Stolberg: Eine Mustersiedlung auf dem ehemaligen Grubengelände

Stolberg: Eine Mustersiedlung auf dem ehemaligen Grubengelände

Der Kaufpreis war nur symbolisch. Eine Mark zahlten der Architekt Arno Bläsing und der Zimmermann Elmar Kroth, als sie im Mai 1983 an der oberen Hastenrather Straße eine alte Feldscheune erwarben. Lange hatte man für das denkmalgeschützte, zweigeschossige Bruchsteingebäude einen Käufer gesucht.

Denn erhebliche finanzielle Mittel waren erforderlich, um die Scheune, die in einem unbebauten Wiesengelände lag, so zu verändern, dass sie acht Wohneinheiten Platz bot.

Neben der Sanierung der Bausubstanz mussten Fundamente gegossen und ein separates Treppenhaus angebaut werden. Ein anderes Aussehen erhielt auch die Fassade.

Um den historischen Bestand zu betonen, wurden den Rundbogenfenstern Balkone vorgelagert, die eine Holzkonstruktion aufwiesen.

Im Oktober 1983 ertönte nicht nur der Startschuss für den Umbau einer alten, freistehenden Feldscheune, sondern gleichzeitig für die Realisierung eines gigantischen, von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) betreuten Bauprojektes. Denn zwischen Saar- und Hastenrather Straße war eine großflächig angelegte Wohnsiedlung geplant, die nach ihrer Fertigstellung allein fünf neue Straßenzüge aufweisen sollte.

Für den Bau der aus Ein- und Mehrfamilienhäusern bestehenden Siedlung hatte man sechs Bauabschnitte in sieben Jahren eingeplant. So entstand von 1983 bis 1990 rund um die alte Feldscheune ein neues Wohngebiet, das den Pionieren der Stolberger Messingindustrie gewidmet wurde.

Denn bei der Vergabe der Straßenbezeichnungen erinnerte man sich der alten Kupfermeister, die Namen trugen wie Simon Lynen, Leonhard Schleicher, Johann von Asten, Matheis Peltzer und Jeremias Hoesch. Die Straßenbezeichnungen machen durchaus Sinn, denn Mitte des 19. Jahrhunderts war das einstige Wiesengelände ein Abbaugebiet, das - zur Jeremiasgrube gehörend - die Stolberger Kupfermeister mit Zinkerz versorgte.

Diese Bergbauaktivitäten lassen vermuten, dass die alte Feldscheune ursprünglich anderen Zwecken diente und das Schachtgebäude der alten Jeremiasgrube war.

Als man im Sommer 1985 den Umbau der Scheune abschloss, hatten die äußeren Konturen des riesigen Neubaugebietes schon Gestalt angenommen. Im Umfeld der Scheune waren innerhalb von zwei Jahren sechs weitere Großbauten entstanden. Die ersten Einfamilienhäuser entstanden Ende der 80er Jahre. Weitere als Reihen- oder Doppelhäuser geplante Einfamilienbauten folgten in den 90er Jahren. Den vorläufigen Abschluss der Bebauung machten die im Jahre 2000 entstanden Häuser an der Jeremias-Hoesch-Straße.

Die Siedlung hat bis heute ihren besonderen Reiz. Mehrere Spielplätze, großzügig bemessener Wohnraum und eine an der Saarstraße liegende Kindertagesstätte sorgen dafür, dass sie zweifellos das Prädikat „kinderfreundlich” verdient.

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