Elektrofahrzeuge und Euregiobahn: Stolberg bei Mobilität auf Vormarsch

Neue Haltestellen und P+R-Anlage : Stolberg ist in Sachen Mobilität auf dem Vormarsch

Die Klimakrise ist ein Begriff dieser Tage. Seit vier Jahren ist Stolberg mit vielen kleinen Attacken an unterschiedlichen Fronten auf dem Vormarsch, um sich dieser Krise entgegenzustellen. Ein Abschnitt dabei ist die Mobilität.

„Wir Anreize zu schaffen, das konventionelle Auto stehen zu lassen“, sagt Tobias Röhm. Kaum eine andere Kommune in der Region bietet so vielfältige Ansätze, so der Technische Beigeordnete.

Ein Rückgrat dabei ist die Euregiobahn, die auf den Schienen der Stolberger Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) unterwegs ist. 6,2 Millionen Euro investiert derzeit das Unternehmen mit Zuschüssen des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland, damit die Regionalbahn 20 ab Dezember regelmäßig Breinig via Altstadt mit dem internationalen Netz im Hauptbahnhof verbinden kann.

Weitere 500.000 Euro fließen Ende Juni in den kompletten Neubau der Haltestellen Schneidmühle und Rathaus. Der Zahn der Zeit hat dank regelmäßiger Pflege wenig an den 18 Jahre alten Einrichtungen gesägt, aber mit dem Unterbau ist nicht alles so, wie es sein sollte. „Was wir machen, machen wir es richtig“; sagt EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil. Das bescheinigt auch der NVR in seinen regelmäßigen Qualitätsberichten: Die EVS-Stationen schneiden in dem Vergleich stets besonders gut ab.

Während Stolberg bereits eine elektrische Kehrmaschine angeschafft hat, ist der Stand der Technik für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr noch nicht soweit. Aber eine ganze Reihe moderner Fahrzeuge für die Wehr ist neu beschafft. Foto: Jürgen Lange

Damit das so bleibt, werden innerhalb von drei Wochen zwischen dem 24. Juni und 12. Juli beide Euregiobahn-Haltestellen parallel abgerissen und neu aufgebaut. Derweil ersetzen Busse die Züge auf der Altstadtstrecke. Während der Arbeiten entfallen die Parkplätze an der Rathaus-Haltestelle; an der Schneidmühle wird die L23 in Richtung Innenstadt eine Einbahnstraße.

Ebenfalls im Juli an der Schneidmühle beginnt die Stadt mit dem Bau der vierten P+R-Anlage – eine fünfte ist für den Breiniger Bahnhof noch in Planung – im Stadtgebiet. Im Winter sollen weitere 85 kostenfreie Stellplätze benutzbar sein: 76 Parkplätze für jedermann, eine Elektroladestation mit zwei Stellplätzen, vier Behinderten- und drei Frauen-Parkplätze. In einer eigenen Abteilungen können etwa sechs (motorisierte) Zweiräder abgestellt werden. An beiden Enden der P+R-Anlage besteht die Option Fahrradboxen aufzustellen. „Die Anlage mit Bus- und Bahnanschluss ist ein zusätzlicher Anreiz auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen“, so Röhm weiter, „und verbessert zudem die Infrastruktur für die E-Mobilität weiter.“

Zwei e.Go und Kangoo bestellt

Auf diesem Felde schreitet die Stolberger EWV gemeinsam mit der Stadt voran. In Kooperation sind an sechs Standorten in Mausbach, Breinig, an Heinrich-Böll-Platz, Rathausumfahrt, Mühlener- und Hauptbahnhof sieben Zeifach-Ladesäulen entstanden. Bis August folgt eine weitere auf dem Parkplatz Bergstraße; und in Büsbach wird eine weitere mit der Neugestaltung der Ortsmitte geplant. Auf private Initiative haben die Kaufland und Pfennigs Ladepunkte in ihren Parkhäusern installiert.

Zudem wird in diesem Jahr an sechs Wallboxen Strom getankt werden können: drei in der Rathaus-Garage, zwei beim Betriebsamt und eine am DLZ, die in erster Linie dem städtischen E-Fuhrpark zugute kommen. Dank Förderkulisse trägt die Stadt gut 18.000 Euro bei einer Gesamtinvestition von 90.000 Euro.

Ladeschränke bieten je vier abschließbare Fächer in erster Linie für Pedelec-Akkus nebst Stauraum beispielsweise für den Helm. Sie stehen am Hauptbahnhof, zwei am DLZ und bis Ende Juli eine am Rathaus. Von 10.000 Euro Kosten trägt die Stadt 7500 Euro.

Dank einer 40-prozentigen Landesförderung hat die Kupferstadt begonnen, einen eigenen Elektro-Fuhrpark aufzubauen – „dort wo der Einsatz sinnbringend und wirtschaftlich ist“, sagt Tobias Röhm. Denn noch sind die strombetriebenen Fahrzeuge nicht überall nachhaltig dienstfähig. Bestellt sind ein Kangoo für den Hausmeister-Pool und zwei e.Go Life für Dienstfahrten der Verwaltung, so dass Mitarbeiter auf ihr eigenes Auto dafür verzichten können. Bei rund 73.000 Euro Investition zahlt die Stadt rund 44.000 Euro. Bereits beim Technischen Betriebsamt in Betrieb sind ein gebrauchter Elektrostabler, eine Kehrmaschine und zwei Streetscooter. Bei einer Förderung von 41.000 Euro investiert die Stadt 345.850 Euro .

Noch gibt es der Stand der Technik nicht her, Löschfahrzeuge auf Elektrobasis einsetzen zu können. Aber zum Alltag der Stolberger Feuerwehr zählen auch Dienstfahrten mit Pkw oder Kleinbus. Dafür ist die Umrüstung auf Elektrofahrzeuge geplant, sobald die notwendige technische Infrastruktur von Ladesäulen geschaffen ist.

„Der Aufbau der Ladeinfrastruktur und die schrittweise Elektrifizierung der Dienstflotte stellen einen ersten Schritt hin zu einer lokal emissionsfreien Mobilität dar“, sagt Klimaschutzmanager Georg Trocha, bei dem alle Fäden zusammenlaufen und der beispielsweise auch beim Ausbau der Fahradmobilität und des Radwegenetzes involviert ist. „Die bereits angelassenen und durchgeführten Maßnahmen werden nun beurteilt, bewertet und entsprechend weiterentwickelt“.

Mit dem Engagement der Kommune „möchte Stolberg nicht nur eine Vorbildfunktion einnehmen“; betont Tobias Röhm. „Bei zukünftigen Projekten der Stadt- und Verkehrsentwicklung denken wir Elektromobilität konsequent mit.“ Ein aktuelles Beispiel dafür sei die neue Stadtrandsiedlung.

Darüber hinaus verweist der Beigeordnete auf die ersten Fahrradboxen im Stadtgebiet. 16 am Hauptbahnhof und acht am Mühlener Bahnhof „bieten sichere Stellplätze gerade auch für teure Pedelecs“, sagt Röhm. „Wir möchten so die Akzeptanz für den Alltagsverkehr erhöhen und das Umsteigen auf eine klimafreundliche Mobilität fördern“.