Ausbau Werther- und Derichsberger Straße: Ein weiterer Lückenschluss im Radwegenetz

Ausbau Werther- und Derichsberger Straße : Ein weiterer Lückenschluss im Radwegenetz

Die Kupferstadt schreibt das Jahr 2007, als im Mai der Stadtrat in aller Schnelle beschließt, dass drei Straßenzüge eine besonders wichtige Verkehrsbedeutung haben. Neben der Aachener- und Rhenaniastraße kommt auch die Achse von Derichsberger- und Werther Straße innerhalb der Mausbacher Ortslage in den Genuss dieser Priorität.

Der Hintergrund: Bis zum 1. Juni musste damals der Zuschussantrag gestellt sein, um aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) auf einen 75-prozentigen Zuschuss hoffen zu können. Die Förderung wurde zwar bei der Bezirksregierung eingeplant, aber die Bewilligung ließ auf sich warten.

Letztlich gab es 60 Prozent Förderung, als im September 2013 der Ausbau der Aachener Straße und im Frühjahr 2016 der erste Abschnitt der Rhenaniastraße angegangen wurden. Und nun sind auch wieder die Werther- und Derichsberger Straße ein Thema. Nach zwölf Jahren ist in diesem Frühjahr der Föderbescheid im Rathaus eingetroffen. Mit dem Zuschuss über 1.282.600 Euro werden 65 Prozent der förderfähigen Kosten in Höhe von rund 1,97 Millionen Euro gedeckt. Ende nächsten Jahres könnten Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten anlaufen.

Bevor sich aber die Ratsgremien nochmals mit dem Vorhaben befassen, sollen zuvor noch einmal die Bürger an der Planung beteiligt werden, betont Tobias Röhm. „Die Bürgerbeteiligung ist zwar bereits erfolgt, liegt aber einige Zeit zurück“; erklärt der Technische Beigeordnete. Genauer gesagt vor sechs Jahren schrieb die Bürgerbeteiligung Schlagzeilen.

Das lag an Details und grundsätzlichen Zweifeln an der Notwendigkeit eines Ausbaus und vor allem aber war bereits damals – als SPD und Grüne die Landesregierung stellten – die Heranziehung der Anlieger zu den Kosten auf Basis des Kommunalabgabengesetzes (KAG) ein Aufreger für die Anlieger mit ihren teils sehr großen Grundstücken. Zudem wurmte das Prinzip „KAG geht vor Zuschuss“, so dass nach Anrechnung der Heranziehungskosten ausschließlich das Stadtsäckel vom Zuschuss profitiert.

Das Vorhaben zwischen „Rothe Gasse“ und der nördlichen Einmündung der Industriestraße – mit seinen damals bereits auf rund drei Millionen Euro kalkulierten Gesamtkosten – löst zwei unterschiedliche Arten der Heranziehung aus: auf Basis des Baugesetzbuches in Höhe von 90 Prozent für die Werther Straße, weil der Ausbau dort eine Ersterschließung ist, sowie für die Derichsberger Straße auf Basis des KAG mit nach altem Stand 50 Prozent für die Entwässerung sowie 60 Prozent für Parkstreifen und Gehwege. Die Fahrbahn sollte nur so saniert, aber nicht neu gebaut werden, dass eine Heranziehung nicht ausgelöst würde.

Vor sechs Jahren rangierte die Beitragseinheit an der Derichsberger Straße beim Faktor 12,55 Euro/m2 sowie an der Werther Straße bei 9,15 Euro/m2, wobei bei Gewerbegrundstücken ein 30-prozentiger Aufschlag erhoben wird. Nach damaligen Stand hätten das Land 1,1 Millionen, die Stadt 0,73 Millionen und die Anlieger 1,17 Millionen Euro des Kostenvolumens getragen.

Angesichts der Entwicklungen von Preisen und der Nachfrage in der Baubranche dürften diese Zahlen heute anders aussehen. Und auch die Beteiligung der Anlieger der Derichsberger Straße dürfte nach den Ankündigungen der schwarz-gelben Landesregierung zur KAG-Novellierung anders ausfallen.

Dabei soll an den bereits 2013 beschlossenen Ausbauplänen nichts Grundsätzliches geändert werden, sagt Infastruktur-Amtsleiter Bernd Kistermann: Gehwehwege, Radweg, Parkplätze und Fahrbahnführung sollen zumindest im Bereich der Derichsberger Straße wie zuvor geplant verlaufen. Auf die beiden großen Kreisverkehre an den breiten Kreuzungsbereichen mit Diepenlinchener- / Niederhofstraße sowie mit der östlichen Industriestraße hatte die Stadt 2013 auf Wunsch der Mausbacher bereits verzichtet.

Aber für die Werther Straße ist der Verwaltung mittlerweile ein Clou gelungen, der vor allem Radfahrern sowie Besuchern und Beschäftigten der dort ansässigen Betriebe zugute kommt. Die Stadt kann einen etwa acht Meter breiten Streifen einer landwirtschaftlichen Anbaufläche zwischen Widtmannschacht und Weißenberg erwerben. Der Stadtrat hat dem Ankauf auf seiner jüngsten Sitzung bereits zugestimmt.

Damit kann in diesem Abschnitt überhaupt erst ein 2,50 Meter breiter Radweg gebaut werden, was in der alten Planung aus Platzmangel nicht vorgesehen war. Zudem können Dutzende Parkplätze in Queraufstellung geschaffen werden. „Mit dem Ausbau der Radwegeverbindung zwischen Mausbach und Werth kann eine wichtige Forderung aus unserem klimafreundlichen Mobilitätskonzept realisiert werden“, freut sich Röhm über diese Perspektive für Fahrradfahrer.

Darüber hinaus wurde das Ausbauende bis zu den letzten Häusern am Weißenberg vor der Werther Heide verlängert.

Bis zu der für Anfang 2020 geplanten Beteiligung der Bürger sollen weitere Details geplant und Kosten berechnet werden.