Stolberg: Erdal Celik: „Mit diesem Druck muss man umgehen können“

Stolberg: Erdal Celik: „Mit diesem Druck muss man umgehen können“

Der Fußballer Erdal Celik spielte bereits als Jugendlicher gegen die ganz großen Namen der heutigen Fußballszene. Mesut Özil, Holger Badstuber, Toni Kroos oder auch Thomas Müller waren seine Gegner. Doch die Karrieren von Erdal Celik und seinen einstigen Gegnern hätten sich nicht unterschiedlicher entwickeln können.

Während Müller, Badstuber & Co. als Profifußballer mittlerweile ausgesorgt haben, lernte Erdal Celik die weniger schöne Seite des Geschäfts kennen. Nach drei Kreuzbandrissen endete die Profikarriere des Innenverteidigers. Heute arbeitet der 29-Jährige beim Ordnungsamt der Stadt Stolberg. Im Interview mit Sonja Essers blickt er auf seine Zeit als Profifußballer zurück und verrät, wie talentiert die Stolberger wirklich sind, wenn es um das Thema Fußball geht.

Erdal Celik in der Regionalliga Süd-West im Spiel seines VfR Wormatia Worms gegen den FC Homburg. Foto: imago/Eibner

Herr Celik, die Liste ihrer ehemaligen Vereine ist lang. Sie spielten nicht nur in Deutschland, sondern auch international bei den Profis. Hand auf´s Herz: Für welche Teams fiebern Sie heute an den Spieltagen mit?

Celik: Für Bayer Leverkusen — ganz klar. Ich hoffe, dass der Verein Meister wird. Ob ich das aber jemals wieder erleben werde….

Warum ist Bayer Leverkusen für Sie so wichtig? Weil dort Ihre Karriere begonnen hat?

Celik: Angefangen hat es schon vorher. 1992 bin ich mit meiner Familie von der Türkei nach Deutschland gekommen. Wir haben in Schmidt gewohnt. Und mit fünf Jahren habe ich beim TuS Schmidt angefangen, Fußball zu spielen.

Und Ihr Wechsel zu Bayer Leverkusen?

Celik: Das war erst ab der Saison 2000/2001 möglich. Damals sind wir von Schmidt nach Düren gezogen. Sonst wäre der Weg einfach zu weit gewesen. Ich habe dann in der C-Jugend angefangen und bis zur A-Jugend dort gespielt.

Und das sehr erfolgreich.

Celik: Wir sind mit der A-Jugend 2007 auch Deutscher Meister gegen Bayern München geworden. Ich habe damals gegen Holger Badstuber, Toni Kroos und Thomas Müller gespielt.

Im Jahr 2007 stand dann für Sie ein Wechsel an. Es ging zu Alemannia Aachen.

Celik: Genau. Da sollte ich in der zweiten Mannschaft spielen, habe mir in der Vorbereitung aber das Kreuzband gerissen. Das war mein erster Rückschlag.

Wie geht man mit einer solchen Enttäuschung um?

Celik: Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und habe mich schnell wieder zurückgekämpft. Ich habe dann mit der Mannschaft in der Oberliga gespielt und sollte in die Türkei wechseln. Der Transfer ging aber schief. Ich war ein halbes Jahr vereinslos und bin dann wieder zu Bayer Leverkusen zurückgegangen. Dort habe ich dann in der zweiten Mannschaft unter Ulf Kirsten gespielt, der damals Trainer war. Dann habe ich mir wieder das Kreuzband gerissen.

Und dann?

Celik: Danach bin ich erst Profi geworden. Das war 2011. Da fand mein Wechsel zu Rot Weiß Ahlen statt. Ich habe dann ein halbes Jahr in der dritten Bundesliga gespielt. Dann hat das mit dem Transfer in die Türkei doch noch geklappt, und ich habe für den Zweitligisten Bucaspor gespielt.

Wie würden Sie Ihre Zeit dort rückblickend beschreiben?

Celik: Als schwierig.

Warum?

