Elisabeth Stadelmann hat 21 Kinder großgezogen

Großfamilie : Einblicke in ein ganz spezielles Familienleben

Die heute 89-jährige Elisabeth Stadelmann hat 21 Kinder großgezogen. Bei einem Treffen berichten Mutter und Kinder aus ihrem Alltag.

Kartoffeln im Einkochkessel kochen, jeden Morgen acht Zweipfünder-Brote schmieren oder täglich 20 Liter Milch herbeischaffen? Für Elisabeth Stadelmann über viele Jahre hinweg der ganz normale Alltag, denn die heute 89-jährige Stolbergerin hat 21 Kindern das Leben geschenkt und diese stets liebevoll umsorgt.

Ihr erster Sohn wurde Ende 1948 geboren und im darauf folgenden Zeitraum von nahezu 22 Jahren wuchs die Familie um weitere 20 Kinder – zehn Jungen und zehn Mädchen – an, so dass die Stadelmanns im Jahr 1970, nach der Geburt ihres Nesthäkchens Frank, mit insgesamt einundzwanzig Kindern, zumindest vorübergehend, die kinderreichste Familie in Nordrhein-Westfalen waren.

Eine wirklich grandiose Sache für eine Frau, die auf die Frage, wie viele Kinder sie ursprünglich einmal haben wollte, schelmisch schmunzelnd bekennt: „Gar keine“. Sieht man die zierliche Dame heute, wie im Stolberger Bistro Check-Point, im Kreis ihrer Kinder, so scheint sie ihre eigenen Worte Lügen zu strafen. Sie sitzt lächelnd in der lebhaften Runde und bekennt: „Meine Kinder haben mir immer viel Freude bereitet und ich bin mit allen sehr zufrieden“.

Leicht war ihr Leben wohl dennoch nicht. Ihr Tag hatte zeitweilig bis zu 21 Stunden. „Als wir so alt waren, dass einige von uns morgens bereits zur Arbeit mussten, stand Mutti mit jedem von uns auf. Das bedeutete für sie, dass die Nacht um drei Uhr früh zu Ende war. Jedem Kind bereitete sie das Frühstück zu und bevor man aus dem Haus ging, wurde man immer gesegnet“, berichtet Günter Stadelmann, einer der Söhne. Dabei war Elisabeth Stadelmann in all den Jahren nicht ausschließlich Hausfrau, sondern ging außerdem bis zum Eintritt ins Rentenalter selber noch täglich außer Haus ihrer Arbeit nach.

Großmutter war eine große Stütze

Da stellt sich einem die Frage: Wie schafft man das mit so einer großen Kinderschar? „Es ist nicht anders, als ob man drei Kinder hätte“, versichert die Seniorin lächelnd und ihr Sohn ergänzt: „Die Kinder erziehen sich eigentlich gegenseitig.“ Trotzdem konnte die Familie wohl froh sein, in der Großmutter väterlicherseits eine große Stütze gehabt zu haben. Sie war diejenige, die den Eltern half, wenigstens kleine Freiräume zu finden. Sie machte es möglich, dass das Ehepaar einmal im Jahr einen kleinen Urlaub – ein Wochenende in Rüdesheim – verleben konnte und sie sorgte dafür, dass die Mutter es auch einmal ins Kino schaffte.

Günter Stadelmann lebte sogar zeitweise bei seiner Großmutter. „Meine eigene Mutter hätte das nie gemacht. Ihre Einstellung war: du hast dir die Kinder angeschafft, dann musst du jetzt eben zu Hause bleiben“, erinnert sich Elisabeth Stadelmann. Ein so großer Haushalt wollte natürlich nicht nur organisiert werden. Irgendwo musste man schließlich auch leben. Bevor man 1974 ein eigenes Haus in Mausbach beziehen konnte, hatte man daher zwei nebeneinander liegende Wohnungen angemietet – in der einen waren die Schlafräume der Kinder untergebracht, in der anderen befanden sich die Küche, das Wohnzimmer sowie das Elternschlafzimmer.

Neben der Bewältigung des anstrengenden Alltags musste die Mutter, gemeinsam mit ihrer Familie, im Laufe der Jahre auch einige Schicksalsschläge verkraften. Ehe vor vielen Jahren der Ehemann und Vater der Großfamilie verstarb, hatten zuvor zwei der Kinder das Kleinkindalter nicht überlebt, ein weiteres wurde im Alter von zehn Jahren bei einem Unfall tödlich verletzt. In diesem Jahr verstarb das älteste „Kind“ der Familie, so dass die Geschwister jetzt nur noch zu 17 sind. Mitnichten wird die Verwandtschaft jetzt aber kleiner, denn die Söhne und Töchter, die, bis auf eine in Münster lebende Schwester, allesamt in der Umgebung von Stolberg und Eschweiler zu Hause sind, haben größtenteils selber Familie und Kinder. Auch wenn keiner von ihnen dem Beispiel der Eltern gefolgt ist – die meisten haben ein oder zwei Sprösslinge – so ist die Familie stets weiter gewachsen.

„Vor zwei oder drei Jahren“, so Elisabeth Stadelmann, „habe ich einmal eine Liste des gesamten Anhangs erstellt und bin auf 112 Namen gekommen.“ Da wird es wohl niemand wundern, dass kaum ein Fest im kompletten Kreis gefeiert werden kann. Trotzdem bleibt man ständig in Verbindung. Früher hat man telefoniert, heute tauscht man sich über Whatsapp aus. Dieser Umstand ist für die Mutter enorm wichtig: „Ich habe meinen Kinder immer gesagt, dass sie sich nicht ständig gegenseitig die Türen einrennen müssen, aber wenn eines von ihnen die Hilfe der anderen benötigt, müssen sie da sein.“

Fester Zusammenhalt

Dass alle Kinder dies stets beherzigen, haben sie bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Beispielsweise hat einer der Söhne vor 15 Jahren mitten in Stolberg einen Herzinfarkt erlitten. Glücklicherweise konnte einer seiner Brüder umgehend verständigt werden. Als dieser dann nach kurzer Zeit die Intensivstation erreichte, standen bereits acht seiner Geschwister sowie seine Mutter dort vor der Türe. Ein anderes Mal benötigte ein Familienmitglied eine Stammzellenspende. Innerhalb kürzester Zeit lagen dem Krankenhaus die notwendigen Blutproben vor, um kurzfristig den passenden Spender bestimmen zu können.

Fazit ist: Auch wenn es bestimmt nicht immer ein Zuckerschlecken war, nicht jeder mit jedem konnte, und man sein Ausbildungsgehalt bis auf ein Taschengeld abgeben musste, so bestätigte einem die fröhliche Runde, dennoch, dass die Eltern alles richtig gemacht haben.

(abu)
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