Stolberg: Einstimmiger Beschluss: Mietpreise in Stolberg steigen ab Januar an

Stolberg: Einstimmiger Beschluss: Mietpreise in Stolberg steigen ab Januar an

Die Mietpreise in Stolberg sollen ab dem 1. Januar steigen. Das hat der Rat der Stadt in seiner Sitzung nun einstimmig beschlossen. Nur bis zum 31. Dezember dieses Jahres ist die aktuelle Mietwerttabelle noch gültig. Eine Überarbeitung war dringend erforderlich und bei dieser stellte man dann auch fest, dass „das Mietpreisniveau in Stolberg geringfügig gestiegen sei“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Was das für Konsequenzen hat? Es wurde beschlossen, die derzeitigen Mietwerte um insgesamt 3,5 Prozent anzuheben und auf jeweils fünf Cent auf- oder abzurunden. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Wer bis dato in einem Objekt wohnt, das bis 1960 gebaut wurde, ein Bad und eine Heizung enthält, zahlt in einer einfachen Lage zwischen 3,45 und 4,20 Euro pro Quadratmeter. Ab dem 1. Januar sollen es dann zwischen 3,55 und 4,35 Euro pro Quadratmeter sein. Wer derzeit in einem Objekt lebt, das zwischen 2001 und 2010 gebaut wurde, über Bad und Heizung verfügt, zahlt in einer guten Wohnlage zwischen 7 und 8 Euro pro Quadratmeter. Ab dem 1. Januar sollen es dann zwischen 7,25 und 8,30 Euro pro Quadratmeter sein.

Bad oder Heizung

Auch Objekte, die über ein Bad oder eine Heizung verfügen, sind in der Auflistung berücksichtigt. In einer einfachen Lage zahlt man momentan noch zwischen 2,95 und 3,45 Euro pro Quadratmeter, in einer mittlere Wohnlage sind es zwischen 3,05 und 3,80 Euro pro Quadratmeter und in einer guten Wohnlage zahlt man zwischen 3,45 und 4,10 Euro pro Quadratmeter. Ab 2018 sind es zwischen 3,05 und 3,55 Euro in einer einfachen, zwischen 3,15 und 3,95 Euro in einer mittleren und zwischen 3,55 und 4,25 Euro in einer guten Wohnlage.

Es gibt noch weitere Neuerungen. In der aktuellen Mietwerttabelle gibt es keine preisliche Regelung für Häuser, die ab 2011 gebaut wurden. Das ist nun anders. Wer ein Haus oder eine Wohnung dieser Kategorie mietet, zahlt in einer einfachen Wohnlage zwischen 6 und 7 Euro, in einer mittleren Wohnlage zwischen 7 und 8,50 Euro und in einer guten Wohnlage zwischen 4,70 und 9 Euro pro Quadratmeter.

Eine einfache Wohnlage zeichnet sich übrigens dadurch aus, dass es durch verschiedene Faktoren wie beispielsweise Handwerk, Gewebebetriebe, das Fehlen von Frei- und Grünflächen sowie durch starke Verkehrsbelästigung, keine öffentlichen Verkehrsmittel und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, starken Lärm, Staub und Geruchsbelästigung zu Beeinträchtigungen kommt.

Wohnstraßen oder Wohngegenden ohne Lagevorteile und Begrünungen, die in Geschäftsstraßen mit Durchgangsverkehr liegen und bei denen öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufsmöglichkeiten nicht länger als zehn Minuten entfernt sind, bezeichnet man als mittlere Wohnlage.

Ruhige Wohnviertel in der Nähe von Grünanlagen oder Wohnanlagen mit Gärten oder Vorgärten gehören zur guten Wohnlage. In Aachen kostet das Wohnen in einer solchen Gegend und in einem Haus, das nach 2003 gebaut wurde, übrigens zwischen 6,20 und 10,50 Euro pro Quadratmeter. Doch auch diese Werte stammen noch aus der aktuellen Mietwerttabelle, die nur noch bis Ende des Jahres gültig ist.

Die einzelnen Preise pro Quadratmeter werden natürlich nicht willkürlich festgelegt. Mietwerttabellen werden bereits seit 1976 in Zusammenarbeit mit dem Verein der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer in Stolberg sowie dem Mieterschutzverein für Aachen und Umgegend erstellt. Sie dienen als Richtlinien zur Ermittlung ortsüblicher Vergleichsmieten im freifinanzierten und steuerbegünstigten Wohnungsbestand. Die Mietwerttabelle bietet den Vertragspartnern und den Stolberger Bürgern eine Orientierungsmöglichkeit, die Miete nach Alter, Lage, Ausstattung und Zustand der Wohnung eines Gebäudes in eigener Verantwortung zu vereinbaren. Sie ist maßgeblicher Bestandteil zur Sicherung des Mietfriedens, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Verlängerungen

Die in der bisher geltenden Mietwerttabelle aufgeführten Mietpreisspannen wurden im Rahmen von Verhandlungen zwischen den Interessenvertretern im Jahr 2008 unter der Beteiligung der Stadt Stolberg vereinbart. 2010 und 2012 erfolgte die Verlängerung ohne eine Änderung der Werte. Ab dem 1. Januar 2012 wurde die Regelung aufgenommen, dass teilmodernisierte Wohnungen der Baujahre bis 1970 — wenn sie dem heutigen Wohnstandard angepasst werden — in die Baujahrkategorie 1971 bis 1980 aufrücken und teilmodernisierte Wohnungen späterer Baujahre in die nächst höhere Baukategorie. So konnten — auch ohne eine Erhöhung der Mietwerte — für teilmodernisierte Wohnungen älterer Baujahre höhere Mieten erzielt werden.

Zum 1. Oktober 2014 erfolgte dann die Ergänzung um eine zusätzliche Baujahrkategorie für die ab 2011 fertiggestellten Gebäude. Es wurde der Hinweis aufgenommen, dass die auf dem Wohnungsmarkt erzielbare Miete gilt. Aufgrund steigender energetischer Standards sollte diese offene Formulierung Bauherren auch einen Anreiz für eine energetisch hochwertige Qualität bei Neubaumaßnahmen bieten.

Mit der Absicht, ab 2016 entsprechende Mietwerte festzulegen, erfolgte 2015 dann eine Mietpreisumfrage bei den Eigentümern der Neubauten ab dem Jahr 2011. Da sich allerdings nur neun von insgesamt 20 Eigentümer an der Umfrage beteiligten, konnte kein repräsentatives Ergebnis erzielt werden und die Mietwerttabelle wurde für zwei weitere Jahre fortgeschrieben — bis Ende 2017.

Mitte November dieses Jahres fand ein Treffen mit Vertretern der Interessenverbände der Mieter und Vermieter statt. Man einigte sich darauf, dass das Mietpreisniveau in Stolberg geringfügig gestiegen sei und so wurden die Mietwerte um 3,5 Prozent angehoben. Außerdem waren die Vertreter der Interessenverbände der Meinung, dass die Baujahrkategorie ab 2011 mit Werten gefüllt werden sollte. Man einigte sich darauf, die Werte aus Mietwerttabellen vergleichbarer Nachbarkommunen einzusetzen. Da die Beschreibung wertmindernder und wertsteigernder Ausstattungsmerkmale in der bisherigen Mietwerttabelle nicht mehr zeitgemäß ist, erfolgte auch an dieser Stelle eine Überarbeitung.