Celik: In der Türkei ist alles super, wenn man spielt. Dann ist man dort der König. Wenn nicht, ist man der Flop. Ich habe mir dort meinen dritten Kreuzbandriss zugezogen und konnte nicht wirklich spielen. Nach einem Jahr wurde mein Vertrag dann aufgelöst.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Celik: Von der Türkei aus ging es nach Aserbaidschan zum Erstligisten Sumqayit PFK. Dort hat man damals versucht, türkischstämmige Spieler für die Nationalmannschaft zu bekommen, die von Berti Vogts trainiert wurde. Ich habe aber schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist und bin nach zwei Monaten wieder zurückgegangen nach Deutschland — zu meiner Familie.

Eigentlich war ich sechs Jahre lang nur unterwegs, weil ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Aber in der Fußballwelt geht es um viel Geld, und sie ist sehr schnelllebig. Da hat man als Spieler nicht das Recht, schlecht zu sein. Es wird immer schwerer, einen neuen Verein zu finden. Und mit diesem Druck muss man erst einmal umgehen können.

Für Sie ging es nach Ihrer Rückkehr zum FC Homburg und danach zu Womatia Worms. Beide Vereine spielten damals in der Regionalliga. Für Sie ging es damit einen Karriereschritt zurück.

Celik: Für mich ist es bis heute wichtig, dass ich nie aufgebe. Profi zu werden, ist einfach, aber das auch zu bleiben, ist eine Kunst.

Seit 2015 spielen Sie nun beim VfL 08 Vichttal. Wie kam diese Verbindung zustande?

Celik: Christian Titz (derzeit Trainer der U21 beim Hamburger SV Anm. d. Red.) hat mir dieses Angebot gemacht. Ich spiele in der ersten Mannschaft und trainiere den 2004er Jahrgang.

Was macht Ihnen an der Arbeit mit Kindern besonders Spaß?

Celik: Uns ist es wichtig, dass wir die Kinder so fördern, dass sie — im Vergleich zu einem Nachwuchsleistungszentrum — keine Defizite haben. Seitdem ich Trainer bin, ist es uns gelungen, fünf Spieler in Nachwuchsleistungszentren abzugeben. Ich habe vor wenigen Tagen meine zweite Trainer-Lizenz der DFB Junior Elite bestanden und hoffe, dass ich bald auch meine A-Lizenz machen kann.

Und auch beruflich hat sich bei Ihnen einiges getan.

Celik: Ich biete Individual- und Personal-Training an, habe gemeinsam mit meinem Bruder eine Fußballschule eröffnet, und seit einem Jahr arbeite ich beim Ordnungsamt der Stadt Stolberg.

Eine ganz andere Richtung also.

Celik: In gewisser Weise ist das aber mein Traumberuf. Früher wollte ich immer Polizist werden, und das bin ich manchmal auch ein bisschen . Mir macht es einfach Spaß, mit Menschen zu tun zu haben. Ich versuche, den Menschen zu helfen. Auch als Trainer.

Inwiefern?

Celik: Ich möchte den Kindern gerne meine Erfahrungen weitergeben. Natürlich ist es toll, wenn man vor 20000 Zuschauern spielt und alle deinen Namen rufen, aber im Fußball geht es auch schnell in die andere Richtung. Das habe ich selbst erlebt. Schule und Ausbildung gehen immer vor. Wie schnell steht man auf der Straße und hat nichts in der Hand. Ich war damals froh, dass ich eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht hatte. Es ist einfach wichtig, sich ein zweites Standbein aufzubauen.

Wie sieht es denn mit dem Stolberger Fußballnachwuchs aus? Gibt es in der Kupferstadt viel Potenzial?

Celik: In Stolberger gibt es viele talentierte Spieler. Aber es würde noch mehr geben, wenn man sie besser fördern würde. Deshalb sind gute Trainer auch so wichtig. Mit Spaß und viel Herzblut kann man Kinder nämlich sehr weit bringen. Unsere Mannschaft hat vor kurzem gegen Alemannia Aachen gewonnen. Man sieht also, es ist alles möglich (lacht).

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