Endspurt für die neuen vier Wände im Seniorenzentrum

Vor dem Umzug : Endspurt für die neuen vier Wände im Seniorenzentrum

Auf den ersten Blick erscheint der Neubau auf der Liester noch wie eine einzige Baustelle. An den Außenanlagen des neuen Pflegeheims wird ebenso gearbeitet wie im Inneren noch nicht alles fertig ist.

Aber wer genau hinsieht, kann erkennen, dass das Meiste geschafft ist und der Endspurt im Wettlauf mit der Zeit gestartet ist.

Mitten in einem kleinen Heer von geschäftigen Handwerkern, Reinigungsfachkräften und Pflegepersonal wirkt Gabriele Makola wie die Ruhe selbst und behält die Übersicht. Die eintreffende Putzkolonne wird eingewiesen, während ein anderer Trupp schon längst die Fenster wienert.

In der kleinen Kapelle wird noch gearbeitet. Weihnachten soll hier die Messe gelesen werden. Foto: Jürgen Lange

Ein prüfender Blick gilt dem letzten Feinschliff der Maler, während die Elektriker die letzten Strippen ziehen, und in der kleinen Kapelle noch der Dachanschluss verputzt wird. „Weihnachten wollen wir hier die Messe feiern“, sagt die Geschäftsführerin des städtischen Seniorenwohn- und Sozialzentrums: „Morgen muss die noch nicht fertig sein.“

Das gilt aber für die Zimmer der neuen Bewohner. Erst einmal mit Kreppband sind ihre Namen auf die Klingel geklebt. Die Betten sind gemacht und mit Folie gegen den Staub abgedeckt. Schränke, Tisch und Stühle stehen parat für den Erstbezug. Mit ihrem Pflegeteam hat Makola die Arbeit gemeinsam gestemmt.

Als kleiner Pausenraum für die Mitarbeiter wird in diesen Tagen das Gemeinschaftszimmer mit Wohnküche genutzt. Foto: Jürgen Lange

Und gemeinsam wird bei einer kurzen Pause eine Tasse Kaffee in einem der jeweils in den Gebäudeecken liegenden Aufenthaltsräume getrunken. Die Betonung liegt auf kurz. Weiter geht es über die noch mit Papier abgeklebten Böden der Flure.

Erst einmal provisorisch beschildert sind die Zimmer der neuen Bewohner. Foto: Jürgen Lange

Zunächst 50 Bewohner werden am Mittwoch hier einziehen. Zwischen dem Haus am Amselweg und dem Neubau auf dem Gelände der früheren Propst-Grüber-Schule sorgt ein Spezialunternehmen für den Transport der pflegebedürftigen Senioren. 80 Prozent haben Demenz; eine Reihe leidet unter weiteren Erkrankungen. Mittags soll der Umzug losgehen. „Wir wollen die Bewohner nach dem Essen in ihre neue Heimat bringen“, erzählt Gabriela Makola. Und dort sollen sie sich gleich ein wenig heimisch fühlen können.

Deshalb haben Mitarbeiter eines Stolberger Umzugsunternehmen den Inhalt der Schränke fotografiert. Am Vormittag räumen sie am Amselweg aus, und auf der Liester nach dem Vorbild die Schränke wieder ein.

Im Inneren ist das neue Pflegeheim fast fertig, außen bleibt noch einiges zu tun. Foto: Jürgen Lange

Hochwertig wirken Mobiliar und Farbgebung, die Makola und ihr Leitungsteam ausgesucht haben. „Die Stühle sind Spezialanfertigungen eigens für uns“, erzählt die Geschäftsführerin. Die Polster der stabilen Markenstühle waren mit Knöpfen verziert. Auf die wird auf der Liester aus Gründen der Praktikabilität verzichtet. Auch die Waschbecken in den barrierefreien, großzügigen Bädern sind nochmals speziell auf die Benutzer zugeschnitten, mit Handgriffen sowie breiten Umrundungen und Ablagen versehen, damit man sich besser abstützen und Sachen ablegen kann.

Die Zimmer bieten die Möglichkeit, die Betten unterschiedlich auszurichten: entweder entlang von Wänden oder auch mittig vor dem Fenster. Einige bieten dann den Ausblick auf das alt bekannte Seniorenzentrum, wo die Sanierung der Fassaden noch läuft.

Den letzten Feinanstrich erhalten die unterschiedlichen Farbmarkierungen der einzelnen Etagen. Foto: Jürgen Lange

Die Farbe der Vorhänge wird aufgegriffen in der Farbgestaltung der Flure. Jede Etage hat ihren eigenen, warmen Farbton. „Zur besseren Orientierung“, sagt Makola. „Später wollen wir auch Bilder in den jeweiligen Farben aufhängen.“ Alles zu seiner Zeit. Das einzige, was am Morgen wirklich noch fehlt, sind die Handläufe. Sie sollen im Laufe des Nachmittags montiert werden. „Im Zweifelsfall bis in die Nacht. Das ist so mit den Monteuren abgesprochen“, sagt die Geschäftsführerin und wirkt ganz ruhig. Sollte sie am Tag vor dem großen Umzug doch innerlich nervös sein, merkt man es ihr nicht an. Alles scheint Hand in Hand zu greifen.

Zuerst werden die beiden oberen Etagen bezogen. „Dann haben wir 56 Zimmer“, sagt Makola. Sie rechnet damit, dass sie zum Jahresende hin komplett bezogen sind. „Ins Haus am Amselweg wollte in den letzten Tagen mit Blick auf den bevorstehenden Umzug keiner mehr einziehen“.

Muss nur noch in die Küchenzeile geschoben und eingesteckt werden, die Mikrowelle in einem der Aufenthaltsräume. Foto: Jürgen Lange

Die Wohnbereiche im Parterre, wo auch Verwaltung und weitere Funktionsräume untergebracht sind, werden etwas später fertig. Letztlich werden auf der Liester 80 stationären Pflegeplätze, weitere 20 Plätze für die Tagespflege und zwei zwölfköpfige Wohngruppen zur Verfügung stehen. Am Amselweg gab es 61 Pflegeplätze, die nicht mehr den gesetzlichen Standards entsprechen.

Angestrebt war der Umzug zum 1. August. Eine Verspätung bei den Bauarbeiten war bei der Vertragsgestaltung finanziell berücksichtigt worden. Für zunächst 25 Jahre hat sich die städtische Einrichtung hier eingemietet.

Bezugsfertig: Mit Blick fürs Detail haben Gabriele Makola und ihr Team das Pflegeheim ausgestattet. Foto: Jürgen Lange

Erwartungsgemäß sind auch die Außenanlagen noch nicht ganz fertig. „Die Grünflächen werden erst einmal nur eingesät“, erzählt Gabriele Makola. „Dann wollen wir nachher gemeinsam schauen, wie wir sie uns gestalten.“

Wenn auch heute das neue Pflegeheim bezogen werden kann, bleibt für die Geschäftsführerin und ihr Team sowie für die Bewohner noch viel kreativer Spielraum für die Ausgestaltung, es zu einem neuen gemütlichen Zuhause zu machen. Ganz so, wie bei einem privaten Bezug eines neuen Hauses, das erst mit der Zeit zu einem heimischen Ort wird.

Der Blick aus einigen Zimmern fällt auf das alt bekannte Seniorenzentrum, wo die Sanierung der Fassaden noch läuft. Foto: Jürgen Lange
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