagiert sind die Schüler bei Themen, die sie betreffen, beispielsweise die „Friday-for-Future“-Bewegung für besseren Klimaschutz, aber auch die im EU-Parlament heftig diskutierte Reform des Urheberrechts. Diese Diskussionen hätten dazu beigetragen, dass die Schüler „ihre Positionen aktiv innerhalb und auch außerhalb des Unterrichts vertreten.“

„Es wäre aus Sicht eines Politiklehrers sehr wünschenswert, wenn generell mehr Politikunterricht in der Schule unterrichtet würde“, sagen Mischlewitz und Fischer. Dadurch könnte sich der Stellenwert des Faches verbessern und die Schüler würden dem Fach eine höhere Wertigkeit entgegenbringen.

Derzeit bewegt sich der Politikunterricht allerdings wieder in Richtung Wirtschaft. Aktuell heißt das Fach „Politik(-Wirtschaft)“, im neuen G8-Lehrplan soll es wieder „Wirtschaft(-Politik)“ sein. Dies sei wohl auch darauf zurückzuführen, dass in der Schülerschaft verstärkt der Wunsch bestünde, zum Beispiel mehr über das deutsche Steuersystem zu erfahren, um besser auf das Leben nach der Schule vorbereitet zu sein.

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