Aachen/Stolberg: Es begann mit einer Liebes-SMS: Blutige Messerattacke vor Gericht

Aachen/Stolberg: Es begann mit einer Liebes-SMS: Blutige Messerattacke vor Gericht

Er habe seinen Nebenbuhler doch „nur erschrecken“, „nur bedrohen wollen“: Das sagte am Montag Leo K. vor einer Großen Jugendkammer des Aachener Landgerichts. Allerdings hatte es der 19-jährige Auszubildende aus Stolberg nicht beim Drohen mit einem Messer bewenden lassen.

Er rammte am 10\. Juli gegen 22\.50 Uhr in Breinig dem Freund seiner unerwiderten Liebe Svenja S. (20 Jahre, Name geändert, d. Red.) sein Messer in die Seite, als dieser vor seiner eigenen Wohnung aus dem Auto stieg. Seine Freundin wartete währendessen oben im Haus - sie wollte mit ihrem Partner noch zu Abend essen.

Daraus wurde nichts. Der junge Mann fiel zu Boden, wie er in der Zeugenvernehmung dem Vorsitzenden Richter Roland Klösgen schilderte. Der 20-Jährige gab an, vorher noch nie ein Wort mit dem nächtlichen Angreifer gesprochen zu haben. Jetzt sei es um sein Leben gegangen - er habe Todesangst gehabt, sagte der Metallbauer am Montag. Denn der eifersüchtige Angreifer ließ nach dem ersten Zustoßen nicht ab, sondern rammte seinem Opfer das Messer laut Anklage vier Mal in den Rücken und in die Brust.

Dann habe er sich aufrappeln und fliehen können, beschrieb der Angegriffene das blutige Geschehen. Er schaffte es sogar noch, bei seiner Flucht über einen nahen Sportplatz den Verfolger abzuhängen und sich dann mit einem auf dem Boden liegenden Holzstock zu bewaffnen. Da habe Leo K. eingehalten und gemurmelt „lass uns reden“.

Doch das Opfer hatte Angst, floh weiter und schrie nahe seines Hauses laut um Hilfe. Seine Freundin hatte in der Küche das Fenster geöffnet und hörte ihn rufen. Das war die Rettung. Der 20-Jährige wurde von alarmierten Sanitätern zu einer Notoperation ins Krankenhaus gebracht, berichtete er der Kammer.

Das Gericht hatte zuvor das stockende Geständnis des gerade noch 19-jährigen Angeklagten entgegengenommen. Leo K. hatte sich bereits im Jahr 2012 auf seiner Schule in einem Oberstufenkurs in seine Nachbarin verliebt. Er schickte ihr eine Liebes-SMS. Da nahm das Schul-Drama nahm seinen Lauf. Die junge Frau wollte nichts von dem Schülerkumpel wissen, erzählte aber ihrer Freundin vom der erglühten Leidenschaft des Angeklagten.

Der sah sich dann des öfteren Hänseleien seiner Kameraden auf der Schule ausgesetzt. Selbst in der Schülerzeitung zum Abi-Ball im Jahr 2014 habe es Andeutungen auf seine unerfüllte Liebe gegeben. Und in der Tat brodelte es über Jahre in der Seele des 19-Jährigen, der Svenja S. in einem Facebook-Chat sogar androhte, er werde ihren Freund „alle machen“ und, wenn nötig, auch jahrelang auf sie warten.

In seiner Aussage gestand K. zwar die Tat an sich, blieb aber dabei, er habe den Freund seiner Wunschfrau bedrohen und nicht töten wollen. Richter Roland Klösgen viel es sichtlich schwer, dieser Einlassung des jungen Mannes zu folgen. „Was wollten Sie denn damit erreichen?“, versuchte er mehr zu erfahren.

Doch das konnte der Angeklagte, der bereits ein Semester Chemie-Studium hinter sich hatte, ehe er es abbrach, nicht möglich zu erklären. Der Stolberger schilderte, wie er im vergangenen Jahr von seiner unerwiderten Liebe regelrecht aufgefressen wurde. Am Ende sei er nicht mehr mit seinem Leben klar gekommen.

Zuerst hatte eine Anklage wegen versuchten Totschlags gegen den Arztsohn im Raum gestanden. Da Leo K. jedoch am Ende von seinem Tötungsversuch „strafbefreiend zurücktrat“, wie es juristisch heißt, ist er jetzt „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sollte das Gericht allerdings bei der Beweisaufnahme die ersten Einschätzungen ändern, wäre dennoch eine Verurteilung wegen eines versuchten Tötungsdeliktes möglich.

Der Prozess wird am 16\. November fortgesetzt.

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