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Stolberg: Erfolgreiche Suche nach neuen Klangfarben

Stolberg : Erfolgreiche Suche nach neuen Klangfarben

Die Suche nach neuen Klangfarben und Klangkompositionen mit anderen Instrumenten auszukosten, ist seit vielen Jahren das Anliegen des Grenzlandzupforchesters unter Leitung von Theo Hüsgen.

Bei seinem diesjährigen Gastspiel in Stolberg anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums wurden erneut Werke des Barocks und der Frühklassik sowie zeitgenössischer Komponisten zur Aufführung gebracht. Als Gast wirkte die Aachener Klarinettensolistin Mareike Herrmann mit.

Den Anfang machte Hermann Ambrosius „Suite Nr. 6”, dessen Tonsprache dem spätromantischen Spiel zuzuordnen ist.

Das 20-köpfige Ensemble wusste ganz im Sinne von Ambrosius in Präludium, Menuett, Sarabande, Gavotte und Badinerie das vorwiegend angewandte Tremolospiel der klassischen Abschlagtechnik gegenüberzustellen. Aus einer Sammlung von sechs Quartetten folgte ein Allegro, in dem die Spielerinnen und Spieler sich durch schwieriges Lagenspiel, das sie einwandfrei beherrschen, auszeichneten. Ausdrucksstark, einfallsreich und geschickt orchestriert war die „Rhapsodie Norvegienne” von Edouard Lalo, dessen Prestosatz Theo Hüsgen für das Zupforchester bearbeitet hatte. Starke rhythmische Passagen wechselten mit weichen, lyrischen Elementen und vermittelten ein farb- und nuancenreiches Beispiel des galanten Musizierstils jener Zeit.

Fast alle Gattungen

Im Schaffen von Kurt Schwaen sind fast alle Gattungen der Vokal- und Instrumentalmusik vertreten. Seine Abendmusik - vier Canzonis in der Bedeutung Lieder ohne Worte -, die er 1949 für die Leipziger Lautengilde schrieb, kamen dem Charakter der Zupfinstrumente besonders entgegen.

Das Zusammenspiel mit der Klarinettistin im wirkungsvollen dreisätzigen „Konzert B-Dur” von Carl Stamitz in der Bearbeitung von Marga Wilden-Hüsgen zeugte von großer Musikalität. Die Gegenüberstellung der gehaltenen Klarinettentöne zu den rhythmisch akzentuiert begleiteten Klängen der Zupfinstrumente im „Mobile” von Günter Braun eröffnete neue Klangspektren.

Dieses impressionistisch wirkende Stück gab der Solistin großen Spielraum zur klanglichen Entfaltung, wirkte aber beim Zuhörer fremdartig und ungewohnt.

„Der unzufriedene Schneemann” für zwei Sprecher und Zupforchester von Herbert Baumann bildete den Schlusspunkt dieses hervorragenden Konzertes. Das stimmungsvolle und lehrreiche Märchen vom Schneemann, der immer nur jammert, weil ihm zu kalt oder zu warm ist, und deshalb im Leben nie froh wird, wurde von Bärbel Ludwig und Helmuth Hilgers, die beide auch Kontrabass spielten, erzählt, wobei das Orchester die Handlung stimmungsvoll unterstrich.

Probenarbeit belohnt

Noch einmal bewiesen dieMusiker, dass sich regelmäßige Probenarbeit unter Anleitung eines erfahrenen Dirigenten lohnt. Sie brachten die zarten und sensiblen Töne der Zupfinstrumente zur Entfaltung und vermittelten den Zuhörern Freude und Entspannung.

Mit der Zugabe „La Danza negra” von Dieter Kreidler, einem äußerst schmissigen Folklorestück, verabschiedete sich das Grenzland-Zupforchester von seinen Stolberger Zuhörern, die nicht mit ihrem Applaus sparten.