Euregio-Railport: Schlüsselprojekt für Strukturwandel

Euregio-Railport : Schlüsselprojekt für den Strukturwandel

„Von heute an liegt Stolberg am Meer“: Das sagte vor keinen zwei Monaten Paul Ham. Er ist der Chef der Unternehmensentwicklung der Hutchinson Ports ECT – der größte Umschlagsunternehmer im Rotterdamer Hafen.

Und das Logistikunternehmen setzt fortan auf Stolberg als Hinterlandterminal des Nordseehafens. Euregio-Railport nennt sich das Projekt, das im Umfeld des Stolberger Hauptbahnhofes  mit wertschöpfender Logistik möglichst viele Arbeitsplätze schaffen soll. Im September hat die Stolberger EVS mit Partnern aus der Logistikbranche bei einem ersten Probelauf demonstriert, dass der Stolberger Hauptbahnhof für den Umschlag von Seecontainern geeignet ist  – neben dem Umschlag diverser anderer Güter von Holz und Dünger über Schotter bis hin zu Metallbrammen in einem Umfang von mehr als 1,5 Millionen Tonnen im Jahr mit steigender Tendenz.

Neue Arbeitsplätze schaffen

Gleichzeitig ist der Euregio-Railport eines der Projekte, die Arbeitsplätze schaffen sollen vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Rheinischen Revier. 2030 betrifft die Abschaltung des Kraftwerks Weisweiler auch zahlreiche Arbeitsplätze von zuliefernden Betrieben in der ganzen Region. Unter dem Slogan „Industriedrehkreuz Weisweiler“ werden dort die Flächenpotenziale zur Ansiedlung neuer Arbeitgeber untersucht. Auch in Eschweiler sind mit der Standortentscheidung der Partner Hammer Logistik und QCS Computer sowie der avisierten Betriebserweiterung des Kosmetikproduzenten Babor erste Eckpfeiler gesetzt.

Die Potenzialflächen in Stolberg für den Euregio-Railport. Foto: Stadt Stolberg/Stadt Stolbergf

Wie der Weg in die Zukunft gegangen werden kann, wie die mit dem Ende der Braunkohleverstromung verbundenen strukturpolitischen Folgen aufgefangen werden können, auf diese Fragen soll eine Machbarkeitsstudie möglichst umfassende Antworten geben und einen abgestimmten Entwicklungsprozess begleiten. Heute soll das Konzept vorgestellt werden, das federführend die NRW.Urban mit Landesförderung im Auftrag der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, den Kommunen Eschweiler, Stolberg, Inden, Städteregion und Kreis Düren, der Indeland Entwicklungsgesellschaft, der  RWE Power, der Euregio und der IHK Aachen erarbeitet hat. Dabei wurde in einem dreistufigen Werkstattverfahren mit Experten, Hochschulen und der Beteiligten aus der Region die Studie als Start eines langfristig angelegten Entwicklungsprozesses entwickelt.

Bereits erste Zwischenberichte in den kommunalen Gremien ließen Aufhorchen. So können im Umfeld des Stolberger Hauptbahnhofes mehr als 40 Hektar in vier Teilflächen kurz- bis mittelfristig für den Ausbau des Euregio-Railports genutzt werden.

Hauptbahnhof mit Potenzial

Das Potenzial der Häfen gilt als erschöpft, während das Verkehrsaufkommen zum Transport der Waren ins Binnenland sich innerhalb von fünf Jahren verdoppeln werde. Stolberg mit der Lage an der Schienentrasse zwischen Nordsee und Rhein sowie dem Potenzial seines Güterbahnhofes – mit 35 Gleisen und Abstellanlagen mit einer Gesamtlänge von rund 14 Kilometern – biete sich geradezu an als Platz für Umschlag, Konfektionierung und Veredelung der Güter.

Dazu will Paul Ham ebenso in Stolberg investieren wie Ralph Kaußen von der Offergeld Logistik „mit im Boot“ ist. „Wir fangen morgen an“, hatte bei der Präsentation EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil zum Start des Euregio-Railports formuliert. Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit beim Transport, Impulse für den Strukturwandel in der Region sind Argumente, die den Stolberger Infrastrukturanbieter für den Transport von Menschen und Gütern auf der Schiene als einer der Motoren des Projektes antreibt. Vor fünf Jahren hatte Tim Grüttemeier es auf die politische Agenda gehoben. Seitdem ist auf diesem schwierigen Feld der Strukturpolitik zwar vieles in Bewegung geraten, aber die großen Herausforderungen, die Machbarkeitsstudie auch in die Realität umzusetzen, liegen noch vor den Akteuren.

In Weisweiler gelten laut ersten Berichten mindestens 50 Hektar kurz- und 85 Hektar mittelfristig als nutzbar. Als Zukunftsversion ist in Weisweiler mit 795 Hektar das Flächenangebot so groß, dass selbst größere Handels- und Freizeitnutzungen eine Industrie- und Logistikansiedlung sowie Forschungsoutsourcing nicht stören würden. Wobei die Konversion der eigentlichen Kraftwerksfläche erst ab 2030 erfolgen kann, wobei RWE über ein alternatives Kraftwerk zur Stromerzeugung nachdenke.

Zur Ansiedlung neuer Unternehmen ebenso wie für den Ausbau des Euregio-Railports muss in Eschweiler und Stolberg letztlich in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden. Das gilt ebenso für einen Ausbau des Anschlusses an die Autobahn 4 bei Eschweiler West wie für den dritten Bauabschnitt der L 238 nach Stolberg hin. Das seit sieben Jahren in den Schubladen ruhende Projekt wird 2019 weiter geplant. Das kündigte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) ebenfalls bei der Euregio-Railport-Präsentation an. Bis dahin gelte es, die vorliegenden, aber veralteten Gutachten zu prüfen und zu klären, ob ein veränderter Trassenverlauf geprüft werden müsse. Mittlerweile sind bereits Verkehrszählungen im Bereich Steinfurt angelaufen.

Wüst ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass an einem dritten Bauabschnitt einer Landesstraße ein für das Land so wichtiges Projekt wie der Euregio-Railport nicht scheitern dürfe.

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