Stolberg: „Es ist ein Wunder, hier zu stehen”

Stolberg: „Es ist ein Wunder, hier zu stehen”

Wenn heute Nachmittag der Budenzauber auf dem Kaiserplatz los geht, dann wird auch Andreas Strerath wieder mit von der Partie sein. Der Schausteller und sein Kinderkarussell kommen schon seit so vielen Jahren zu den Stolberger Weihnachtstagen, dass sie aus der weihnachtlichen Kupferstadt kaum noch wegzudenken sind.

Doch dass Andreas Strerath und sein Team auch in diesem Jahr in Stolberg sein können, „das grenzt an ein Wunder”, sagt er. Brandstifter hätten im Frühjahr beinahe seine Existenz zerstört.

In der Nacht zum 3. Mai setzten unbekannte Feuerteufel während einer Kirmes in Neu-Garzweiler die Pfeilbude der Schaustellerfamilie Strerath in Brand. Die Flammen schlugen auch auf den Nachbarwagen der Pfeilbude über, in dem sich das noch nicht zusammengebaute Karussell von Andreas Strerath befand. Während das Karussell brannte, lag Strerath in seinem Heimatort Jüchen nichts ahnend im Bett und schlief. „Morgens um halb sechs rief dann die Polizei an. Und mit dieser Nachricht standen wir von einer Minute auf die andere vor den Trümmern unserer Existenz. Gleich zwei Geschäfte waren ja zerstört”, sagt er. Bekanntlich kommt ja gerade dann, wenn man kein Glück hat, auch noch Pech hinzu. Und so bekam der Schausteller bald die nächste Hiobsbotschaft.

„Fünf der Karussellfahrzeuge waren völlig verbrannt. Und fast jedes Teil am Karussell war verrußt. Der Schaden war 26 000 Euro hoch. Aber wir waren nicht ausreichend versichert”, so der 62-Jährige.

Für einen Teil des Schadens kam die Versicherung auf. „Doch mit diesem Geld konnten wir gerade so die Materialkosten bezahlen”, erinnert er sich.

Ein Glück für die Familie, dass Schausteller untereinander zusammenhalten. „Wir haben Hilfe von allen Seiten bekommen. Die Kollegen - darunter auch ein Kollege, der jedes Jahr mit mir am Stolberger Weihnachtsmarkt steht - haben mit angepackt, um das Karussell wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.”

Gemeinsam griff man zuerst zu Schwamm und Eimer, später zu Pinsel und Farbe. Ein Schausteller verkaufte Strerath Fahrzeuge eines alten, ausgeschlachteten Karussells zu einem günstigen Preis. „Die Fahrzeugen sind richtig schön. Etwa 30 Jahre alt, sind sie schon fast historisch”, sagt er stolz.

Mehr als drei Wochen und rund 1000 Arbeitsstunden später, konnte das Karussell mit seinem neuen Krankenwagen, der Stapler der Miniatur-Lastwagen und dem Mondtaxi wieder seine Runden drehen. „Dass ich dieses Jahr hier stehen kann, ja, das ist schon ein kleines Wunder”, sagt Strerath noch einmal.

Und seine Geschichte beweist, nicht nur zu Weihnachten helfen die Menschen sich gegenseitig. Sie machen es das ganze Jahr.

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