Euregiobahn fährt auf Schwellen aus den Anfängen des 20.Jahrhunderts

Reaktivierung nach Breinig : Weiter auf Schwellen aus der Kaiserzeit

Krupp, Hoesch & Co. grüßen in Breinig den Wanderer auf den Gleisen. Noch immer, aber nicht mehr lange. Anfang des 20. Jahrhunderts lieferten die deutschen Giganten der Eisenindustrie die Stahlschwellen für den Stolberger Abzweig der Vennbahn.

Stolz prangen Herkunft und Jahreszahl im rostigen Stahl.

Noch eine Zeit lang werden sich Historiker und Eisenbahnromantiker an dem Anblick erfreuen oder über die Angaben rätseln können: Bereits am 21. Dezember 1889 wurde die Strecke nach Breinig in Betrieb genommen, 1907 folgte das zweite Gleis. Aber wann wurden die Stahlschwellen mit Jahreszahlen auch aus den 1920er Zeiten in Breinig gelegt?

„Im Rahmen der Förderung“

Hoesch 1910: Betagt sind die Stahlschwellen unterschiedlicher Hersteller, auf denen im Dezember die Euregiobahn den Regelbetrieb aufnehmen soll. Foto: Jürgen Lange

In jedem Fall haben sie ihre Schuldigkeit noch nicht getan, wenn  Anfang März die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) mit der Befahrbarmachung der Gleise zwischen Altstadt und Breinig beginnt. Gegen zeitgemäße Betonschwellen werden die stählernen Vorgänger nicht ausgetauscht. Noch nicht. „Das werden wir irgendwann nachholen“; sagt Thomas Fürpeil. „Wir können jetzt nur das umsetzen, was im Rahmen der Förderung möglich ist.“ 5,025 Millionen Euro investiert die EVS in die Befahrbarmachung der Gleise auf den fünf Kilometern zwischen Altstadt und Breinig. Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) hat einen Zuschuss über 3,2 Millionen Euro zugesagt.  Bei der Bezuschussung wird ein Abschlag von 20 Prozent aufgrund der Nutzung für Güterverkehr berücksichtigt. Derzeit wird die Strecke bis zum Umschlagspunkt in der Rüst für Schwermetalltransporte genutzt.

 Nur punktuell werden in den kommenden Monaten Gleise, Schwellen und Gleisbett saniert. Deshalb spricht die EVS auch immer nur bescheiden von „Befahrbarmachung“. Im Vorgriff auf dieses und das nächste Ereignis hatte der Infrastrukturbetreiber bereits im Frühjahr 2014 drei Bahnübergänge neu gebaut: „Im Steg“ und „Auf der Heide“ vor dem sowie Stockemer Straße hinter dem Breiniger Bahnhof in Richtung Wahlheim.

Die Befahrbarmachung konzentriert sich vor allem auf den Knackpunkt der Strecke: das nach dem Krieg nur notdürftig instandgesetzte und mehrfach ausgebesserte Rüstbach-Viadukt, das nur mit 10 km/h befahren werden darf. Mit dem Abriss und Neubau beginnt die Reaktivierung der Strecke im März. Später werden Gleisbett, Schwellen und Schienenstrang punktuell erneuert – und zwei neue Haltepunte gebaut. Einer an der Schützheide am Bahnübergang im Steg, ein zweiter im Breiniger Bahnhof. Der soll um die Jahrhundertwende mindestens über ein Ladegleis und ein Ausweichgleis, Stellwerk und Wartehalle sowie einen Anschluss an die Straßenbahn und per Feldbahn an die Grube Cornelia verfügt haben.

Heute ist das Bahnhofsgebäude privatisiert, und lediglich ein provisorischer Bahnsteig aus Schotter hilft beim Ein- und Aussteigen, wenn die Euregiobahn gelegentlich hält. Was bei Sonderfahrten machbar ist, ist für einen Regelbetrieb der Regionalbahn bei weitem nicht ausreichend.

Aber einfach so ohne weiteres neue barrierefreie Bahnsteig auf eigenem Grund darf auch die EVS nicht bauen. Dazu erforderlich ist ein „Plangenehmigungsverfahren nach § 18 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes“, das bei der Bezirksregierung anhängig ist. Doch selbst diese Bestimmungen sind nicht die einzigen, die dabei zu beachten sind. Das zeigt die Anhörung der Stadt Stolberg dazu, mit der sich der Ausschuss für Stadtentwicklung auf seiner Sitzung am Mittwoch beschäftigt. Stellungnahmen unterschiedlicher Ämter befassen sich selbst mit kleinsten Details.

Bereits der Naturschutzbeirat der Städteregion hatte sich mit der Frage beschäftigt, weil 40 Quadratmeter des Bahnsteiges neben dem Gleis im Steg in einen Zipfel des Naturschutzgebietes am Wingertsberg herreinragen.

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