EU-Kommission untersagt Wieland-Übernahme von Aurubis und Schwermetall in Stolberg

Wieland-Deal geplatzt : EU-Kommission untersagt Übernahme von Aurubis und Schwermetall

Als die EU-Kommission in der vergangenen Woche die Fusion der Eisenbahnsparten von Siemens und Alstom stoppt, geht im internationalen Mediengewitter eine weitere Entscheidung in Brüssel fast unter.

Die Wettbewerbshüter untersagen ebenfalls der Wieland Werke AG die geplante Übernahme der Walzproduktsparte der Hamburger Aurubis AG inklusive des 50-prozentigen Anteils an dem Gemeinschaftsunternehmen Schwermetall am Breinigerberg.

Brüssel hatte ernste Bedenken, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb verringern und die Preise für die von europäischen Herstellern genutzten Kupferwalzprodukten nach oben treiben würde.

„Zunächst weiter wie bisher“

„Der geplante Zusammenschluss hätte zur Entstehung eines neuen marktberrschenden Unternehmens geführt, mit der Folge von deutlich weniger Wettbewerb bei Kupferwalzprodukten und höheren Preisen für die verarbeitende Industrie in Europa“, sagt Margarethe Vestager. Die EU-Wettbewerbskommissarin verweist darauf, dass Kupferwalzprodukte für viele Industriezweige in Europa ein wichtiges Vorprodukt sind. Betroffen sei die Spitzentechnologie in Elektroautos, Zügen und elektrischen Geräten. Immerhin stammen mehr als 60 Prozent der in Europa verkauften Vorwalzbänder aus der Produktion von Schwermetall in Stolberg.

Im Mai 2017 interessierte sich eine koreanische Delegation für das Stolberger Aurubis-Werk. Der Konzern stellt seine Walzproduktsparte weiterhin zur Disposition. Foto: Jürgen Lange

Eine eingehende Prüfung der geplanten Übernahme sei dem Beschluss der Kommission vorausgegangen. Dabei äußerten zahlreiche europäische „Industriekunden  starke und begründete Bedenken in Bezug auf die erheblichen negativen Auswirkungen eines Zusammenschlusses“, so die Kommission. Demnach befürchteten sie Probleme beim Zugang zu Vorwalzbändern von Schwermetall auf dem  vorgelagerten Markt und Preiserhöhungen bei Walzprodukten auf dem nachgelagerten Markt. „Die von der Kommission vorgenommene Prüfung interner Unterlagen der beteiligten Unternehmen bestätigte, dass diese Bedenken gerechtfertigt waren“, sagt Brüssel. Aber bereit gewesen, „den wettbewerbsrechtlichen Bedenken umfassend Rechnung zu tragen. „Deshalb wurde die angemeldete Übernahme untersagt“, so Vestager.

Denn bei Kupferwalzprodukten nach einem Zusammenschluss hätte Wieland über einen Marktanteil von über 50 Prozent verfügt. Es hätte mit der KME – sie durfte im Dezember die Mansfelder Kupfer und Messing GmbH übernehmen – nur noch einen anderen großen Marktteilnehmer im europäischen Wirtschaftsraum gegeben, der dort einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent aufweisen kann. Es wäre der Preiswettbewerb zwischen den beiden großen Herstellern ausgeschaltet worden, während europäische Kunden sind nicht auf außerhalb ansässige Anbieter hätten stützen können.

Bei Vorwalzbändern sei Schwermetall derzeit von seinen Muttergesellschaften Wieland und Aurubis unabhängig, was den Verkauf an Dritte betreffe. Nach einer Fusion hätte diese Unabhängigkeit nicht mehr bestanden. Mit der Übernahme der Schwermetallanteile von Aurubis hätte Wieland die Materialkosten für kleinerer Wettbewerber nach oben treiben können, da diese einen erheblichen Teil ihrer Kupfervorwalzbänder von Schwermetall beziehen müssen, da es keine geeigneten anderen Anbieter gebe.

Von den beteiligten Unternehmen vorgeschlagene Abhilfemaßnahmen hatten die Bedenken der EU-Kommission nicht ausräumen können. So sei Wieland zwar bereit gewesen, die beiden Aurubis-Werke in Stolberg und Zutphen wieder zu verkaufen, nicht aber den 50-prozentigen Anteil von Aurubis an Schwermetall. Das Halbzeugwerk am Breinigerberg ist offensichtlich die Perle des geplatzten Deals. Denn ohne die preisgünstigen und hochwertigen Vorwalzbänder von Schwermetall wären die beiden Aurubis-Werke nicht mehr in der Lage gewesen, den vor einem Zusammenschluss bestehenden Wettbewerbsdruck wiederherzustellen.

Ohne den von der EU untersagten Zusammenschluss bleibt in Stolberg „erst einmal alles so, wie es ist“: Das sagen übereinstimmend Dirk Harten und Dr. Jürgen Jestrabek als Geschäftsführer von Schwermetall und Aurubis in Stolberg wie Martin Peters als Erster Bevollmächtigter der IG Metall. Durch das EU-Verbot der Übernahme ändert sich nichts für die Werke und nichts für die Beschäftigten.

Vorerst zumindest. Denn in der Hamburger Aurubis-Zentrale steht die Walzproduktsparte weiter zur Disposition. „Auch wenn uns die Entscheidung der Kommission nicht überrascht, bedauern wir diese“, kommentiert Jürgen Schachler. Der Vorstandsvorsitzende der Aurubis AG bekennt freimütig, nun intensiv weitere strategische Optionen zu prüfen.

Bereits im Oktober, als die EU-Kommission erste Bedenken zum Zusammenschluss angemeldet hatte, „haben wir aus der kaufmännischen Sorgfaltspflicht heraus“, so Konzernsprecherin Angela Seidler, strategische Alternativen erarbeitet für den – nun eingetretenen – Fall, dass der Verkauf der Unternehmenssparte nicht realisiert werden könne. Diese Optionen würden nun konkretisiert. Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat strategische Empfehlungen vorlegen, so Seidler weiter. Details stünden aber noch nicht fest.

„Nach wie vor ist es unser vorrangiges Ziel, für dieses Segment eine Perspektive zu finden, in der sich das Geschäft langfristig gut entwickeln kann“, so Jürgen Schachler. Innerhalb der Aurubis-Gruppe durchlaufe die Walzproduktsparte seit den vergangenen Jahren ein intensives Programm zur Effizienzsteigerung, das sehr gute Erfolge zeige. „Unabhängig von den möglichen strategischen Optionen werden wir das Programm unverändert und mit derselben Intensität wie bisher fortsetzen“, betont der Vorstandsvorsitzende.

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