Stolberg-Münsterbusch: Ein Sprechtag, nicht nur für Stolberger Lehrer

Stolberg-Münsterbusch: Ein Sprechtag, nicht nur für Stolberger Lehrer

Es ist kein Geheimnis: Elternsprechtage sind bei Schülern nicht sonderlich beliebt. Doch sie gehören eben zur Schullaufbahn dazu — so wie Zeugnisse und Klassenarbeiten. Nahezu unbekannt (aber deutlich beliebter) sind dagegen Lehrersprechtage. Die Idee: Grundschullehrer tauschen sich mit ihren Kollegen der weiterführenden Schulen über ehemalige Schüler aus.

Das erste Treffen in dieser Form fand jetzt am Stolberger Goethe-Gymnasium statt. Bei über 500 Kindern, die nach Schätzung von Bernd Decker, Leiter des Goethe-Gymnasiums, vor einem halben Jahr auf eine von sechs weiterführenden Schulen in Stolberg gewechselt sind, war für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

„Es ist wichtig, dass es zu keinem Bruch nach dem Übergang zur weiterführenden Schule kommt“, sagt Decker. Natürlich sei die Idee des Austauschs zwischen Lehrern der Primar- und Sekundarstufe nicht neu. Doch bei der Stolberger Schulleiterkonferenz, deren Sprecher Decker ist, sei der Wunsch geäußert worden, sich künftig an einem zentralen Ort und nicht wie bisher auf den so genannten Erprobungsstufenkonferenzen auszutauschen.

Wissen, was aus ihrem ehemaligen Schüler geworden ist, wollte auch Friederike Fischer. Sie unterrichtet an einer Grundschule in Herzogenrath. Einer ihrer Schüler wechselte im Sommer aber auf eine Stolberger Schule, die Förderschule. Nach dem Gespräch mit ihrer Kollegin Dorothea Krieger, die ihren ehemaligen Schüler nun unterrichtet, war sie erleichtert. Der Schüler sei sehr verhaltensauffällig gewesen, sagt Friederike Fischer. Doch sie erfuhr: Die Entscheidung — Förderschule — war für ihn offenbar richtig. „Der Schulwechsel von einer Klasse mit 24 Kindern in eine Förderschulklasse mit nur noch 14 Kindern hat ihm gut getan.“

Auch Monika Kaiser unterrichtet an einer Grundschule, die nicht in Stolberg, sondern in Aachen-Eilendorf beheimatet ist. Doch allein aus ihrer ehemaligen vierten Klasse wechselten sieben Schüler an Stolberger Schulen: das Goethe-Gymnasium, die Gesamt- oder die Sekundarschule. „Mich interessiert, wie sich meine früheren Schüler eingelebt haben“, so Kaiser. Bei einigen Schülern sei der Schulwechsel problemlos verlaufen, bei anderen gäbe es nach wie vor die selben Probleme wie auf der Grundschule.

Dass der zentrale Lehrersprechtag in Stolberg nun die Termine an den verschiedenen Schulen ersetze, sieht sie mit gemischten Gefühlen. Denn sie wartete 20 Minuten auf ihren ersten Gesprächspartner. „Bei sieben ehemaligen Schülern kann es sich hinziehen, bis man mit allen gesprochen hat.“ Bei dem alten Format, den Erprobungsstufenkonferenzen, sei es möglich gewesen, „gezielter auf die Kollegen zuzugehen. Andererseits ist jetzt alles mit einem Aufwasch erledigt.“

Eine von vielen Stolberger Grundschullehrerinnen, die in die „Goethe“-Mensa kamen, war Melanie Lutz. Mit ihrer Kollegin Marlies Amian, die am Ritzefeld-Gymnasium unterrichtet, tauschte sie sich über ihre ehemaligen Schüler von der Grundschule Mausbach aus. Melanie Lutz erfuhr: Einer ihrer Ex-Schüler hat in seinen Leistungen deutlich nachgelassen. Kann Nachhilfeunterricht etwas daran ändern, oder macht ein Schulwechsel in diesem Fall mehr Sinn? Der betroffene Schüler habe einen tollen Wortschatz, suche aber weiterhin nach seinem „Steckenpferd“, so die Einschätzung ihrer Kollegin, Marlies Amian, die trotz des unerwarteten Leistungsabfalls eine Lanze für die Grundschullehrerinnen bricht. „Die Grundschulgutachten sind eine große Hilfe. Auf sie ist meistens Verlass.“

Sie spricht von „fruchtbaren Gesprächen“ auf dem ersten Lehrersprechtag. „Die Art der Begegnung ist eine Erleichterung für beide Seiten.“ Auf den Punkt bringt es Markus Stork, Sozialarbeiter der Hauptschule Kogelshäuserstraße. Das gegenseitige Kennenlernen sei entscheidend. „Und sobald ich jemanden persönlich kenne, ist auch der kurze Dienstweg möglich.“

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