Eine dominierende Rolle im Steinweg

Eine dominierende Rolle im Steinweg : Die Stadtsilhouette ist gerne genutztes Fotomotiv, aber nicht unumstritten

Bauarbeiter mit Gerät sind im historischen Bild noch auf dem Burghof beschäftigt, der gerade seiner Vollendung zugeht. Um 1900 entstand die Aufnahme, die den Blick über die nahen Vorburganlagen, die Altstadt und über das riesige Steinbruchloch gleiten lässt, das zu damaliger Zeit auf Büsbacher Gemeindegebiet lag.

Auch in Echtfarbe sähe die historische Ansicht nicht viel einladender aus als die Schwarzweißfotografie, während die heutige Szene (rechtes Bild) vor allem von grünen Hängen und Sträuchern auf dem Burggelände bestimmt wird.

Abgesehen vom großen Wohnkomplex im Steinweg, der durch seine dominierende Rolle in der Stadtsilhouette unter Bürgerinnen und Bürgern umstritten ist. Der ab 1976 anstelle des Hofes Krone, einem Tuchmacherhof, errichtete Bau wurde für die Anforderungen des Denkmalschutzes mit Satteldächern versehen. Unbestritten ist die attraktive Wohnlage mit einer wunderbaren Aussicht gen Standort des heutigen wie damaligen Fotografen dieser Stolberger Ansichten. Beide standen unterhalb des Großen Turmes, oberhalb der Torburg, die zum Aufnahmezeitpunkt des historischen Bildes noch nicht existierte.

Das Haupttor zum Burgum- und -neubau war der Torbogen, der damals unterhalb der Zinnen links im Bild, heute unter dem schmalen Satteldach liegt. Moritz Kraus und seine Handwerker, Arbeiter und Architekten waren noch beschäftigt und hatten schon großartiges geleistet. Fast aus dem Nichts entstanden Türme, Mauern und Zinnen in der alten Vorburg. Aus dieser Perspektive ein regelrechtes Gewirr aus kubischen Zinnen, wovon unzählige als typisches Merkmal einer Burg aufgemauert wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Zinnen entfernt, Mauerzüge umgestaltet und die Türen, die ins Leere führten, geschlossen, die beide Türme im alten Foto zeigen. Welchen Zweck sie hatten, ist nicht bekannt.

Der große Wohnkomplex im Steinweg, ist durch seine dominierende Rolle in der Stadtsilhouette unter Bürgerinnen und Bürgern umstritten. Foto: Christian Altena

Vieles, was der moderne Burgherr plante, wurde nicht vollendet, aber Pläne und Befunde lassen sonst ein klares Bild entstehen, wie sich Kraus sein Wohnschloss einst vorstellte. Beträchtliches Baumaterial wurde für die dekorativen Elemente wie Türme und Zinnen gebraucht, die keinen wirklichen Nutzen im praktischen Sinn erfüllten.

Quelle der Steine und des Mörtelkalks war vielleicht Gehlens Kull östlich der Burg, wohl irgendwann im 19. Jahrhundert als Steinbruch eingerichtet. Oder auch der Steinbruch im Hintergrund des Bildes, damals Büsbacher Kalkwerke genannt, ein weitaus älterer Steinbruch und ebenso nahe der Burganlage.

Schon 1544 wurde die „Steinkuyl“ genannt und abgebildet. Vermutlich so alt wie die Burg, da es wahrscheinlich ist, dass auch hier ihr Baumaterial gewonnen wurde. Bis zu zehn Kalköfen waren zuletzt in Betrieb.

Die Eigentümer wechselten häufiger. Vor 1900 war der Aachener Hütten-Verein in Rothe Erde Eigentümerin, bis dieser selbst von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG übernommen wurde. In den 1920ern firmierte das Kalkwerk als Hüttengesellschaft der Rothen Erden zu Aachen, Zweigniederlassung der luxemburgischen Aktiengesellschaft Société Metallurgique des Terres Rouges.

Zuletzt liest man in den 1930ern von der Westdeutschen Kalkwerke AG, Köln, bevor nach dem Krieg die Firma Klüttgens Nutzerin des Geländes wurde. Schroffe Steilwände wie dutzendfache Zinnen sind unlängst Geschichte, während Weißdorn, Vogelkirsche und anderes Grün heute Mauern und das Gestein beherrschen.

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